Insgesamt vier Mal kommt die WWE in diesem Herbst nach Deutschland. Während sich Ende der kommenden Woche die Wrestler von SmackDown in Nürnberg, Dortmund und Berlin die Ehre geben werden, waren am 5. November die RAW-Superstars in Mannheim zu Gast.
Mannheim an der SAP Arena, 16 Uhr, noch vier Stunden bis Show-Beginn. Noch ist hier nicht besonders viel los, allerdings sind die ersten Fans schon eingetroffen und vertreiben sich jetzt die Zeit auf dem noch spärlich gefüllten Parkplatz. Man diskutiert über vergangene Tour-Erlebnisse und hört dabei die Auftrittsmusiken der WWE-Stars über die Autolautsprecher. Während ich in meinem Edge-Shirt aus dem Wagen steige, läuft gerade das Theme des Rated R Superstar. Na das ist doch mal ein Auftritt.
Auch im Mannheimer Zentrum, das von der SAP Arena aus in 20 Minuten mit der Straßenbahn zu erreichen ist, merkt man teilweise, dass die WWE heute hier zu Gast ist. Im örtlichen Saturn unterhalten sich bei den WWE DVDs zwei Jungs und zwei Mädels und einer schwärmt davon, wie Randy

Orton beim SummerSlam 2004 den World Heavyweight Championship von Chris Benoit gewann. Die Kunden, die nicht mit der Welt des Wrestlings vertraut sind, schauen die vier Fans erstaunt an, was wohl an den riesigen Replica-Gürteln liegt, die die beiden Jungs über ihre Schulter gelegt haben. Superstars trifft man leider keine an und auch eine Autogrammstunde wurde nirgends ausgerichtet.
Mannheim an der SAP Arena, 19 Uhr, noch eine Stunde bis Show-Beginn. Das Bild von vorher hat sich deutlich verändert und das nicht nur, weil es jetzt schon dunkel geworden ist. Etliche Fans warten vor der Halle auf den Einlass. Viele statten sich noch passend beim offiziellen Merchandise-Stand für 30 Euro mit T-Shirts ihrer Favoriten aus, bevor man an der Security vorbei in die Halle geht.

Auch drinnen herrscht vor allem am T-Shirt-Stand geschäftiges Treiben. Nebenan sind außerdem acht Playstation 3 aufgestellt, die mit dem brandaktuellen „SmackDown vs. RAW 2009“ ausgestattet sind (den ausführlichen Test zum Spiel für alle Systeme findet ihr selbstverständlich demnächst hier auf BSWW.de). Wem der Andrang zum Zocken zu groß ist, sucht schon mal seinen Platz in der Halle, in die insgesamt etwa 13.000 Leute passen. Je näher der Zeiger an die 20 auf der Uhr rückt, desto voller wird es. Ich bin ziemlich schlecht im Schätzen von Menschenmengen, aber der Unterrang war etwa zu 80% ausverkauft, während auf dem Oberrang deutliche Lücken zu erkennen waren. Insgesamt würde ich auf eine Kulisse von 5.000 bis 8.000 Fans tippen, deren Stimmung an diesem Abend einigen Schwankungen unterlag.
Der Jubel ist groß, als mit ein klein wenig Verspätung Tony Chimel, begleitet von einem Referee, den Ring betritt. Er verkündet noch kurz für diejenigen, die die Welt des Internets nicht nutzen bzw. nutzen wollen, dass Chris Jericho zwei Tage zuvor neuer World Heavyweight Champion wurde. Einige blicken verdutzt drein, manche freuen sich, die meisten buhen. Dafür wird der Jubel umso größer, als Chimel ankündigt, dass Batista heute im Main Event eine Chance bekommen wird, sich das Gold zurückzuholen. Ein junger Fan in meiner Nähe meint erleichtert: „Gut, dann wird er heute eben wieder Champion!“. Ich bezweifle das.
Es ist Zeit für den Opener und damit für eine weitere Verkleidung von Charlie Haas, der dieses Mal als Bret „The Hitman“ Haas auftritt. Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als viele ganz offensichtlich „Hart“ und nicht „Haas“ verstehen und sich riesig freuen.
Snitzky vs. Bret „The Hitman“ Haas
Meiner Ansicht nach nicht gerade als Opener geeignet und auch die Halle wurde nicht so richtig warm mit diesem Match. Haas hatte gut beim Hitman abgeschaut und zeigte originalgetreu einige Moves von ihm. Der Sharpshooter gelang ihm aber nicht. Snitzky spielte den typischen, körperlich überlegenen Heel. Am Ende wollte er einen Boot in die Ecke zeigen, Haas duckte sich aber und rollte Snitzky zum Sieg ein. Genau so hatte Snitzky übrigens schon vor einem Jahr in Mannheim verloren, damals aber gegen CM Punk.
D-Lo Brown vs. Mike KnoxHier waren die Rufe der Fans schon lauter und vor allem D-Lo wurde gut angefeuert, zumindest aus den ersten Reihen. Wunderte mich ein bisschen, dass er noch so bekannt war. Das Match an sich war schon besser und hatte einige sehenswerte Moves zu bieten. D-Lo stieg zum Low Down aufs Top Rope, Knox wich aber aus und zeigte selbst den Knox Out, um das Match für sich zu entscheiden.
Divas Tag Team Match
Special Referee: Kelly Kelly
Beth Phoenix & Layla vs. Candice Michelle & Mickie JamesDas Match bekam erstaunlich viel Zeit und war auch wirklich gar nicht schlecht. Kelly Kelly als Special

