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BSWW.de: Schwartz, ungesüßt... - Night of Champions 2009
Von Michael Schwartz
Montag, 27. Juli 2009
Hallo liebe Leser und ein herzliches Willkommen zu Schwartz, ungesüßt... heute wie gewohnt unter der regulären Überschrift nach meinem kurzen Ausflug ins Metier der sinnlosen Namensänderungen. In einer Standard-Einleitung würde jetzt stehen, dass Night of Champions der eine PPV im Jahr ist, bei dem alle Titel der WWE auf dem Spiel stehen. Und weil ich dringend Urlaub brauche und diesen erst am 4. August antreten kann, fällt mir leider auch nichts Kreativeres ein. Also: Night of Champions ist der eine PPV im Jahr, bei dem alle Titel der WWE auf dem Spiel stehen. Das ist aber auch nicht viel mehr als bei The Bash, denn da standen schon alle Titel bis auf den US Title und den Women’s Championship auf dem Spiel. War die Night of Champions tatsächlich ihres hochtrabenden Namens würdig? Wurde der rote Teppich im Entrance-Bereich der Halle in Philadelphia berechtigterweise ausgerollt? Oder waren PPV-Name und Teppich nur Beiwerk für eine typische WWE-Großveranstaltung? Die subjektive Antwort auf diese Fragen findet ihr in den folgenden Zeilen.
Dabei findet ihr die Gedanken zu jedem Match wie gewohnt in vier Abschnitte gegliedert vor: Zunächst gehe ich auf den Aufbau des Matches vor dem PPV ein. Dann folgt eine Analyse des Matches selbst. Nach einem Ausblick, wie es mit den Kontrahenten weitergehen könnte, folgt noch eine abschließende Punktebewertung des Matches. Diese reicht von 1 (Smart, sexy and…) bis 10 (… whatever the other word is). Aber nun genug der Einführung, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Unified Tag Team Championship
Chris Jericho & Big Show © vs. Cody Rhodes & Ted DiBiase


Der Aufbau: Es war schon eine dicke Überraschung als der von Vince McMahon unter Druck gesetzte Teddy Long bei The Bash einfach Chris Jericho & Edge in das Tag Team Title Match zwischen Primo & Carlito und Cody Rhodes & Ted DiBiase steckte. Natürlich gewannen die beiden Kanadier auch nach einem Spear von Edge. Auch das Rematch gegen die Ex-Champions entschieden Edge und Y2J für sich, ebenso wie ein Non Title Match gegen die Colons, was auch zu deren Auseinanderbrechen führte, und einen Kampf gegen CM Punk und Jeff Hardy. Der Million Dollar Man Ted DiBiase setzte in seiner Tätigkeit als Guest Host auch gleich eine Titelchance für seinen Sohn mit dem selben Namen und dessen Kumpel Cody Rhodes an. Danach passierte aber das große Unglück und Edge riss sich die Achillessehne. An Wrestling ist für ihn leider sechs bis neun Monate nicht mehr zu denken und so musste eine neue Idee für Jericho her. Ich bin mir sicher, dass diese von den SmackDown-Bookern kam, auch wenn sie bei RAW präsentiert wurde. Warum? Nun ja, es war eine kreative Idee, die für Spannung sorgte und so was haben die RAW-Writer leider nicht drauf. Chris hatte einen Vertrag, der ihm zusicherte, sich einen neuen Partner für Night of Champions suchen zu dürfen, wenn Edge sich verletzt. Mit seinem verletzten Ex-Kurzzeit-Partner lieferte sich Chris Jericho auch noch ein kleines Rededuell bei SmackDown, wo schon einmal eine Fehde der beiden angedeutet worden wäre. Eigentlich schade, ich hätte gerne gesehen, wie man diese regulär und ohne die Zwangspause von Edge umgesetzt hätte. Nun ging natürlich das große Spekulieren los, wen man als Tag-Team-Partner wählen würde. Bei SmackDown sprach Jericho sowohl mit Kane als auch mit The Great Khali, wobei letzterer eine klare Absage erteilte, während man nicht hören konnte, was ersterer zu diesem Vorschlag zu sagen hatte. Mit einer Aussage bei Twitter goss Jericho noch mehr Öl ins Feuer, denn er sprach davon, dass sein Partner „evil“ sein werde. Noch ein Hinweis in Richtung Kane? Oder plante man gar den ganz großen Coup mit dem Undertaker? Der wäre vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen, denn WWE mag es ja gar nicht, wenn nur Heels in einem Match stehen. Vielleicht war das aber auch wirklich eine belanglose Aussage von Chris, der man nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken sollte. Eines stand aber fest: Das Tag Team Title Match sorgte im Vorfeld von Night of Champions für die meisten Spekulationen und – was man nicht vergessen sollte – es versprach auch wrestlerisch richtig gut zu werden.

Das Match: Hatte ich gerade gesagt, es konnte wrestlerisch richtig gut werden? Vergessen wir das lieber wieder, wenn wir sehen, dass Big Show als Partner erwählt wurde. Die große Spannung wurde also gleich zu Beginn aufgelöst, aber nicht ohne dass man noch ein bisschen auf die Folter gespannt worden wäre. Erst das Video mit Edge, dann noch eine fiese kleine Ansprache von Chris Jericho. Jerry Lawler sprach beim Aufrauchen von Big Show vom „worst case scenario“ für Cody Rhodes und Ted DiBiase. Ich weite das noch aus auf alle Wrestling-Fans. Allerdings passt es, dass Jericho sich jemanden sucht, der körperlich so überlegen ist, denn das ist eine opportunistisch, rationale Wahl. Big Show hatte dann auch gleich einen neuen Ringanzug an. Hatte er seinen vergessen und musste sich was von Santino Marella leihen? Jedenfalls war der World’s largest Athlete lahm wie immer und gleich zu Beginn versaute er auch deutlich einen Double Team Move, als er Jericho nicht richtig hoch bekam beim Versuch ihn per Gorilla Press auf Rhodes splashen zu lassen. Auch Legacy schienen anfangs ihr sonst ausgereiftes Timing verloren zu haben, denn bei High/Low schmetterte DiBiase den Gegner bereits per Clothesline um, aber Cody verpasste unten mit dem Chopblock deutlich sichtbar das Knie. Ein weiterer mieser Moment war der, als Jericho taggen wollte, DiBiase ihn aber zu langsam abfing und Big Show viel zu deutlich die ausgestreckte Hand zurückziehen musste. Das Publikum interessierte sich nicht besonders für dieses Match, aber erstaunlicherweise war der Top Heel derjenige, der die meisten Chants bekam. Jericho übernahm in diesem Match auch die typische Face-Rolle für Tag Team Matches, indem er einstecken musste, bis der Hot Tag gelang. Highlight des Matches war zweifelsohne der Bilderbuch-Moonsault von Cody Rhodes. Wow! Anschließend allerdings wieder Abzüge in der B-Note, weil Chris nicht rechtzeitig aus dem Cover auskickte und der Referee das Zählen kurz von Drei einfach einstellte. Nach dem finalen Wechsel ging es wie immer heiß her. Erst löste Rhodes clever ein Chaos aus und Legacy profitierte davon, dann allerdings mussten sie sich dem clevereren Heel geschlagen geben, der das Chaos gewinnbringend zum Codebreaker gegen Ted nutzte, wonach Big Show diesen mit dem Camel Clutch zum Abklopfen brachte. Dieses Finish gefiel mir recht gut, auch wenn DiBiase/Rhodes weiterhin sinnlos verheizt werden, während ein wahllos zusammengewürfeltes Team das doppelte Gold tragen darf.

