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BSWW.de: Schwartz, ungesüßt... - "Zwölf Runden"
Hallo liebe Leser und ein herzliches Willkommen zu einer weiteren Sonderausgabe von Schwartz, ungesüßt... Heute habe ich es tatsächlich heil geschafft, im (Film-)Ring insgesamt zwölf Runden mit John Cena zu überstehen. Wie der neueste Streifen mit dem WWE-Superstar meiner Meinung nach geworden ist, könnt ihr in den folgenden Zeilen erfahren.
You can’t see me! - John Cenas allseits bekannter Catchphrase traf wohl niemals mehr zu als bei der deutschen Kinoauswertung seines neuesten Film „Zwölf Runden“. Gerade einmal elf Kinos im gesamten Bundesgebiet haben den Streifen in ihr Programm aufgenommen. Keine guten Voraussetzung also, um hierzulande als Hit in die Geschichtsbücher einzugehen, geschweige denn zum bisher eher mauen allgemeinen Einspielergebnis für WWE Films beizutragen. Selbst das vermarktende Studio hatte offenbar kein großes Vertrauen in den Film und ließ die PR-Maschinerie erst gar nicht anlaufen.
Das alles klingt schon verdächtig nach Super-GAU, aber ganz so schlimm ist das neueste Vehikel, um John Cena als Actionstar der Zukunft in Hollywood zu etablieren, dann doch nicht geworden. Eines ist für mich sicher: Der Film wird die Zuschauer in genau drei Gruppen spalten. Gruppe 1 wird „Zwölf Runden“ verfluchen und als Stuss oder absoluten Quatsch abtun, weil der Film außer Nonstop-Action rein gar nichts zu bieten hat. Gruppe 2 wiederum wird den Film genau wegen diesen temporeichen Schauwerten lieben. Und Gruppe 3 schließlich wird zwischen diesen beiden Aspekten abwiegen und zu dem Schluss kommen, dass Regisseur Renny Harlin fast noch das Beste aus dem Szenario herausgeholt hat. Dumm wie Brot, aber es kracht gewaltig und ohne Pausen. Ich zähle mich übrigens zur dritten Gruppe.
Eben jener eben angesprochene finnische Regisseur Renny Harlin war auch der Grund, warum ich mich tatsächlich auf diesen Film gefreut habe. Harlin zeichnet sich verantwortlich für einige absolute Klassiker des Genres wie „Stirb langsam 2“ oder „Cliffhanger“ und auch sein „Tödliche Weihnachten“ halte ich persönlich für einen der am meisten unterschätzten Actionfilme der 90er Jahre. Weil er aber unbedingt zweimal mit seiner damaligen Ehefrau Geena Davis drehen musste und dabei zwei Flops produzierte – „Tödliche Weihnachten“ war einer davon, der andere „Die Piratenbraut“ – setzte er seine Karriere fast in den Sand. Zwar waren zwischendrin noch einige gute Filme wie „Deep Blue Sea“ oder „Mindhunters“ dabei, aber auch für geistigen Dünnpfiff wie „Driven“ oder „Der Pakt – The Covenant“ ließ er sich verpflichten. Mit „Zwölf Runden“, so konnte man sich freuen, würde er wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren.
Und an seiner Inszenierung gibt es auch wie schon erwähnt nichts auszusetzen. Atempausen werden dem Zuschauer nur wenige gelassen und das Budget von 22 Mio. Dollar hat er so eingesetzt, dass der Film von seinem Look her nach wesentlich mehr aussieht, als er eigentlich ist. Dennoch kann man nicht verhehlen, dass es sich bei „Zwölf Runden“ um ein waschechtes B-Movie handelt, das eigentlich direct to video hätte veröffentlicht werden sollen. Die Story ist Beiwerk, aber – und hier wiederhole ich mich gerne – die Action kann sich durchaus sehen lassen. In Erinnerung bleiben dürften vor allem eine Szene, in der die Hauptfigur Danny Fisher (John Cena) mit einem Feuerwehrauto in wenigen Minuten 23 Blocks durch ganz New Orleans hetzen muss – Blechschaden vorprogrammiert – und eine, in der die Bremsen einer Straßenbahn gesprengt wurden und Fisher diese irgendwie anhalten muss. Das alles wurde dem heutigen Geschmack und Trend folgend mit vielen Schnitten und wackeliger Kamera sehr rasant festgehalten. Harlin nennt das „Guerilla Methode“: In einigen Szenen wurden dabei mehrere wackelige Handkameras verwendet, um den Zuschauer noch näher ins Geschehen zu katapultieren. Positiv fällt dabei auf, dass alles so richtig schön Old School ist, womit sich Harlin auf das konzentriert hat, was er am besten kann. Nur in wenigen Fällen wurden CGI-Effekte verwendet und die sehen für das Budget dann doch relativ annehmbar aus.
