Am Sonntag, 3. Juli, besuchten die BSWW.de-Redakteure Martin Stürzebecher und Maik Hanke das Reload-Festival in Sulingen, um Chris Jerichos Band Fozzy unter die Lupe zu nehmen. Bereits im Vorfeld war ein Interview-Termin mit Chris Jericho vereinbart worden. Nach den zwei Berichten
(Teil 1,
Teil 2) kommt hier nun das ausführliche Gespräch mit dem „Ayatollah of Rock 'n' Rolla“, das rund 20 Minuten dauerte.
BSWW.de: Wie gefiel dir euer Konzert heute?
Chris Jericho (Chris): Es war gut. Wir haben noch nicht so viel in Deutschland gespielt. Deswegen macht’s immer Spaß, wenn du eine Show startest, die Leute zuschauen, dann in Fahrt kommen und am Ende „Fozzy“ rufen. Wir mögen das. Wir müssen mehr in Deutschland spielen, um unsere Fan-Base hier zu vergrößern. Denn ich glaube, unsere Musik ist genau das, was die Deutschen mögen.
BSWW.de: Sehr heavy und sehr schnell?
Chris: Ja, heavy, melodisch, schnell. Wir müssen hier einfach mehr spielen. Deswegen ist diese Tour auch sehr wichtig für uns. Wir machen einige Shows in Deutschland: Festival-Shows, Headlining-Shows und als Vorband für Anthrax.
BSWW.de: Deiner Meinung nach, sind die meisten Deutschen, die zu den Auftritten kommen, Leute, die Fozzy noch nicht kennen?
Chris: Ich denke schon, denn wir haben hier, wie gesagt, noch nicht so viel gespielt. Aber das ist okay, wir mögen das. Jetzt wissen die Leute, wer wir sind. Und ich garantiere euch, am Ende des Tages werden sich die Leute, die den ganzen Tag zugehört haben, an unseren Auftritt erinnern. Mehr können wir nicht tun.
BSWW.de: Wenn man sich an den Auftritt im „Logo“ in Hamburg im Jahr 2005 erinnert: Da waren vielleicht 30 bis 50 Zuschauer. Ich hatte den Eindruck, die Show könnte abgesagt werden – aber ihr habt doch gespielt.
Chris: Wir spielen vor jedem Publikum.
BSWW.de: Zu Zeiten des oben genannten Konzertes in Hamburg habe ich mich in erster Linie auf die Cover-Songs konzentriert. Die wollte ich hören, nicht eure Eigenkompositionen, sondern „Balls to the Wall“, „Where Eagles Dare“ und „Big City Nights“. Heute sind diese Cover Songs für mich schmückendes Beiwerk. Ich möchte eure eigenen Songs hören. Das dürfte eines eurer Ziele sein?
Chris: Wisst ihr, wenn du anfängst, Musik zu machen, dann möchtest du auch deine eigenen Songs spielen. Das ist das Schöne daran, Musiker zu sein. Es ist eine sehr schräge Geschichte um Fozzy. Wir wurden von Johnny Zuzula unter Vertrag genommen, der auch Metallica und Anthrax unter Vertrag genommen hatte. Wir haben als Coverband unterschrieben, also machten wir das eine Weile. Rich und ich, wir machten gerne Musik und hörten auch die gleichen Sachen. Wir mochten die Covers, aber unsere eigene Musik war auch wirklich gut. Also haben wir uns entschieden, nicht mehr die Covers zu machen, sondern unseren eigenen Kram. Das hat 2004 etwa angefangen. Wir spielen eigentlich immer noch Covers bei unseren Auftritten, aber heute war mal keins dabei. Wir sind einen eigenartigen Weg gegangen, aber nun ist es alles eigene Musik. Ich denke, unsere Fans schätzen das auch. Wir sind größer denn je durch unsere eigenen Songs.
BSWW.de: Nächsten Mittwoch [13. Juli 2011, Anm. d. Red.] seid ihr wieder in Hamburg im „Logo“. Also muss das Publikum ja größer sein.
Chris: Werden wir sehen. Wir haben noch nicht viel in Deutschland gespielt. Daher ist es wichtig auf Festivals wie diesem hier zu spielen und die Shows mit Anthrax zu machen. Wir müssen unsere Fan-Base aufbauen.