Wie geht es weiter? Ich habe ehrlich gesagt keinen blassen Schimmer, wohin das mit Big Show führen soll. Wie gesagt halte ich ihn für die uninteressanteste Wahl, die wohl nur daher geschuldet ist, dass für ihn keine weitreichenden Pläne vorlagen und er bei RAW sowieso gerade verloren wirkt. Aber vielleicht kann ihn der Championship um seine mittlerweile wieder deutlich übergewichtigen Hüften ein bisschen mehr motivieren. Zunächst einmal dürfte das neue Duo bei RAW und SmackDown alle regulären Tag Teams auseinander nehmen, auch wenn das nicht mehr allzu viele sind. Die Tag-Team-Szene wird damit mal wieder deutlich entwertet, da die eingespielten Teams nichts aussetzen können gegen eine Mischung aus zwei Main Eventern, aber das hatten wir ja schon öfter. Möglicherweise entsteht auch hier eine Fehde zwischen den aktuellen Champions wie das bei Jericho und Edge geplant war. Leider wäre diese nicht halb so interessant und außerdem müsste dann wieder ein Roster-Wechsel außerhalb des Drafts vollzogen werden. Sollte das passieren, so wäre es meiner Ansicht nach Zukunftsmusik. Es sei aber noch festgehalten, dass Chris Jericho in diesem Tag Team absolut verschenkt ist. Bei Cody und Teddy ist die Prognose, wie es weitergehen wird, sogar noch viel eindeutiger. Bei RAW werden sie weiterhin von allen Leuten verkloppt und ab und zu dürfen sie Randy Orton dabei helfen, ein Match zu gewinnen bzw. nicht zu verlieren.

Fazit: 5/10

Bei seiner anschließenden Promo war CM Punk richtig genial und man hat gesehen, dass ihm diese besserwisserische Heel-Rolle perfekt liegt. Mir erschien es zwar so, als ob er noch zu wenige Buh-Rufe zieht, aber das könnte auch an der Akustik der Halle gelegen haben. Allerdings gab es auch bei der Erwähnung des Namens Hardy einige Buh-Rufe zu hören, was sonst eher selten der Fall ist. Lobenswert sei noch erwähnt, dass Punk einer derjenigen ist, die bei den Statements auch in der Lage sind, spontan auf Reaktionen des Publikums einzugehen, wenn diese nicht so erwartet wurden, und dass er seinen Text nicht einfach so runtereiert. Hier war dies der Fall, als er verschiedene Laster wie Alkohol, Zigaretten und Marihuana aufzählte und die Fans diese Suchtmittel auch noch bejubelten.

ECW Championship
Tommy Dreamer © vs. Christian


Der Aufbau: Auch bei The Bash ist es Christian nicht gelungen, den ECW Championship, den ja eigentlich Jack Swagger für ihn verloren hatte, im Scramble Match zurückzuholen. Bei der nächsten ECW-Ausgabe traten die noch halbwegs befreundeten Rivalen Christian und Dreamer gegen William Regal und Vladimir Kozlov an und verloren prompt, weil Tommy nach dem Iron Curtain gepinnt wurde. In der zweiten Ausgabe der Abraham-Washington-Show meinte Dreamer, er hätte gerne ein weiteres Match gegen Christian, was er dann auch prompt bekam. Allerdings musste sich hierzu Captain Charisma erst in einem No.1 Contenders Match gegen Vladimir Kozlov durchsetzen, was ihm mit dem Killswitch klar gelang. Und wie baut man so ein Titelmatch mit den nominell beiden größten Stars des Brands nach WWE-Logik auf? Richtig, man lässt beide gleich stark aussehen… indem beide klar verlieren. Christian unterlag Shelton Benjamin, während Dreamer gegen Kozlov den Kürzeren zog. Nach Dreamers Match wollte Christian den Save machen, aber wie so oft passierte auch hier das Unglück, dass er selbst denjenigen ausknockte, dem er helfen wollte. Kurzzeitig wurde also ein Fatal Four Way angedeutet, aber letztlich blieb es beim Einzelmatch. Die beiden Kontrahenten waren schließlich noch zu Gast in der Abraham-Washington-Show, die ich bisher eigentlich ganz OK finde, wobei noch Steigerungspotential besteht. Dort gingen sich die beiden verbal an und während Dreamer meinte, wenn er mal „extreme“ mit Christian werden würde, so könnte dieser bei der nächsten Show nicht anwesend sein, konterte Christian damit, dass Tommy bei einem Sieg wohl wieder losflennen würde. Dreamer bezeichnete diese Aussage als Ohrfeige und Christian zeigte ihm, was eine richtige Ohrfeige ausmacht: das Klatschen. Auch Dreamer teilte noch eine Watschn aus und die beiden wollten sich mit Blicken töten. Der Aufbau bis zu diesem Punkt gefällt mir, denn es ist den Writern gelungen, auf einem schmalen Grat zwischen Freund und Feind in Bezug auf Herausforderer und Champion zu wandern, was das Ganze schon einmal vom Standard Heel vs. Face abhebt. Allerdings war ich im Vorfeld auch der Meinung, dass Dreamer den Titel wieder loswerden sollte, denn mit William Regal und vor allem Shelton Benjamin stehen bereits Herausforderer für Christian parat, mit denen dieser wirklich exzellente Matches hervorzaubern könnte.

Das Match: Die Ohrfeigen-Geschichte aus der Abraham-Washington-Show wurde hier sogleich fortgesetzt, was eine gute Kontinuität in der Storyline zeigt, wenn auch solche vermeintlichen Kleinigkeiten noch einmal aufgegriffen werden. Dreamer hatte anfangs einen tollen Konter parat, als er Christians Falling Rope Kick blockte und in einen Neckbreaker umwandelte. Der Anfang des Matches war sehr abwechslungsreich gehalten, nur fiel hier erneut das relativ lahme Publikum auf. Irgendwie sind mir PPVs an der Westküste lieber, denn da geht es von der Crowd her immer deutlich mehr ab. Das Match hatte nur zwei kurze Resthold-Phasen, als sich Dreamer jeweils aus einem Sleeperhold befreien musste. Ansonsten wurde das Tempo hochgehalten und es gab wie bei Faces typisch viele Moves zu sehen. Christian zog Tommy dabei zu einem ansehnlichen und durchaus kurzweiligen Kampf. Das Finish mit dem Doppelkonter Killswitch-DreamerDDT-Killswitch war dann allerdings etwas platt. Dennoch unterhaltsam und mit dem Titelwechsel hin zu Christian hat man meiner Ansicht nach alles richtig gemacht.

Wie geht es weiter? Tommy Dreamer hat also seine Zeit im Rampenlicht noch bekommen, aber diese dürfte jetzt endgültig vorbei sein. Die anerkennende Geste vom entthronten Ex-Champ und die Umarmung mit dem Neu-Titelträger nach dem Match deuten darauf hin, dass diese Fehde ihr Ende gefunden hat. Vielleicht gewährt Christian seinem Kumpel noch ein Rematch (höchstwahrscheinlich bei einer normalen ECW-Ausgabe und nicht mehr beim PPV), aber der Titel dürfte nicht noch einmal um Tommys Hüften geschnallt werden. Dessen Aufgabe wird zukünftig wieder sein, andere Wrestler over zu bringen, was zum Beispiel einem Zack Ryder oder Sheamus sehr gut tun würde. Jetzt wo er noch einmal zwei Monate lang Champion war, ist Dreamers Marktwert wieder ein klein wenig gestiegen und ein Sieg gegen ihn hat wieder mehr Bedeutung. Einem Jack Swagger hat die Einstiegsfehde gegen Dreamer damals gut getan, warum nicht auch einem der genannten?! Für Christian ergeben sich als neuer Gegner drei Möglichkeiten. Am wahrscheinlichsten erscheint mir eine Fehde gegen Shelton Benjamin und ich muss bestimmt nicht erwähnen, auf was für tolle Matches wir uns dabei einstellen könnten. Beim SummerSlam könnten die beiden durchaus einen Showstealer hinlegen, wenn man sie denn lässt. Variante zwei wäre William Regal vs. Christian. Wrestlerisch auch top und bei den Mic-Duellen sicher noch deutlich besser, da Regal verbal wesentlich mehr drauf hat als Shelton Benjamin. Der schlimmste realistische Fall für Christian wäre Vladimir Kozlov, auch wenn selbst hier noch Potential vorhanden ist. Glücklicherweise scheint sich der Russe jetzt aber erst einmal mit Ezekiel Jackson zu battlen, was die schlechteste Fehde des Jahres werden könnte.