Referee machte nur von der Figur her eine gute Figur. Sie zählte zu schnell und hörte mit dem Count immer schon auf, bevor der Pin gelöst wurde (sie wusste ja, dass das nicht das Ende sein würde). Außerdem rief sie nach jedem Cover ganz laut für alle, die es nicht mitbekommen hatten: „That was two“ Das Match dominierten standesgemäß die Heels, die Candice bearbeiteten und nicht zum Wechsel kommen ließen. Natürlich klappte der dann doch und Mickie räumte auf. Nach einem Sunset Flip hielt sich Layla an Beth fest, um nicht eingerollt zu werden. Candice beförderte diese aber mit einem Dropkick zu Boden und Layla hielt sich stattdessen am Seil fest. Kelly kickte ihr gegen den Arm und der Einroller kam durch. Dieses Mal zählte Kelly bis Drei. Das Publikum war hier schon lauter und vor allem Mickie bekam viele Zurufe.
Jamie Noble vs. ManuDieses Match hat mich am Positivsten überrascht, weil ich mir wenig erwartet hatte. War aber nett, Manu endlich mal in Action zu sehen. Er hat den typischen samoanischen Stil und zeigt einige Powermoves. Ich glaube, er könnte durchaus Talent haben. Jamie war ihm so ziemlich ebenbürtig und begeisterte mit einem Plancha nach draußen und einem tollen Superplex. Am Ende musste er sich aber doch geschlagen geben und zwar nach einem Samoan Drop.
No Disqualification Match
Rey Mysterio vs. Kane
Der Zwerg war in Sachen Jubel einer der Top 3 des Abends. Dementsprechend ließ man seine Musik auch lange laufen und er durfte sich feiern lassen. Das Match an sich war meiner Ansicht nach das beste des Abends. Rey legte gut los und brachte eine Mülltonne ins Spiel, deren Deckel er Kane ein paar Mal über die Rübe zog. Die Tonne selbst verfrachtete er mit einem Baseball-Slide dahin, wo es am meisten weh tut. Kane punktete natürlich mit seiner Kraft. Das Match erinnerte mich stark an das von Cyber Sunday. Die Stimmung während des Matches war auch klasse, nur den Leuten fiel außer „619“-Chants nichts anderes ein. Am Ende spannte man die Zuschauer ein bisschen auf die Folter, indem Kane dreimal ins Seil fiel, vor dem geforderten 619 aber immer wieder aufstand. Beim dritten Mal klappte es aber und der anschließende Springboard Splash brachte Rey den Sieg.
Es wurde nun eine kleine Pause eingeschoben, die Leute sollten schließlich noch mehr Getränke und T-Shirts kaufen. Ein Vater, der offenbar nur seinem Sohn zuliebe mitgekommen war, fand die Show wohl nicht so prickelnd, meinte er doch: „Nur das letzte war ein richtiger Kampf, das davor war doch nur Kochstudio.“ Mörder-Spruch!
Weiter ging es mit einer kleinen Promo von Santino, der mit Beth Phoenix zum Ring kam und wieder zum Besten gab, dass er als Champion von allen Kontinenten der beste