BSWW.de: Ein strategischer Ansatz?
Chris: Ja, richtig. So haben wir das auch in England, Irland, Schottland, Wales, Frankreich, Australien und Kanada gemacht. In Deutschland könnten jetzt wieder nur 40 da sein, keine Ahnung. Aber das ist uns auch egal, denn diese 40 Leute werden uns ihren Freunden empfehlen. Und nächstes Mal werden wir schneller wiederkommen. Wir hatten bisher immer große Pausen zwischen unseren Shows in Deutschland. Das werden wir nicht wieder machen. Wir werden wiederkommen. Denn so baut man seine Fan-Base auf.
BSWW.de: Also „stört“ es dich auch nicht, beim Reload-Festival in Sulingen zu spielen, wenn du schon bei WrestleMania vor über 70 000 Menschen aufgetreten bist?
Chris: Das ist was anderes. Das ist Wrestling und dies hier ist Musik. Ich spiele schon in Bands, seit ich zwölf Jahre alt bin. Als ich klein war, wollte ich in einer Rock-‘n‘-Roll-Band spielen und Wrestler werden. Die Wrestling-Karriere ist als erstes gestartet, ich hatte aber immer noch die Liebe und Leidenschaft für die Musik. Jetzt machen wir Fozzy seit zwölf Jahren. Wir spielen überall. Wir werden auf dem „Sonisphere“ spielen und da werden 50 000 Leute sein und in Hamburg, da werden vielleicht nur 50 sein. Das ist egal. So baut man etwas auf. Als ich mit dem Wrestling angefangen habe, habe ich vor sieben Leuten gewrestlet. Es geht darum, die Band und den Brand aufzubauen. Wir haben weltweit eine große Fan-Base. Manche Länder sind größer und manche sind kleiner, aber das ist okay. Denn wir werden zum Aufbauen wiederkommen.
BSWW.de: Auf welches Level schielt ihr?
Chris: Natürlich will man „Reload“ headlinen. Man muss so groß denken. Daher haben wir hier auch heute gespielt.
BSWW.de: Ist es für euch schon ein Erfolg, auf dem Plakat des „Reloads“ zu stehen?
Chris: Ja, alleine dabei zu sein, ist ein Erfolg, aber dann auch noch einen Eindruck zu hinterlassen und Leute dazu zu bringen, den Namen deiner Band am Ende des Auftritts zu rufen, ist der wirkliche Erfolg.
BSWW.de: Das ist wie bei einem neuen Charakter im Wrestling…
Chris: Richtig. Am Ende des Tages werden die Leute nach Hause gehen und sagen: „Weißt du was, ich mag Papa Roach, ich mag Soilwork [die beiden Bands traten am gleichen Tag wie Fozzy auf, Anm. d. Red.], aber ‚fucking‘ Fozzy, von denen habe ich noch nie was gehört, aber die waren richtig klasse. Nächstes Mal, wenn die wieder auf dem Programm stehen, komme ich wieder.“ Und sie werden es auch ihren Freunden erzählen. So geht das.
BSWW.de: Am Freitag hatten wir hier eine Band namens Emil Bulls und am Samstag hatten wir 4Lyn. Diese beiden Bands waren die Eisbrecher ihrer jeweiligen Tage. Fozzy war der Eisbrecher dieses Tages. So wie sich Leute an die beiden genannten Bands vielleicht erinnern werden, werden sie sich auch an Fozzy erinnern…
Chris: Genau das ist die Idee. Wenn du auf Festivals spielst und du früh am Tage dran bist, dann musst du besonders hart arbeiten, um einen Eindruck zu hinterlassen. Wir haben 2005 beim „Download“ gespielt und Leute haben gesagt, dass wir die Band des Tages waren, obwohl auch Megadeth, My Chemical Romance und Billy Idol gespielt haben. Fozzy war die Überraschungsband des Tages. Mehr kann man nicht verlangen.
BSWW.de: Liegt das vielleicht auch an deinen Fähigkeiten, zu performen und Leute zu unterhalten?