Fazit: 7/10

Interessanterweise ist Jeff Hardy im brandneuen Spot zum SummerSlam vertreten. Zumindest bis dahin dürfte er uns also tatsächlich erhalten bleiben.

Big Show und Chris Jericho klärten uns darüber auf, dass sie keine Freunde, sondern nur Geschäftspartner sind. Show wirkte irgendwie motivierter als in den letzten Wochen bei seinem Statement. An der Abstimmung müssen die neuen Unified Tag Team Champions aber noch arbeiten, denn nach mehreren schlecht getimtem Moves im Match klappte hier noch nicht einmal High Five. Jericho hatte letztlich noch einen coolen Abschluss-Kommentar in Richtung Edge parat. Nur noch sechs bis neun Monaten, dann gibt es endlich diese Traumfehde. Vorfreude ist die schönste Freude.

US Championship
Six Pack Challenge
Kofi Kingston © vs. Primo vs. Carlito vs. MVP vs. Jack Swagger vs. The Miz


Der Aufbau: Wie planlos und kurzfristig bei RAW vorgegangen wird, sieht man ganz klar an dieser Ansetzung, was selbst glühende Befürworter der langweiligsten Show der WWE zugeben müssen. Bis kurz vor dem PPV deutete nämlich absolut alles auf ein Triple Threat Match zwischen Kofi Kingston, Evan Bourne und Big Show hin. Bei RAW kam es zwischen Show und Kingston in einem Non Title Match zu einem Double Countout. Eine Woche später verlor Kingston dann in einem weiteren Non Title Match nach der Shooting Star Press gegen Evan Bourne. Nach diesem Match griff Big Show beide Kontrahenten an und fertigte sie mit Leichtigkeit ab. Daraufhin wurde auch die dritte mögliche Paarung angesetzt und wieder triumphierte Big Show, indem er Evan Bourne im Camel Clutch zur Aufgabe brachte. Kofi Kingston musste den lahmen Hünen schließlich verjagen, damit dieser nicht noch mehr Schaden anrichtet. Das wiederum führte zu einem erneuten Match Show vs. Kingston, in dem es wieder nicht um den US Championship von Kofi ging. Bei Superstars war The World’s largest Athlete hierbei mit dem Chokeslam erfolgreich. Das wäre ein Standard-Aufbau gewesen, aber immerhin war es ein Aufbau. Beim letzten RAW vor dem PPV änderte man die Pläne aber schlagartig und Evan Bourne wurde aus dem Match entfernt, während vier andere Leute diese Six Pack Challenge ergänzten. Halbwegs plausibel wäre das nur gewesen, wenn man die Verletzung von Bourne nach Shows Camel Clutch konsequent verkauft hätte, aber dieser war bei Superstars in einem Match gegen Jamie Noble schon wieder quicklebendig. So musste man sich wieder einmal fragen, wie ideenlos und wechselhaft man eigentlich sein kann. Carlito hat in diesem Match noch weniger verloren als Big Show grundsätzlich und MVP, Swagger und The Miz waren aktuell nicht mal andeutungsweise in das Rennen um den US Title verstrickt. Bei RAW gab es noch ein Six Men Tag Team Match, wo MVP, Kofi Kingston und Primo Colon (dieser ersetzte The Miz wohl, weil man vier Heels und nur zwei Faces hatte) gegen Big Show, Jack Swagger und Carlito siegten. Anschließend durfte Big Show dann noch seine Dominanz vorführen und fertigte den Rest vom Fest mit Freude ab. Massenmatches sind immer das beste Anzeichen dafür, dass man nicht weiß, wie man seine Wrestler einsetzen soll, vor allem, wenn sie so kurzfristig angesetzt werden. Dabei sollte es eigentlich ein Leichtes sein, mit charismatischen Leuten wie The Miz und MVP oder beeindruckenden Wrestlern wie Jack Swagger eine gescheite Einzelfehde um den United States Championship aufzubauen und die anderen ebenfalls in attraktive Konfrontationen mit Storyline zu stecken. Wenigstens konnte man aufgrund der vielen Beteiligten einiges an Tempo und – trotz Big Show – so gut wie keinen Leerlauf erwarten, nur viel Zeit leider nicht.

Das Match: Die Sache mit Big Show löste sich glücklicherweise in Wohlgefallen auf, weil man ihn dank seines Einsatzes beimTag Team Championship durch Primo ersetzt hatte. Das konnte dem Match nur gut tun. Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass MVPs Rumgehampel ätzend ist und eines der charismatischsten Heels der letzten Jahre nicht würdig?! Wie zu erwarten startete das Match schnell und vor allem chaotisch. Wirklich koordiniert wirkte da gar nix und selbst die Regie wusste teilweise nicht, auf welche Kamera sie nun schalten soll. Carlito zeigte gegen MVP einen wunderschönen Flip vom Top Rope nach draußen. Und was darf in einem Massenmatch auch nicht fehlen? Richtig, der Tower of Doom, hier mal in einer etwas neueren Ausführung mit Double Superplex und Double Powerbomb durch Swagger. Zwischendrin gab es eine klasse anzusehende, flüssige Konterphase zwischen Carlito, Primo und Kofi, die sich gegenseitig eine Weile lang einrollten und coverten. Ebenso gelungen sah die Mischung aus Playmaker gegen Swagger, während Miz dem ausführenden MVP gleichzeitig einen Full Nelson Facebuster verpasste, aus. Zwischenzeitlich sah alles nach einem Frieden zwischen Carlito und Primo aus, aber wie zu erwarten setzte es dann irgendwie doch den Backstabber. Der Hass gegen seinen Bruder sollte Carlito dann aber das Match kosten, denn er fing sich unbemerkt einen Trouble in Paradise ein. Kingston versaute diesen leider erneut, weil ihm zu wenig Platz für die Drehung gelassen wurde, wie es auch schon bei Extreme Rules der Fall war. Die Titelverteidigung kam meines Erachtens nach überraschend, aber andererseits freut es mich auch für Kofi, dass beim US Title ein bisschen Kontinuität ins Spiel kommt. Insgesamt ein spaßiges Durcheinander, das man allerdings ziemlich schnell wieder vergisst.

