Allgemein
In der WWE kann man sich heutzutage nur noch auf wenig verlassen. Für Touren angekündigte Wrestler erscheinen nicht, PPV-Matches werden kurzfristig abgeändert und interessante Storylines versaut. Schön, dass man wenigstens auf THQ bauen kann, die Jahr für Jahr eine neue Ausgabe ihrer Hit-Franchise „SmackDown vs. RAW“ nachschieben. Die 2009er-Ausgabe für die Wii ist dabei wesentlich umfangreicher als die Version aus dem Vorjahr und kann fast durchweg überzeugen.
Das Spiel

Wo fängt man bei einer so großen Auswahl am Besten an?! Neubesitzer des Games können mit nur wenigen Knopfdrücken ihr erstes Match bestreiten und Erfahrungen sammeln. Ob man mit einem normalen 1 on 1 startet, oder gleich in einem Hell in a Cell Match die Sau rauslässt, ist dabei egal. Insgesamt stehen unzählige Matchtypen zur Verfügung und fast alle Wrestler, die man aus den aktuellen Shows kennt, sind dabei. Neuere Superstars wie Vladimir Kozlov oder Evan Bourne fehlen zwar, aber wer möchte, kann diese im Create a Wrestler – Modus erschaffen. Auch auf aktuelle Wechsel in der WWE kann man mit dem Roster-Editor blitzschnell reagieren. Das Menü erklärt sich in allen Fällen problemlos auch ohne Lesen des Handbuchs und wird von Superstar-Musik oder anderen Titel begleitet. Wie man ein Gimmick-Match gewinnen kann, wird einem kurz davor auf einem Info-Bildschirm mitgeteilt. Gut so!
Wenn man sich einmal eingespielt hat, bietet sich die Road to WrestleMania an, die man mit CM Punk, Chris Jericho, dem Undertaker, Triple H oder John Cena spielen kann. Auch eine Tag Team-Karriere mit Batista und Rey Mysterio steht zur Verfügung. Einerseits erscheint es ein wenig mau, dass man lediglich aus diesen sechs Story-Möglichkeiten entscheiden kann und sich mit anderen Stars nicht auf die Straße zu WrestleMania begeben kann. Dafür gibt es aber noch den Karriere-Modus, bei denen man aus allen Wrestler auswählen kann oder auch den Turnier-Modus, bei dem man seine/n Ausgewählte/n zum King of the Ring befördern oder einen Beat the Clock Sprint gewinnen kann. Durch die begrenzte Anzahl an Superstars bei der Road to WrestleMania ist wenigstens sichergestellt, dass jede Geschichte individuell bleibt. Hier haben sich die Entwickler auch wirklich Mühe gegeben und es macht Spaß, mit seinem Superstar auf Titeljagd zu gehen. Dabei wird nicht nur Match an Match gereiht, sondern es gibt auch Backstage-Segmente und interessante Entwicklungen. Für weitere Langzeitmotivation sorgt, dass man auch einige Dinge freispielen kann.
Eine schöne Neuerung bieten die Tag Team-Kämpfe. Nicht nur, dass man hier einige schöne Double Team – Aktionen zeigen kann. Auch die Tatsache, dass man den für Tag Team Matches in der Realität unverzichtbaren Hot Tag aufbauen kann, nachdem der Partner die Power hat, im Ring so richtig aufzuräumen, zeigt, dass man sich bei THQ wirklich Gedanken gemacht hat, um diese Neuerung auf hohem Niveau zu etablieren.
Da darf natürlich auch ein Mehrspieler-Modus nicht fehlen, bei dem man gemeinsam oder gegeneinander antreten kann. Bis zu vier Spieler können an einer Wii-Konsole mitzocken. Auch das Online-Spiel gegen Spieler aus aller Welt ist möglich. Wer gerade keinen Mitspieler zur Hand hat, der kann sich über die annehmbare KI der CPU freuen.
Lediglich zwei erwähnenswerte Dinge, die ich auch gerne auf der Wii gesehen hätte, fehlen im Vergleich zu PS3 und XBox 360. Dies sind das Inferno Match und der Create a Finisher-Modus. Vor allem um letzteren ist es doch sehr schade. Wenn man schon seinen eigenen Wrestler erschaffen kann, so wäre ein eigener Finishing Move nocht eine nette Dreingabe gewesen.
Wertung:
Steuerung