Chris: Das hat damit eine ganze Menge zu tun. Aber das ist hier nicht nur Chris Jericho, sondern die ganze Band. Nicht nur Jericho hat diese Präsenz, sondern alle fünf Mitglieder der Band. Natürlich muss man als Frontmann noch härter arbeiten, aber ich mag das. Als ich mit dem Wrestling angefangen habe, wollte ich der David Lee Roth [Van Halen, Anm. d. Red.] oder der Paul Stanley [KISS, Anm. d. Red.] des Wrestlings sein. Ich hatte schon immer diese Frontmann-Einstellung, sicherzustellen, dass sich die Leute erinnern, wer du bist. Das ist das gleiche mit Fozzy. All die Jahre in der WWE haben mir definitiv geholfen, mit einem Publikum zu arbeiten und keine Angst vor einem Publikum zu haben. Und je mehr ich in Fahrt komme, desto mehr kommen auch die Leute in Fahrt. Das ist das Geheimnis.
BSWW.de: Ärgert es dich, wenn die Leute „Y2J“ rufen?
Chris: Mich stört das nicht. Das ist Teil meines Vermächtnisses, es ist Teil von dem, wer ich bin. Wenn die Leute das am Ende des Auftritts noch riefen, würde es mich ärgern. Aber am Ende des Auftritts, was haben sie gerufen? Fozzy. Mission erfüllt.
BSWW.de: Ärgert es denn die anderen aus der Band?
Chris: Nein, überhaupt nicht. Wie gesagt, am Ende des Auftritts haben sie ja „Fozzy“ gerufen. Ich bin Y2J. Das ist keine schlechte Sache.
BSWW.de: Ist Fozzy ein Grund, um mit dem Wrestling abzuschließen?
Chris: Nein. Ich weiß nicht, ob ich zum Wrestling zurückkehren werde. Ich habe derzeit nur einfach kein Interesse daran. Wenn ich Fozzy nochmal richtig durchziehen will, dann ist es jetzt die Zeit dazu. Ich habe bisher immer Fozzy gemacht, eine Auszeit genommen, wieder Fozzy gemacht und wieder eine Auszeit genommen. Nun arbeiten wir mit der Band daran, den Schwung mitzunehmen, den wir hatten, als „Chasing the Grail“ vor zwei Jahren herauskam. Wir müssen diesen Schwung nutzen, denn die Leute interessieren sich so langsam dafür. Nach zwölf Jahren ist es Zeit, weiterzumachen und einen richtigen Treffer zu landen. Und es klappt.
BSWW.de: Die Resonanz zu „Chasing the Grail“ ist also gut?
Chris: Sie ist fantastisch, überall auf der Welt! Das Album wird sogar noch einmal neu herausgebracht, zusammen mit einem Live-Album, das wir in Sydney vor ein paar Jahren aufgenommen haben. Es ist großartig, dass jemand dein Album noch einmal herausbringen möchte, weil es so erfolgreich war und sie das beibehalten wollten.
BSWW.de: Ich habe vor Kurzem gelesen, dass ihr Anfang 2012 ein neues Album herausbringen wollt.
Chris: Das ist unser Ziel, um den Schwung beizubehalten.
BSWW.de: Was können wir von dem neuen Album erwarten?
Chris: Ich denke, in etwa dasselbe, was wir schon beim „Grail“ und dem Rest unserer Musik gemacht haben: Sehr heavy, sehr melodisch, sehr Fozzy-mäßig. Alle unsere Songs, die wir gemacht haben – einige sind hart, einige nicht – kommen von ein und demselben Ort.
[Ansage vom Management, dass nur noch eine Frage gestellt werden solle]
BSWW.de: Ich würde wirklich gerne deine Meinung wissen zur aktuellen Situation in der WWE, nicht speziell zur CM-Punk-Story, sondern zur ganzen Lage. Die Stimmen der Smart Marks werden lauter, dass sie das nicht mehr ertragen könnten, zu viel PG zum Beispiel.