Wie geht es weiter? Die Writer von RAW sollten sich endlich Mühe geben und alle sechs mehr oder weniger talentierten Männer in ausgedehnte Einzelfehden stecken. Die x-te Auflage des Bruderduells dürfte feststehen und man würde gut daran tun, Carlito und Primo nicht nur kämpfen zu lassen, sondern auch Segmente mit ihnen abzuhalten. Sonst könnte das Zuschauerinteresse relativ gering sein. MVP vs. Jack Swagger wurde auch schon einmal angedeutet, nur viel zu leichtfertig mit einem klaren Sieg von Swagger bei RAW wieder verschenkt und dann fast vergessen. Diese Fehde besitzt einiges an Potential, auch auf eine PPV-Card zu kommen. Zumindest bei SmackDown würde das definitiv gelingen. MVP dürfte mit seinen grundsätzlich gegebenen Fähigkeiten am Mic auch Jack helfen, in diesem Bereich etwas weiter zu kommen. Wrestlerisch könnte zudem ebenfalls etwas Tolles rausspringen. Ähnliches gilt für The Miz und Kofi Kingston, die meiner Ansicht nach jetzt sehr gerne eine Einzelfehde um den US Championship starten dürfen. Für Miz wäre ein Titelgewinn eine weitere Stufe auf dem Weg in Richtung Main Event, nachdem er bei dem Zwischenintermezzo mit Cena wieder leicht in Richtung Bedeutungslosigkeit abgerutscht ist. Kofi macht seine Sache als United States Champion insofern weiterhin gut, als dass er viele Reaktionen beim Publikum zieht, auch ohne irgendwas am Mikrophon zu äußern. Jamaikaner sind anscheinend eben grundsätzlich auf der ganzen Welt beliebt. Als Alternativen für die beiden letztgenannten Singles-Fehden, kann man auch die jeweiligen Gegner tauschen. MVP vs. The Miz könnte vor allem im Verbalbereich für eine Highlight-Promo nach der anderen sorgen, während Swaggers kraftvoller Stil und das Highflying von Kofi sich im Ring gut ergänzen könnten. Über kurz oder lang führt aber fast an allen vier Männern kein Weg vorbei, was eine US-Titel-Regentschaft angeht.

Fazit: 7/10

Die kurze Promo von Randy Orton war wohl nur dazu da, damit mal wieder einer betonen kann, dass man als Champion den Titel in einem Triple Threat Match verlieren kann, ohne selbst gepinnt zu werden. Achja und die neuen dominanten Tag Team Champions durfte der Legendkiller auch noch hypen. Mehr zu sagen hatte er dann auch nicht wirklich.

Women’s Championship
Michelle McCool © vs. Melina


Der Aufbau: Gab es da überhaupt einen Aufbau im Vorfeld des PPVs?! Moment, ich hole mal meine Lupe raus… Bei The Bash schaffte es die machtgeile Michelle als erste Diva der WWE beide Championships für Frauen einmal gewonnen zu haben. Melina kreischte abturnend dagegen an, aber es half nix. Eine Show später gewann Melina an der Seite von Maria gegen Layla und Michelle. Auch gemeinsam mit Eve Torres besiegte sie Layla und Michelle, woraufhin es sogar zu einem Brawl kam. Bezeichnenderweise wurde beide Male Layla von Melina gepinnt und eben nicht McCool. Nach einer Woche Erholungspause durfte Melina ihrer verhassten Gegnerin noch Make Up in die Lapp werfen. Töff töff! Dabei löste sie auch gleich ihre Rematch-Klausel ein. Das war’s dann auch schon in dieser völlig belanglosen Fehde, die durchaus ein paar kleine Segmente mehr hätte vertragen können.

Das Match: Wozu es führen kann, wenn man dauernd TNA-Finisher klaut, musste Michelle spüren, als JR in einem Rückblick ihren Faith Breaker als Angel’s Wings bezeichnete. Und wo wir gerade bei den Kommentatoren sind: Todd Grisham wird von Show zu Show besser und selbstsicherer. Irgendwann im Match vergaß er kurzfristig den dämlichen Slogan zu den Diven, den die Announcer immer gebetsmühlenartig predigen müssen, und meinte kurzerhand: „Smart sexy and… whatever the other word is.“ Großartig! Der Dropkick von Michelle bei Melinas Spagat-Entrance sah richtig böse und wirkungsvoll aus. Die beiden gingen wie wilde Furien aufeinander los und erzählten somit wenigstens eine kleine Story. Nur hätte man diesen Hass auch gerne in den Shows zuvor deutlicher herausgearbeitet gesehen. McCools Running Knee an die Barrikade ging dummerweise deutlich sichtbar daneben. So viele misslungene Aktionen, wie heute schon vorkamen, werden die Cutter bei der DVD-Auswertungen eine Menge Arbeit haben. Michelles DDT auf die Barrikade war mal etwas Neues und sah auch wirklich gut aus. Nur wie immer ließ sie keine Zeit für die Wirkung. Das alte Lied… ich weiß, ich wiederhole mich. Ungewöhnlich war, dass beide sehr viel außerhalb des Rings aufeinander losgingen, was teilweise durchaus unterhaltsam war. Nur Melinas Gekreische ist einfach grauenhaft. Das Konter-Finish war schließlich hervorragend umgesetzt und bot ein schönes Ende für einen überraschend umkämpften und ansehnlichen Fight.

Wie geht es weiter? Gibt es bei SmackDown eigentlich ernstzunehmende Face-Herausforderinnen für Michelle McCool? Eve verbesserte sich zwar stetig, aber so richtig will ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, sie im Titelgeschehen zu sehen. Maria hat schon mal gar nix im Ring verloren und ist als Valet von Dolph Ziggler gut aufgehoben. Auch eine zum Face geturnte Layla muss nicht sein. Mit Melina als Championesse hätte man dagegen die Möglichkeit einer wrestlerisch einwandfreien Fehde gegen Natalya, die es sicherlich auch auf eine PPV-Card schaffen könnte. Über kurz oder lang sollte McCool das Gold also meiner Ansicht nach wieder an Melina verlieren, gerne schon in einem finalen Match beim SummerSlam, dem man auch vom Aufbau her etwas mehr Aufmerksamkeit schenken darf.

Fazit: 4,5/10

WWE Championship
Triple Threat Match
Randy Orton © vs. Triple H vs. John Cena


Der Aufbau: Nachdem Randy Orton bei The Bash seinen Titel verteidigt hatte, aber eigentlich Triple H wie immer als der große Held dastand, brauchte man einen „neuen“ Herausforderer auf das Gold des Champions. Tja, und kreativ wie man bei RAW nun mal ist, setzte der Guest Host der ersten Ausgabe nach dem PPV, Batista, ein kleines Turnier an. Das Halbfinale bestritten John Cena vs. The Miz und Triple H vs. MVP. Wow, wenn das keine ausufernde Spannung und Abwechslung versprach, was dann?! Triple H benötigte für MVP nichtmal fünf Minuten, The Miz durfte sich gegen Cena immerhin wackerer schlagen als bei The Bash und unterlag nach einem längeren Match. Somit war das „Traum“finale perfekt, wozu es eine Woche später kommen sollte. Hier gab es aber eine Double Disqualification, weil die Schergen von Randy Orton in das Match eingriffen. Der Legendkiller dachte, er sei clever, weil damit beide verloren hätten und keiner ein Titelmatch bekommen würde. Jaja, der alte Heel-Fehler, den jeder normale Fan schon 100 Kilometer gegen den Wind riechen muss, denn natürlich wurden dadurch sowohl Cena als auch HHH vom Guest Host Million Dollar Man als #1 Contender festgelegt und Orton glotzte dumm aus der Wäsche. Er selbst hatte in den vergangenen Ausgaben übrigens ein Gauntlet Match zu bestreiten – er gewann gegen Evan Bourne, Jack Swagger ließ sich absichtlich auszählen, gegen Mark Henry verlor Orton aber – und war gegen seinen Lakaien Ted DiBiase aktiv. In letzterem Match gewann Randy dann auch, denn wenn es bei RAW jemanden gibt, der schlechter ist als der WWE Champion selbst, dann sind es seine Prügelknaben. Guest Host Seth Green setzt wieder eine Woche später ein Six Men Tag Team Match an, das er gemeinsam mit Triple H und John Cena durch DQ gewann, nachdem Cody Rhodes einen Stuhl in den Ring brachte. Aber wie bei Schnick Schnack Schnuck der Stein die Schere schlägt, so gewinnt in der WWE der Sledgehammer gegen den Chair. Super-Hunter vertrieb nämlich anschließend die Legacy gemeinsam mit seinem besten Freund. In der letzten Show vor Night of Champions hatten Cena und Triple H leider nicht mehr den übermächtig-schmächtigen Seth Green an ihrer Seite, sondern waren auf sich allein gestellt gegen die gesamte Legacy. Aber stört das diese beiden Ringgötter? Nein, denn sie gewannen auch so durch Pinfall als Randy Orton von John Cena eingerollt wurde. Zum ersten Mal seit langem war ich froh, dass jetzt der PPV ansteht, denn sonst hätten wir bestimmt noch so ein Match gesehen, wo Shaquille O’Neal auf der Seite der Herausforderer steht und die Legacy verkloppen darf. Laaaaaangweiliiiiiiig!!!