Die Steuerung des Spiels würde ich als Prunkstück der Wii-Version bezeichnen. Zunächst einmal ist sie wirklich simpel zu erlernen und geht einem schon nach wenigen Minuten Kampfgeschehen in Fleisch und Blut über. Es sind keine komplizierten Tastenkombinationen nötig, das meiste macht man, indem man die Wiimote schwingt, dabei den Stick auf dem Nunchuk in eine Richtung drückt und währenddessen den A- oder B-Knopf bzw. für Finisher und Trademarks beide gleichzeitig drückt. Auch Konter gehen mit einem einfachen Druck des B-Knopfes leicht von der Hand, was vor allem in Matches gegen Freunde zu unzähligen Reversals und einem realistischen Kampfgeschehen führen kann. Die Steuerung ist letztlich wirklich sehr intuitiv geworden. Wenn der Gegner auf dem Boden liegt kann man sich über ihn knien und indem man Wiimote und Nunchuk in der geschlossenen Faust ruckartig nach unten führt, macht der Wrestler genau das: Fautschläge. Beim Spear von Edge kann man, während er lauert, die Wiimote nach oben schwingen und bekommt die typische, auffordernde Edge-Geste zu sehen. Schwingt man die Wiimote dann nach links, setzt sich die Spielfigur in Bewegung und rammt den Gegner um. Und bei den Einzügen kann man selbst die Arme nach oben reißen, was durch Wiimote und Nunchuk auch auf die Spielfigur übertragen wird. Das sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Steuerung wirklich Spaß macht. Zwei kleinere Wehrmutstropfen muss man aber in Kauf nehmen. Zum einen kommt durch das Schwingen mit der Wiimote nicht immer der Move heraus, den man jetzt eigentlich zeigen wollte, wodurch man nicht immer gezielt vorgehen kann. Zum anderen muss man in bei Aufgabegriffen und wenn man gepinnt wird bzw. aufstehen will, den Steuerstick wie verrückt hin und her bewegen. Dafür könnte man sich durchaus eine bessere Lösung einfallen lassen. Schade ist auch, dass die Gebrauchsanleitung nicht wirklich viele Tipps gibt, was Feinheiten der Steuerung angeht, allerdings findet man das meiste per kurzem Knopfdruck während eines Kampfs im Tutorial. Nur wie man Submission Moves ansetzt, die kein Finisher oder Trademark sind, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden.
Wertung:
Grafik

Als Wii-Besitzer weiß man, dass man die Grafik eines Spiels nicht mit der desselben Games für PS3 und X-Box 360 vergleichen sollte. Hier wird die Wii meist den Kürzeren ziehen, was aber sicherlich die meisten beim Kauf einer neuen Konsole schon abgewogen haben. Schade ist allerdings, dass man wegen der schlechteren Grafik-Leistungen auch Matchtypen vorenthalten bekommt. Das Inferno Match hätte auf der Wii wohl zu schlecht ausgesehen und fehlt dementsprechend, was aber letztlich nicht so schlimm ist. Ärgerlicher sind dagegen die Gesichter der Superstars, bei denen man sich in der Zeit zurückversetzt fühlt. Dass hier heute deutlich mehr geht – und zwar auch auf der Wii – hat „TNA iMPACT!“ mit den fast schon fotorealistischen Gesichtern ihrer Wrestler im Spiel bewiesen. Bei „SmackDown vs. RAW 2009“ dagegen – man muss es einfach so sagen – sehen manche Leute in einer näheren Ansicht einfach richtig doof aus. In diesen Bereich sollte THQ mehr Aufmerksamkeit stecken. Ein anderer Beleg dafür sind z.B. die Frisuren, vor allem bei Wrestlern mit langen Haaren. Deren Haarpracht kommt so rüber, wie wenn ein Liter Ultrastrong-Haargel darin verarbeitet worden wäre. Dass die Fans eher wie Pappaufsteller daherkommen, dürften Fans von Wrestling-Spielen schon gewöhnt sein. Nichtsdestotrotz sollte es verbessert werden. Man muss zwar zugeben, dass diese drei Punkte den Spielspaß während der Matches nicht schmälern, aber den Gesamteindruck schon. Ein Lob geht dafür an die verschiedenen Arenen-Designs, die den Einzug der Wrestler zu einem zusätzlichen Hingucker machen. Die Move-Physik wirkt stets flüssig, Konter erscheinen ebenfalls nicht abgehackt. Einen weiteren Pluspunkt gibt es für die Zeitlupenanimation bei Signature und Finishing Moves, da es die Besonderheit dieser Aktionen heraushebt und einfach toll aussieht. Der Matchfluss an sich wird dadurch nicht gestört.
Wertung:
Sound