Wrestler der Welt sei und nach 64 Wochen, sei er auch der beste IC Champion aller Zeiten. Er meinte, er tritt an, egal gegen wen, was William Regal auf den Plan rief.
Intercontinental Championship
Santino Marella © vs. William RegalDie Stimmung litt hier darunter, dass viele Leute noch vom Getränke-Nachschub-Kauf zurückkamen. War auch nicht wirklich der Bringer, weil Santino wohl auch bei Houseshows die Order hat, nicht zu viel zu zeigen. Das Ende kam, als Regal seinen Gegner mit einem Suplex in den Ring zurückholen wollte. Beth hielt seine Füße fest, Santino fiel auf ihn drauf und das war's.
World Tag Team Championship
Cody Rhodes & Randy Orton vs. Kofi Kingston & CM Punk ©Ein wenig überraschend, dass hier plötzlich Randy Orton der Partner von Cody Rhodes war. Er bekam aber richtig lauten Jubel, auch wenn er als Heel standesgemäß noch mehr ausgebuht wurde. CM Punk bekam wohl die größten Pops am gesamten Abend und es schallten auch dauernd Punk-Sprechchöre durch die Halle. Das Match war ein typisches Tag Team Match ohne großartig spektakulär zu sein. Gehobener Durchschnitt wie so viel an diesem Abend. Am Ende kam der Hot Tag und Punk pinnte Rhodes nach dem GTS.
World Heavyweight Championship
Chris Jericho © vs. BatistaBatista komplettierte die Top 3 in Sachen Jubel. Jericho wurde stark ausgebuht. Ein bisschen nervig war das fünfminütige Geplänkel zu Beginn, als Jericho nie so richtig ins Match einsteigen wollte. Die Fans riefen „Loser“ und Jericho meinte: „I can’t be a loser. I’m not from Mannheim, Germany“. Das nennt man wohl „very cheap heat“. Das Match an sich war mehr als OK, aber

selbstverständlich hat man nicht alles aus dieser Paarung herausgeholt. Jericho setzte ein paar Holds an, Batista kam irgendwann mit seinen Powermoves ins Match. Das Ende war dann leider arg vorhersehbar, als der Referee sich bei einem Spear-Ansatz direkt neben Jericho stellte. Meinen Nebensitzer konnte ich trotzdem beeindrucken, indem ich ihm das Ende haargenau prophezeite. Batista rennt also los, muss aber abstoppen, weil Jericho den Referee in den Weg zieht. Es setzt den Codebreaker und 1-2-3, Titel verteidigt.
Gleich nach dem Match rannten sehr viele Leute aus der Halle, denn sie hatten wohl Angst vor einem Parkplatz-Ausfahrt-Chaos. Sie haben wohl nicht gewusst, dass am Ende der Houseshow immer der Face triumphieren muss. Sie verpassten also, wie Jericho noch mit dem Gürtel zuschlagen wollte und sich dafür eine Batista Bomb einfing. Mit einem feiernden Batista war die Show dann endgültig vorbei
Der Außenbereich, in dem die Wrestler zum Bus gingen, war danach fast schon hermetisch abgeriegelt. Überall hinderten Security-Typen Fans daran, in die Nähe der Superstars zu kommen, um ein Autogramm oder Foto zu ergattern. Einerseits schade, andererseits verständlich, wenn man den Terminplan der WWE bedenkt. Viele trösteten sich daher mit einem Riesenposter ihres Superstars, das einige (ganz bestimmt nicht lizensierte) Verkäufer auf einer Brücke in Nacht- und Nebel-Aktionen für 5 Euro verhökerten. Schnell verdientes Geld.

Insgesamt war es eine wirklich nette Show in Mannheim. Die Stimmung war auf jeden Fall besser als in den vergangenen beiden Jahren, als ich vergleichbare Veranstaltungen in Stuttgart und Mannheim besucht habe. Erstaunlich vor allem daher, weil es ein Wochentag war und angesichts der Autokennzeichen viele eine relativ weite Anreise hatten. Pyro-Effekte gab es während der Show keine, die Wrestler kamen lediglich von einer behelfsmäßig aufgebauten Rampe. Wäre wohl auch zu teuer für eine Houseshow, mehr als nur ein bisschen Rauch herauszupusten. Negativ fiel das Fehlen einiger Superstars auf. So gab es weder Shawn Michaels noch JBL zu sehen (ich dachte eigentlich, das würde der Co-Main Event werden, um schonmal für ein eventuelles PPV-Match zu üben) und auch Cryme Tyme waren leider nicht dabei. Ted DiBiase fehlte wohl wegen der aktuellen Storyline, was aber nicht minder schade war. Und auf Cena hatte ich sowieso nicht gehofft. Insgesamt gesehen aber ein schöner Abend in der SAP Arena, der auch gut vor Augen führt, dass Wrestling in Deutschland momentan einen absoluten Boom erlebt.
Am Ende sei noch ein spezielles Dankeschön an BSWW-Leser Marco Rajan gerichtet, der zu diesem Foto-Bericht einige selbst geschossene Bilder beigetragen hat.