Das Match: Erstaunlicherweise kam das Match relativ früh auf der Card und dummerweise war das auch ein Anzeichen für die Sieger im jeweiligen World Title Match, was dann auch genau so eintraf. Michael Cole und Jerry Lawler machten beim Entrance noch einmal alles dafür, um das Match als größten Kampf aller Zeiten darzustellen, wobei ich natürlich weiterhin skeptisch war. Aber wenn du meinst, es geht nicht mehr… Selten wurde ich so positiv überrascht und das war der beste RAW-Main-Event seit einer halben Ewigkeit. Aber der Reihe nach. Schon die Kleinigkeit am Anfang wusste zu gefallen, als Randy Orton in der Erwartung den Ring verließ, dass erst einmal Cena und HHH aufeinander einprügeln. Aber denkste, sie umkreisten ihn und ließen ihn nicht entkommen. Jedoch wurde kurz darauf auch Randy als clever dargestellt, als er John vom Apron aus auf Hunter schubste und sich so eine Pause verschaffte. Dass dann erst einmal das übliche Triple-Threat-Szenario ausgepackt wurde, bei dem immer nur zwei Leute im Ring sind, muss ich wohl nicht erwähnen. Das vermeintliche Highlight, also Cena vs. Triple H, zog man dabei noch ein Weilchen raus, wobei bei der kurzen Runde „Yeah-Booh“ die Fans eindeutig auf der Seite von The Game waren. Ein Leg Drop vom Top Rope von John Cena gegen beide Kontrahenten flog meterweit sowohl an Orton als auch an HHH vorbei, wobei trotzdem beide wie vom Blitz getroffen umfielen, während Jerry Lawler ein enthusiastisches „I think he hit ‚em both“ von sich gab. Ein Botch nach dem anderen heute. Das übliche Finisher-Gekonter – heute angenehm selten eingebracht – endete im Pedigree für Cena, wobei Orton gerade noch retten konnte. Dass er dann aber gegen Triple H außerhalb des Rings vorging, statt den stark angeschlagenen Cena abzufertigen, war leicht unlogisch. Orton flog dann auch einmal ins Publikum, wobei es wirkte, als wäre sein Flug gar nicht so weit vorgesehen gewesen. Auf dem Kommentatorenpult setzte es schließlich auch einen STF. Wäre ja nicht kinderfreundlich genug, wenn das Ding endlich mal wieder krachen würde. Das ganze Match über wurden alle drei Dauerrivalen annähernd gleich stark dargestellt und die Angelegenheit wurde megaspannend. Ja, ich habe es auch erst nicht glauben können, aber das war wirklich erste Sahne. Auch den angedeuteten Tower of Doom wussten die drei zu vermeiden, indem es ein Catapult mit Triple H auf Orton gab, der danach hilflos im Seil hang. Ich dachte schon fast, bei dem anschließenden STF würde die Entscheidung fallen, weil Orton nicht mehr eingreifen kann, aber Hunter kam ins Seil. Nach 20 Minuten lagen Cena und HHH angeschlagen auf dem Boden und Orton fiel nix anderes ein, als plump auf die einzustampfen und etliche Knee Drops zu verteilen. Das wirkte an dieser Stelle etwas planlos. Eine wunderbare Szene war die, als Randy gleichzeitig im Sharpshooter und Crossface aufgab. Ich dachte schon, jetzt ist der Titel vakant, aber selbst den Referee ließ man hier mal gut aussehen, denn geistesgegenwärtig ließ er das Match weiterlaufen, da es keinen klaren Sieger gegeben hätte. Der Eingriff von Legacy sorgt dann für den einzigen Minuspunkt, den ich diesem Match geben muss. Cena und HHH hätten sich auch gegenseitig beim doppelten Aufgabegriff von Orton runter schlagen können und man hätte den RKO auch mit Triple H auf Cenas Schultern durchziehen können. So schaffte es der Champion eben wieder einmal nur mit der Hilfe seiner Gefährten. Schade drum! Der finale RKO sah aber fantastisch aus und war ein würdiges Finish für einen – ich kann nicht glauben, dass ich das sagen darf – Kandidaten auf den Titel „Match of the Year“. Die beiden Schlussbilder mit der triumphierenden Legacy und den geschlagenen Herausforderern rundeten das durchweg gute Bild ab.

Wie geht es weiter? Es ist zwar nach diesem Kracher von Match nicht angebracht, zu lästern, aber ein Fünf-Sterne-Kampf darf nicht vergessen machen, dass bei RAW immer noch keine Abwechslung herrscht und der Weg zu diesem Highlight-Kampf sehr steinig verlief. Da könnte jetzt aber ein Licht am Ende des Tunnels aufscheinen. Für den SummerSlam steht schon seit längerer Zeit ein Main Event John Cena vs. Triple H auf den Zetteln der Booker. Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, würde es nach aktuellem Stand dann gar nicht um den WWE Title gehen. Dazu kann ich nur sagen: Gut so, denn bei Batista vs. John Cena hat das vor einem Jahr – bis auf den zu kurzfristigen Aufbau – auch wunderbar geklappt. Ein weiteres Gerücht, das diese erste Spekulation nur bekräftigt, lautet, dass Shawn Michaels beim SummerSlam sein Comeback feiern könnte. Eventuell steht er dabei auch gleich im WWE Title Match gegen Randy Orton, auch wenn es inoffiziell heißt, dass diese Chance erst bei Armageddon in seiner Heimatstadt auf ihn warte. Nach diesen beiden Matches könnte es – Gott bewahre – zu DX vs. Legacy kommen, womit Orton und seine Jungs noch mehr auf die Fresse bekommen würden. Möglich wäre auch, dieses Match gleich beim SummerSlam stattfinden zu lassen – DX unterstützt von John Cena natürlich mit einem überlegenen Sieg – , wobei ich das für unwahrscheinlich halte, da dann der höchste Titel der WWE nicht ausgekämpft werden würde, bzw. das in einem Team-Match passieren müsste, wo ich strikt dagegen bin. Wenn man Shawn Michaels doch als Variable aus dieser Gleichung herausnehmen müsste, könnte Mark Henry ein Anwärter auf den Platz im WWE Championship Match sein, wobei das einer Veranstaltung nicht würdig wäre, die man zu einer zweiten WrestleMania aufbauen will. Allerdings bestehen durchaus Pläne, den World’s strongest Man zu einem Top Face zu machen, also ist diese Paarung nicht vollkommen auszuschließen. Vielleicht bleibt aber alles wie es ist und es gibt erneut ein lahm aufgebautes Triple Threat Match. Wahlweise auch Einzelmatches von Orton gegen Cena oder – bitte, bitte nicht – Triple H. Anspruch darauf hätten ja beide, schließlich haben sie gemeinsam Randy Orton zum Abklopfen gebracht.