Chris: Das Problem ist nicht PG. Wenn man gut genug ist, kann man auch PG machen. Ich hatte damit nie ein Problem. Wenn dein Boss sagt, dass es PG sei, dann macht man das. Ich hatte den besten Charakter, den ich je hatte, in der PG-Zeit. Das Problem ist, dass viele einfach keine Erfahrung haben. Das Erfahrungslevel ist sehr niedrig. Jungs kommen ins Business, trainieren sechs Monate lang und kommen dann ins Fernsehen. Sie wissen nicht, was sie zu tun haben. Erfahrung kann man jemandem nicht beibringen. Und deswegen lache ich auch über die CM-Punk-Sache. Das war nichts Rebellisches, was er selber gemacht hat. Ganz offensichtlich gab Vince McMahon hier grünes Licht. Es ist seine Firma. Wenn Vince das wirklich nicht gewollt hätte, hätte man das Mikrofon schon nach 30 Sekunden abgestellt. CM Punk hat die Erfahrung, es so darzustellen, dass es was Revolutionäres, Rebellisches wäre. Das ist der Unterschied. Hätte Mason Ryan das machen sollen, hätte er das nicht hinbekommen – weil er nicht weiß, wie. In ein paar Jahren könnte er es wissen, aber es braucht viel Zeit. Und das ist das Problem mit der WWE.
BSWW.de: Sollte Vince McMahon nun den Weg zu Ende gehen, Punk den Titel von Cena gewinnen und damit gehen lassen?
Chris: Das hilft seiner Firma aber nicht. Wenn Punk wirklich gehen sollte, wovon ich ausgehe, sollte man das Beste aus den letzten drei Wochen machen. Jeder redet darüber. Leute werden dafür Geld ausgeben, um zu sehen, ob er gewinnt. Das ist das Geniale daran. Wenn er geht, dann geht er. Was will man dagegen machen? Man muss einfach in den nächsten drei Wochen so viel Geld machen wie möglich. Wenn Punk mit dem Titel gehen würde, was würde dann passieren? Nichts. Da verdient man nichts. Das ist wie letztes Jahr mit den Nexus-Jungs. Ein Haufen grüne Kerle, von denen noch nie jemand gehört hatte, wurde das heißeste Eisen in der Company, dadurch, dass man sie als dieses Pack zusammensetzte. Nach ein paar Monaten war das zwar tot, aber trotzdem. Man muss einfach die Situation ausnutzen.
BSWW.de: Du sagtest, die jungen Leute haben nicht die Erfahrung. So wie ich das sehe, werden die jungen auf oftmals einfach zu früh fallen gelassen. Viele werden in den Main Event gepusht, haben dann vielleicht ein Titelmatch und dann müssen sie wieder in die Mid- oder Undercard. Nehmen wir Wade Barrett als Beispiel.
Chris: Ja, das ist ein guter Punkt… Er hat nämlich die Erfahrung. Er arbeitet seit vielen Jahren. Ich weiß es nicht. Ich bin nicht da, ich weiß auch nicht mehr als ihr. Ich schaue mir die Shows an und gucke, was da so los ist. Wer kennt die Gründe, warum? Ich weiß es nicht.
BSWW.de: Wann werden wir dich wieder dort sehen?
Chris: Ich habe keine Ahnung. Um ehrlich zu sein: Es gibt keine Garantie, dass ich überhaupt wiederkomme. Ich weiß, viele Leute werden das nicht gerne hören, aber ich habe das Wrestling nicht aus dem einen speziellen Grund verlassen. Mein Vertrag ist ausgelaufen und ich hatte andere Dinge am Laufen. Werde ich zurückkommen? Ich weiß es nicht. Ich muss es einfach fühlen. Die Leidenschaft muss da sein. Denn wenn nicht, dann würde es nicht klappen. Ich muss daran glauben. Ich muss es sein.
BSWW.de: Hast du andere Pläne für die Zukunft? Werden wir dich auch in Deutschland wiedersehen?
Chris: Ihr werdet mich in Deutschland wahrscheinlich mehr mit Fozzy als mit der WWE sehen. Mein Plan ist es, weiter auf dem Schwung der Band zu reiten. Wenn sich niemand für unsere Band interessieren würde, niemand die Songs hören wollte und niemand bei unseren Gigs erscheinen würde, dann würden wir nicht spielen. Mein Plan ist es, die Band Land für Land weiter aufzubauen. Wir haben das in Großbritannien gemacht, in Kanada, in Frankreich und Australien. Die Vereinigten Staaten haben wir noch nicht gemacht, ebenso Deutschland oder Japan. Diese drei Länder sind meine nächsten Ziele. Es ist alles bereit, um das zu schaffen.
BSWW.de: Ist es vielleicht eine größere Herausforderung als wieder zurück zum Wrestling zu gehen?