Aber um was geht es eigentlich in „12 Rounds“ (so der wohl bekannte Originaltitel)? Detective Danny Fisher (John Cena) gelingt es mehr durch Zufall, den gefährlichen Terroristen Miles Jackson (Aidan Gilles) zu schnappen, nachdem der bei einer fehlgeschlagenen FBI-Aktion entwischen konnte. Jacksons Freundin Erica (Taylor Cole), die diesem zur Flucht verhelfen wollte, kommt bei der Festnahme durch einen tragischen Zwischenfall ums Leben, als sie abhauen will und von einem heranschießenden Auto überfahren wird. Natürlich macht Jackson hierfür Fisher verantwortlich und schwört Rache. Ein Jahr später ist es soweit. Der Terrorist entkommt aus dem Gefängnis und setzt seinen Plan in die Tat um. Er sprengt Dannys Haus in die Luft und entführt dessen Freundin Molly (Ashley Scott). In den kommenden Stunden schickt Jackson den verhassten Fisher auf eine wilde Hatz quer durch New Orleans, wo der Cop insgesamt zwölf Herausforderungen überstehen muss, um seine Molly lebend wieder zu bekommen.
Moment mal… die Filmfreundin von John Cena wird entführt und dieser muss sie retten. Das kommt einem doch ziemlich bekannt vor, schließlich hatte „The Marine“ damals die selbe Prämisse. Allerdings unterscheidet sich „Zwölf Runden“ dann doch an einigen Stellen vom Schauspiel-Debüt Cenas. Viel mehr erinnert der Film da schon an einige andere bekannte Action-Filme der jüngeren Vergangenheit. Die Inszenierung der Eröffnungssequenz hat sich Harlin wohl von „Der Staatsfeind Nummer 1“ abgeschaut, das Storyelement, dass ein Böser den Guten mit mehreren Aufgaben durch die Stadt hetzt, kommt dem geneigten Action-Fan aus „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ ziemlich bekannt vor und auch Motive aus „Speed“ oder dem ersten „Stirb langsam“-Film kann man erkennen. Sogar die finale, überraschende Wendung kennt man haargenau so aus einem der genannten Filme.
Schauspielerisch darf man von so einem Film natürlich kein Bäumeausreißen erwarten. John Cena schlägt sich erstaunlich wacker, auch wenn er hauptsächlich seine bekannte Mimik aus dem WWE-Ring recyclet. Ein richtig Großer wie „The Rock“ wird er in Hollywood freilich nie werden, da kann Vince soviel mit ihm promoten und machen was er will. Für B-Movies dieser Sorte langt es jedoch allemal – die Kollegen van Damme und Lundgren lassen grüßen. Ashley Scott ist nur als Eye-Candy dabei und der Bösewicht Aidan Gillen enttäuscht leider auf ganzer Linie. Von einem charismatischen, herrlich bösen Bad Guy ist er kilometerweit entfernt. Glücklicherweise hat er nicht so viel Screentime in den rund 100 Minuten bekommen, sodass dies nicht ganz so negativ ins Gewicht fällt. Deutlich nerviger sind da schon die Nebenrollen der – wen wundert es – stets unterlegenen FBI-Agenten, die immer einen Schritt hinterher sind.
Auch die Logik von „Zwölf Runden“ ist nicht immer auf der Höhe des Geschehens, aber Logiklöcher so groß wie die Fußstapfen von Godzilla werden einfach durch das enorme Tempo ignoriert. Das Motto hierbei schien zu sein, dem Publikum einfach keine Zeit zum Nachdenken zu geben, wie dumm das hier eigentlich alles ist. So steht am Ende ein Film, der so richtig schön belanglos und teilweise sogar ziemlich doof ist, der aber trotz allem einen hohen Entertainment-Faktor aufweisen kann. Ja, ich gebe es zu, ich habe mich eigentlich prächtig amüsiert und in den gesamten 100 Minuten nicht einmal gelangweilt. Durch die Idee mit den titelgebenden zwölf Runden weist der Film eine episodenartige Struktur auf, aber genau das dürfte der Schlüssel dazu sein, dass man nahtlos gut unterhalten wird. Von mir bekommt „Zwölf Runden“ daher 7/10 Punkten, allerdings zusätzlich die Gewissheit, dass ich das Gesehene in spätestens einer Woche wieder vergessen haben werde. Und wenn für den Film im Kino schon das "You can't see me" gelten muss, so kann man doch vermuten, dass er auf DVD ein Hit wird, sobald er in die Videotheken und Läden kommt. In den USA ist das bereits am 30. Juni der Fall - dann sogar als Unrated-Extreme-Cut, der noch mehr Action verspricht.
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