Fazit: 9,5/10

Das Segment mit Miz und Maryse (mein Gott, sah die heute wieder zum Anbeißen aus) war herrlich. Beide spielten ihre Rolle hierbei perfekt und der abschließende Spruch von Miz war göttlich: „Du hast deine Chance bei mir versaut, so wie du die englische Sprache versaust, wann immer du deinen Mund aufmachst.“

Divas Championship
Maryse © vs. Mickie James


Der Aufbau: Schon seit sieben Monaten trägt Maryse mittlerweile den Divas Championship um ihre einladenden Hüften. Jetzt hat sie aber endlich mal wieder so etwas wie eine Fehde bekommen. Angefangen hat diese Mitte Juni, als sich Maryse ein Match zwischen Mickie James und Rosa Mendes anschaute und sich danach eine Konfrontation mit Mickie James andeutete. An der Seite der Bella Twins gewann Mickie ein erstes Kräftemessen gegen Maryse, Beth Phoenix und Rosa Mendes durch einen Pin an Rosa. In einem Fatal Four Way Match eine Woche später sicherte sich Mickie schließlich auch offiziell eine Titelchance gegen die heiße Blondine, indem sie – schon wieder – Rosa Mendes coverte. Anschließend gab es noch das übliche Blickduell zwischen den Rivalinnen und Maryse machte wie üblich spastische Armbewegungen. Gemeinsam mit Gail Kim gewann Mickie James gegen Maryse und Alicia Fox, bevor Maryse in der Woche drauf endlich einen Sieg gegen Mickie verbuchen konnte. In einem Summer-irgendwas-kuck-mal-Titten-Match triumphierte sie mit ihrem French Kiss DDT. Und auch in der letzten RAW-Ausgabe vor Night of Champions hatte Maryse die Oberhand. Flirt-Anwärter Miz lenkte Mickie ab, die gerade ihren Sieg und den Titelgewinn versprochen hatte, sodass Maryse ihrer Gegnerin Haarspray ins Gesicht sprühen konnte. Mickie hielt sich schmerzverzerrt die Augen und Maryse machte schon wieder komische Handbewegungen. So eine richtig große Storyline ist das nicht – bei den Damen gab es sowas letztes Mal schließlich bei WrestleMania 22 – aber immerhin steckt eine kleine Idee dahinter, nämlich die, dass Maryse lange nicht über Mickie triumphieren konnte, bevor sie dann endlich das Momentum auf ihre Seite bekam. Da beide im Ring etwas können, habe ich mir hier schon etwas erwartet. Vor allem hoffte ich, dass es nicht zu beabsichtigten Beeinträchtigungen aufgrund des Haarspray-Attentats kommen würde, was dem Match sicherlich geschadet hätte.

Das Match: Zu Beginn hat mich gefreut, dass Jerry Lawler seinen Kollegen Michael Cole endlich mal darauf hinwies, wie man „Maryse“ richtig ausspricht. Cole redete nämlich stets von „Maurice“. Das Match an sich war für mich enttäuschend und ich hatte mir mehr erwartet. Alles war sehr Brawl-lastig und verbissen, wobei Maryse viel mit dem Camel Clutch arbeitete. Allerdings sei erwähnt, dass Maryse mich nicht nur vom Aussehen her stets verzaubert, sondern dass sie mittlerweile von der In-Ring-Psychologie sogar manchen männlichen Heel-Kollegen deutlich in den Schatten stellt. Sie provoziert, zieht sich feige ins Seil zurück, macht ständig Handbewegungen und ihre Klappe steht nicht eine Sekunde still, da sie andauernd Trash Talk auf den Lippen hat. Genau so muss ein Heel im Ring arbeiten. Am Ende gab es dann einige Moves mehr zu sehen und nach dem ausgekonterten French Kiss DDT gewann Mickie mit ihrem eigenen MickieDT. Letztlich wäre da bestimmt mehr drin gewesen, als dieses belanglose Gekloppe. Dass man aber Maryse und Mickie neun Minuten am Stück angaffen darf, gibt Bonuspunkte.

Wie geht es weiter? Vor allem freue ich mich auf das nächste Segment mit Miz und Maryse bei RAW. Jetzt ist die Blondine nämlich ihren Titel los und Miz will auch nix mehr von ihr wissen (Trottel!). Ein Rematch dürfte durchaus noch anstehen, aber ich vermute, dabei wird auch Mickie triumphieren. Maryse war wie oben angesprochen ja wirklich lange Championesse und jetzt sind erst einmal andere an der Reihe. Eine Fehde zwischen Maryse und der zum Face geturnten Beth Phoenix würde mir extrem gut gefallen, aber die Gerüchteküche brodelt ja gerade in Bezug auf eine mögliche Schwangerschaft des Glamazons. Mickie könnte im Anschluss an das Rematch mit Maryse gegen ihre gute Freundin Kelly Kelly eine kleine Rivalität starten. Eine tolle Gegnerin, sowohl für Maryse als auch für Mickie und evtl. sogar für eine Dreier-Fehde, wäre noch Gail Kim, die seit ihrer Rückkehr zu WWE sträflich stiefmütterlich behandelt wurde.

Fazit: 4/10

Ted DiBiase und Cody Rhodes lieferten ein kleines Statement zu ihrem Eingriff ins WWE Title Match ab. DiBiase klang dabei ganz anders, als noch vor einem Monat bei The Bash. Dieses Mal meinte er, alles was zähle, sei, dass Randy Orton seinen Titel behalten habe. Letztes Mal war ihm der Tag Team Title wichtiger. So schnell kann’s gehen. Nettes Detail am Rande: Cody Rhodes hatte nach mehr als zwei Stunden immer noch einen Handabdruck vom klatschenden Chop von The Big Show auf der Brust.

Intercontinental Championship
Rey Mysterio © vs. Dolph Ziggler


Der Aufbau: Wie gut so ein Draft – meistens weg von RAW und hin zu SmackDown – einem Superstar tun kann, zeigt Dolph Ziggler gerade Woche für Woche immer wieder. Mittlerweile steht er sogar mit Main Eventern im Ring, bekommt das heißeste Chick von SmackDown an die Seite gestellt und darf den Intercontinental Champion herausfordern. Das nennt man einen Aufstieg, vor allem wenn man bedenkt, dass Brian Gerwitz und Vince McMahon bei RAW nur in der Lage waren, ihn als Witzfigur darzustellen. Ins Rennen um den IC Title brachte sich Ziggler quasi selbst, als er ohne vorherige Anzeichen Chris Jericho und Edge dabei half, Rey Mysterio abzufertigen, nachdem dieser die Fehde gegen Y2J gerade endgültig für sich entschieden hatte. Eine Woche später kämpfte Dolph gemeinsam mit Jericho gegen Mysterio und Hardy. Zwar verlor das Heel-Duo, aber Ziggler konnte ein weiteres Statement abgeben, indem er Rey Mysterio außerhalb des Rings zum wiederholten Male seinen Jumping Russian Legsweep – dieser Finisher braucht endlich einen Namen – verpasste. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ziggler den Titleshot längst in der Tasche, denn bei Superstars stellte Rey klar, dass er es nicht zulassen werde, dass sich Dolph auf seine Kosten einen Namen mache. Er forderte dabei Ziggler heraus, der diesen Kampf nur annehmen wollte, wenn es um den Intercontinental Title ginge. Und da Rey ein netter und ehrenhafter, keineswegs feiger Mann ist, akzeptierte er diesen Zusatz ohne Umschweife. Bei der letzten SmackDown-Ausgabe vor dem PPV war es erneut Ziggler, der ein Zeichen setzte, indem er erst Finlay per Countout besiegte und dann in ein Match von Mysterio gegen Punk eingriff, wobei es erneut ganze zwei Male den Jumping Russian Legsweep zu sehen gab. Wäre Jeff Hardy nicht zur Rettung herbei geeilt, hätte Ziggler wohl noch ein paar Mal zugeschlagen. Bei so viel Dominanz des nicht mehr ganz so neuen Newcomers war es fast ausgeschlossen, dass er sich hier das Gold schon sichern kann. Dennoch freute ich mich von allem Kämpfen auf diesen hier am meisten, weil er gutes temporeiches Wrestling versprach und ich mittlerweile schon längst insgeheim zum Ziggler-Fan geworden bin.