Soundtechnisch gibt es weder viel zu Meckern noch groß zu Loben. Angenehm ist, dass die Kommentatoren nicht ganz so viel plappern und vor allem, dass man die Original-Kommentatoren beibehalten hat. Schön auch, dass die Wrestler in den Road to WrestleManias sich selbst sprechen und dabei untertitelt werden. Englisch-Muffel und jüngere Spieler könnten dies aber auch als Kritikpunkt ansehen. Ein bisschen negativ fallen die teilweise abgehackten Ansagen der Ringsprecher auf. Wenn ein Wrestler Champion ist, dann wirkt die Ansage, wie wenn sie aus dem Baukasten mit mehreren Teilen zusammengesetzt wurde. Die Abstimmung zwischen Fans, Ringsound und Kommentar passt ebenfalls. Wirklich gut kommen auch die Einzüge der Superstars mit den dazugehörigen Entrance-Themes daher. Das passende Feuerwerk mit überzeugenden Soundeffekten darf auch nicht fehlen. Das interessanteste Feature findet man in den Road to WrestleManias. Ab und zu bekommt der Charakter, den man gerade spielt, einen Anruf auf dem Handy. Dieser wird passenderweise aus dem Minilautsprecher an der Wiimote und nicht aus den Fernsehboxen wiedergegeben. Eine wirklich nette Idee.
Wertung:
Spielspaß

Der Spielspaß bei „SmackDown vs. RAW 2009“ ist nahezu ungebrochen hoch und auch die Langzeit-Motivation für das Spiel ist gegeben. Für Parties mit Freunden ist das Spiel einfach ideal, vor allem natürlich, wenn diese sich auch für Wrestling interessieren. Ohne lange Eingewöhnungsphase kann man einfach drauflos zocken und schon nach kürzester Zeit, Erfolge verbuchen. Die hohe Anzahl an Matchtypen und Wrestlern sorgt dafür, dass stets Abwechslung geboten ist und man immer etwas anderes zu sehen bekommt. Aber auch als Einzelspieler muss man sich nicht langweilen. Wer gerade keine Lust auf die sechs verschiedenen Road to WrestleManias mit ihren abwechslungsreichen Storylines hat, der kann sich auch selbst einen eigenen Wrestler erschaffen und diesen antreten lassen.
Wertung:
Fazit
THQ hat es wieder einmal geschafft: „SmackDown vs. RAW“ ist und bleibt die Referenz, was Wrestling-Games für Konsolen angeht, auch die 2009er-Ausgabe des Spiels. Zumindest die Wii-Version des Spiels kommt sehr nahe an das heran, was ich unter einem perfekten Wrestling-Spiel verstehen würde. Wie schon oben erwähnt, werden Wii-Besitzer vermutlich den Spielspaß höher gewichten als Grafik oder Sound und dieser Fun-Faktor ist bei „SmackDown vs. RAW 2009“ wirklich riesig. Vor allem im Spiel mit Freunden kann das alles für einen langen, unterhaltsamen Abend sorgen. Aber auch wenn man alleine zockt, wird man bestens unterhalten, vor allem natürlich dank der verschiedenen Road to WrestleMania-Stories.
Gerade da THQ nun erstmals Konkurrenz in Form von „TNA iMPACT!“ bekommen hat, werden viele Fans überlegen, welches der beiden Spiele sie sich nun kaufen sollen. Ich persönlich tendiere hier eindeutig zu „SmackDown vs. RAW 2009“, das mich beinahe rundum überzeugt hat und bestimmt noch viel Spaß für einige kalte Wintertage bereithalten wird.
Wertung:
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