Chris: Ich würde nicht sagen, dass es eine größere Herausforderung ist. Wir müssen einfach weiter aufbauen. Wir können nicht eine lange Zeit weggehen. Wenn man im Musikbusiness für zwei, drei oder vier Jahre weggeht, vergessen die Leute. Man muss immer wiederkommen. Das ist nicht wie beim Wrestling. Im Wrestling kannst du nach sieben Jahren wiederkommen wie The Rock und jeder wird sich erinnern. Das kann man bei der Musik nicht machen. Zurzeit liegt hier meine Leidenschaft wie damals, als ich zwölf Jahre alt war. Wie gesagt, ich hatte zwei Träume. Ich hatte Glück, dass beide wahr wurden: Einer richtig groß und an einem arbeite ich noch. Ich weiß, was es braucht, etwas aufzubauen, weil ich es vorher schon einmal gemacht habe. Das ist das, was ich mit der Band machen muss – alle von uns.
BSWW.de: Du hast dir deine beiden Träume erfüllt. Welche Träume hast du jetzt? Sind noch andere große Träume vorhanden?
Chris: Es gibt immer Dinge, die ich gerne machen möchte. Ich bin eine sehr kreative Person. Ich mag es, Bücher zu schreiben, ich mochte die Tanzshow, bei der ich mitgemacht habe, ich schauspielere gerne. Es gibt vieles. Ich bin da vielem aufgeschlossen. Ich bin Künstler und Entertainer. Wenn ich bei etwas denke, dass ich es machen kann, dann werde ich das tun.
BSWW.de: Planst du schon ein neues Buch?
Chris: Ja, dafür habe ich sogar schon einen Vertrag. Ich habe aber noch nicht angefangen, zu schreiben. Mache ich aber bald. Es ist wirklich schwer, ein Buch zu schreiben.
BSWW.de: Wird es wieder autobiografisch sein?
Chris: Ja. Ich habe noch so für Material aus den letzten drei, vier Jahren, über das ich schreiben kann. Mir passiert so viel Unsinn, das ist lächerlich (lacht). Es gibt immer Sachen, über die ich schreiben kann.
BSWW.de: Kannst du deine Familie auch öfter sehen, wenn du nicht wrestlest?
Chris: Ja. Die Sache hier ist, dass du für drei Wochen auf Tour bist, dann bist du aber auch zu Hause für zwei, drei Wochen. Beim Wrestling ist man immer ein paar Tage unterwegs, ein paar Tage zu Hause. Wie in einem Hamsterrad. Und man muss mental stark sein. Das ist nicht einfach. Es ist sehr hart für deinen Körper - physisch und psychisch.
BSWW.de: Und du möchtest bestimmt auch die Entwicklung deiner Kinder beobachten…
Chris: Das ist auch ein Grund. Den verstehen viele Leute nicht. Vielleicht möchte ich auch mal zu Hause sein für zwei oder drei Wochen. Daher spiele ich mit der Band: Man ist zwar lange unterwegs, aber man ist eben auch zu Hause. Und wenn ich zu Hause bin, dann mache ich nichts, außer mit meinen Kindern Zeit zu verbringen. Das kann man nicht ersetzen. Sie sind noch sehr jung, fast fünf und fast acht. Jetzt ist die Zeit, in der du mehr denn je um sie herum sein möchtest. 200 Tage im Jahr unterwegs sein, das ist vielleicht nicht mehr das, was man machen möchte.
BSWW.de: Ich denke da auch an Ric Flair…
Chris: Ja, und er bereut das. Ich möchte kein Sklave des Wrestling-Business sein. Das war ich nie und werde ich auch nie sein. Ich habe es immer nach meinen Bedingungen gemacht.
BSWW.de: Mein Bauchgefühl sagt mir, Wrestling ist für dich eher vorbei.
Chris: Eines Tages könnte ich aufwachen und habe die großartigste Idee auf der Welt. Das könnte passieren. Aber im Moment liegt meine Leidenschaft hier und mein Herz zu Hause. Und ich bin glücklich damit. Ich weiß, es macht andere Leute unglücklich, aber ich kann nicht für andere Leute leben.
BSWW.de: Damit können wir leben. Vielen Dank!
Chris: Ich danke euch.
Das Interview führten Martin Stürzebecher und Maik Hanke.