Das Match: Das Match hatte einen interessanten Einstieg, als Ziggler statt eines Kräftemessens lieber einen blitzschnellen Dropkick auspackte und gleich zum Cover überging. Sowieso wirkte Dolph sehr konzentriert und nach jeder Aktion ließ er ein schnelles Cover folgen. Meistens hatte er auch eine Antwort auf Rey Mysterio parat und so kam es, dass er fast die gesamten 15 Minuten eindeutig dominierte. Sehr schön, dass man ihm hier die Plattform gab, sich so zu präsentieren und gegen einen absoluten Superstar und Publikumsliebling derart zu glänzen. Ziggler nutzte seine Chance wie gesagt mit einem konzentrierten Auftritt und nur zu Beginn versaute er eine Headscissor von Mysterio. Beeindruckend waren vor allem der perfekt getimte Dropkick Zigglers aus dem Stand gegen den vom Seil heranfliegenden Rey und sein Top Rope Gutbuster. Wie gut Dolph seine Sache machte, sah man daran, dass er von Minute zu Minute mehr Reaktionen aus dem Publikum zog. Zunächst reagierte Philadelphia sehr verhalten auf den Ex-Nicky aus der Spirit Squad, aber spätestens bei eben jenem Gutbuster verbreitete sich ein anerkennendes Raunen in der Halle. Das Ende passte zum Matchverlauf, denn Mysterio kam mit Enziguri, 619 und Springboard Splash quasi gerade noch so davon, während Ziggler nach einem überzeugenden Auftritt knapp und gewissermaßen mit einer Überraschungsaktion fast aus dem Nichts geschlagen wurde. Klasse Booking, gutes Match.

Wie geht es weiter? Wenn es nach mir ginge, dürfte Mr. Ziggler gerne wieder kommen. Hiermit empfahl er sich für größere Aufgaben. Ein Rematch beim SummerSlam halte ich für gar nicht mal unrealistisch, zumal es so viele freie Gegner für Rey gerade nicht gibt. Die Fehde zwischen Dolph und Mysterio könnte sich also noch mindestens vier Wochen fortsetzen und in einem dann sicherlich abwechslungsreicheren Match gipfeln. Vielleicht gewinnt Ziggler hier sogar mit Hilfe von Maria – die wirkte an diesem Abend übrigens leicht demotiviert – das Gold. Es ist schon bitter, wenn so ein Talent nicht von allen erkannt wird und jetzt erst bei SmackDown derart aufblüht, während er bei RAW nur seinen Namen sagen durfte. Ein möglicher Kandidat, um in diese Fehde verwickelt zu werden, ist John Morrison. Man stelle sich nur mal ein Triple Threat vor und lasse sich genüsslich das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber auch die jeweilige Einzelfehde gegen Ziggler oder Mysterio wäre vielversprechend. In diesem Fall müsste noch ein Ersatzgegner für den jeweils anderen her. Wie man so hört, steht R-Truth gerade wieder vor einem kleineren Push, also wäre der durchaus ein Kandidat. Auch Finlay hat seinen Platz bei SmackDown noch nicht so richtig gefunden. Und wenn man sich dann auch noch ins Gedächtnis ruft, dass bald Matt Hardy auch wieder zum Kader dazu stößt und die Fehde zwischen Kane und Khali hoffentlich ganz schnell vorbei ist, muss man sich um die Midcard von SmackDown wahrlich keine Sorgen machen.

Fazit: 8/10

World Heavyweigth Championship
CM Punk © vs. Jeff Hardy


Der Aufbau: Mit rechten Dingen ging die Titelverteidigung von CM Punk bei The Bash nicht zu. Erst zählte der Referee fälschlicherweise einen Pin durch, obwohl Punk das Bein unter dem Seil hatte, dann kickte der Champion den Ringrichter, weil er angeblich durch eine gerade erst zugezogene Augenverletzung nichts mehr gesehen hat. Punk forderte für die Anschuldigungen, er habe das alles absichtlich gemacht, um das Gold zu behalten, eine Entschuldigung von Jeff Hardy. Dieser entschuldigte sich aber nur für die Tracht Prügel, die er CM bei Night of Champions verpassen werde. Kurz zuvor hatte Teddy Long bereits das Rematch festgelegt. Darüber hinaus steckte der General Manager die beiden Streithähne auch noch in ein gemeinsames Tag Team Match gegen Edge & Chris Jericho. Hier gab es auch die Retourkutsche von Jeff, denn dieser tat übertrieben so, wie wenn sein Auge schmerzen würde und ließ Punk allein zurück, der prompt zum Opfer des Spears und eines Three Counts wurde. Hardy beharrte weiter auf seiner Ansicht, dass die Verletzung von CM Punk bloß gespielt war, und ließ dies auch alle wissen. Als Rache lenkte CM Punk seinen Rivalen in einem Match gegen Kane ab, das für Jeff auch prompt verloren ging. Außerdem hatte der World Heavyweight Champion etwas gefunden, womit er den Extreme Enigma auch verbal fertig machen konnte. Punk wies immer wieder darauf hin, dass er selbst Straight Edge sei, während Jeff schon so einige Erfahrungen mit illegalen Mittelchen gemacht habe. Das machte Punk in seiner Meinung zu einem besseren Menschen, weshalb er auch Angst um die vielen Kinder hatte, die lieber zu Jeff aufschauten und diesen als Vorbild nahmen. Daher riet er Hardy immer wieder: "Just say no!" Ein wirklich interessanter Fehdenansatz, den man hier gefunden hat, mit dem man auch ein bisschen Realität in die Storyline mit einbringt. Genau diese gelungene Mischung machte die Fehde zur interessantesten WWE-Rivalität der vergangenen Wochen. Nicht zuletzt, weil Punk bei seinen Promos richtig aufblühte und auch Jeff am Mic so langsam besser wird. Vor allem das Rededuell bei der SmackDown-Ausgabe vom 17. Juli war für mich allererste Sahne. Bei einem Tag Team Match von Hardy gemeinsam mit Rey Mysterio gegen Dolph Ziggler und Chris Jericho griff Punk ein, nachdem Jeff zuvor versucht hatte, Chris Jericho auf ihn drauf zu werfen. Das sorgte zwar für einen DQ-Sieg vom Herausforderer, aber der musste in den Folgeminuten durch Chris Jerichos Hand leiden, während CM Punk dabei nur zuschaute. Nach einer weiteren Promo, in der Punk auch die Fans dafür angriff, Alkohol zu trinken und zu rauchen, trat er im Main Event gegen Rey Mysterio an. Rey hatte gerade seine Finishing-Kombination gezeigt – und Punk hätte damit wieder verloren, wie schon kürzlich zweimal gegen John Morrison; ein Fluch, den wohl kein Heel bei WWE je loswerden wird – als Dolph Ziggler seinen Gegner bei Night of Champions angriff. Jeff kam Rey im Gegensatz zu Punk zu Hilfe, was CM dazu nutzte, seinem Herausforderer noch kurz einen Go to Sleep mit auf den Weg zu geben. Das Einzige, was ich am gelungenen Heel-Turn von CM Punk bemängele, ist, wie gerade angesprochen, die Tatsache, dass er nun auch die Nebenwirkung „Feigling“ eingeflößt bekommt. Ansonsten macht er seine Sache annähernd perfekt. Und weil das erste Match zwischen Straight Edge und Live fort he Moment bei The Bash irgendwie wirkte, wie wenn es mit angezogener Handbremse geführt worden wäre, freute ich mich erst recht auf den Rückkampf bei Night of Champions.

Das Match: Anfangs gefiel mir gut, wie CM Punk mit dem Publikum spielte und dieses durchaus auf sarkastische Weise provozierte. Eine gute Ergänzung zu seiner glänzenden Promo von vorhin. Jeff Hardy zeigte sich dagegen, wie man ihn schon immer kennt und nahm beim Bumpen keine Rücksicht auf Verluste. Wie er vom Top Rope auf die Ringabsperrung krachte, schmerzte schon beim Zusehen enorm. Andere landen da erstmal viel stärker auf den Füßen, um den Sturz zu verlangsamen, aber ein Jeff Hardy gibt es sich gleich richtig dreckig. CM Punk arbeitete mit einer Reihe von Holds, die man heutzutage nicht oft zu sehen bekommt. Unter anderem packte er einen Bone Arrow und einen Modified Dragon Sleeper aus. Hardy dagegen punktete mit seinen Trademarks, den Sitout Facebuster gab es dabei dieses Mal sogar vom Seil, allerdings in einer leicht abgerutschten Version. Punk hat das Darstellen des Heels wirklich gut drauf. So ging er großteils locker überheblich vor – z.B. als er den Whisper in the Wind mit einem leichten Schubser abwendete – oder er zeigte eine arrogante Mimik – z.B. bei seinem Knee Smash. Für Jeff Hardy ging die Swanton Bomb zweimal nach hinten los. Einmal landete er auf der Matte, das andere Mal auf den Knien. Auch hier tat einem der Rücken schon beim Zuschauen weh. Jeff gelang es letztlich auch tatsächlich, sich aus dem Cover nach einem Go to Sleep zu befreien und das obwohl Punk gleich den Pin ansetzte. Das frustrierte den Champion so sehr, dass er abhauen wollte. Hardy wurde wütend, hielt ihn auf, prügelte kurz wild drauf los, Twist of Fate, Swanton Bomb, Ende. Das Finish wirkte an dieser Stelle leider erneut zu plötzlich und unpassend. Es ging einfach zu schnell, aber vielleicht gerieten die beiden auch ein wenig unter Zeitdruck. Mir hätte es zum Beispiel gefallen, wenn Hardy dann wirklich richtig böse über die Feigheit seines Gegners geworden wäre und mehrere Swanton Bombs auf Punk hätte regnen lassen. Aber letztlich doch ein unterhaltsamer Main Event, der einen Tick besser war als das Match bei The Bash. Ein bisschen ärgerlich war noch, dass man Hardys Sieg erwarten konnte, da dieses Match völlig überraschend als letzter Kampf des Abends gewählt wurde.

Wie geht es weiter? Der Titelgewinn von Jeff Hardy deutet natürlich noch eindeutiger als der Spot vorher am Abend darauf hin, dass er seinen Vertrag mindestens (!) bis zum SummerSlam verlängert hat. Mich freut es, denn die Fehde zwischen Hardy und Punk ist wirklich gut angelegt und kann so perfekt weitergehen. Punk hat die Rematch-Klausel, der Hass zwischen den beiden wird ständig größer, Punk immer überheblicher, Hardy immer verärgerter. Michael Hayes und Co. können daraus sicherlich noch vier unterhaltsame Wochen stricken. Normalerweise müsste es beim SummerSlam dann auch zu einem Gimmick Match kommen, das die Fehde evtl. beendet. Vielleicht gönnt man uns ja das TLC, das man uns bei Extreme Rules noch vorenthalten hatte. Das wäre sicherlich für viele ein Traum, aber auch eine der Standard-Konstellationen wie Steel Cage oder Last Man Standing wäre (leider) denkbar. Auch hier möchte ich einen möglichen dritten Mann erwähnen, denn John Morrison hat den damaligen Champion CM Punk jetzt schon zweimal klar gepinnt und könnte daher Ansprüche anmelden. Allerdings würde er nicht in die aufgebaute Storyline um Regelverstöße vs. sauberes Leben passen, weshalb ich die Wahrscheinlichkeit für nicht sehr hoch halte. Wie es nach dem SummerSlam weitergeht, muss sich zeigen und der Ausgang des World Heavyweight Title Matches hängt sicherlich stark von der dann geltenden Vertragssituation Hardys ab. Ein Wort muss ich aber doch noch über CM Punk verlieren. Bei all dem Lob, die ich ihm für seine Darstellung als Heel zolle, darf nicht vergessen werden, dass diese Feigling-Komponente, die er bei Night of Champions wieder raushängen ließ, absolut unnötig gewesen wäre. Leider gehört das aber zum Standard-Repertoire für einen WWE-Heel, was dringend geändert werden sollte. Außerdem würde ich trotz des schauspielerisch gelungenen Heel-Turns auch bei der zweiten Regentschaft Punks von einer misslungenen sprechen, da er als Champion in letzter Zeit einfach viel zu oft deutlich verloren hat und sich eben sehr feige präsentierte.

Fazit: 8/10

Night of Champions wird bei mir unter den PPVs abgespeichert, die zwar nur einen befriedigenden Punkteschnitt aufweisen – die Juli-Großveranstaltung bringt es in meiner subjektiven Wertung auf einen Durchschnittswert von 6,63 – die mir aber wesentlich besser in Erinnerung bleiben werden. Vor allem bekam man völlig unverhofft von Cena, HHH und Orton einen RAW-Main-Event geboten, der es in die Liste der besten zehn Matches des Jahres schaffen könnte. Darüber hinaus könnte Night of Champions 2009 als Break-Out-Performance von Dolph Ziggler eine wichtige Rolle in dessen Karriere spielen. Jeff Hardy und CM Punk blieben zwar wieder unter ihren Möglichkeiten, boten aber einen tollen Main Event und selbst die von mir im Vorfeld mit Skepsis betrachteten Matches um den US und den ECW Championship wussten zu gefallen. Vor allem die Diven-Matches sind es, die den Punkteschnitt nach unten ziehen und dann natürlich wie immer Big Show, wobei der dieses Mal eigentlich gar nicht so viel dafür kann, da er nicht groß daran beteiligt war, dass das Tag Team Title Match so flach wirkte. Insgesamt konnte man Night of Champions durchaus gut anschauen und seit langer Zeit käme es für mich auch wieder einmal in Betracht, einen PPV ein zweites Mal zu begutachten.
Ich bedanke mich herzlich für eure Aufmerksamkeit, sowie die Geduld und Ausdauer, diese PPV- Bewertung bis ganz zum Schluss zu lesen. Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen genauso viel Spaß wie ich beim Schreiben. Über Lob, Kritik, konstruktive Verbesserungsvorschläge oder einen Heiratsantrag von Maryse an meine Email-Adresse michael.schwartz@bsww.de würde ich mich sehr freuen. Man sieht sich dann beim SummerSlam.
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