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BSWW.de: Schwartz, ungesüßt... - Hell in a Cell 2009
Von Michael Schwartz
Montag, 5. Oktober 2009
Hallo liebe Leser und ein herzliches Willkommen zu Schwartz, ungesüßt... Was waren das noch für Zeiten, als man große Augen machen konnte, als mal wieder ein Hell in a Cell Match angekündigt wurde?! „Satan’s Structure“, wie der gute Jim Ross den Käfig so gerne nennt, war immer ein Garant für harte Kämpfe mit viel Intensität, Hass und Brutalität und wenn Hell in a Cell eingesetzt wurde, war das ein Zeichen für eine besonders verbissene Rivalität, die man mit dem ultimativen Fight beenden wollte. Jetzt hatte WWE aber die Idee, einen PPV abzuhalten, bei dem alle Main Events im Maschendrahtgeflecht der Hölle abgehalten werden sollten. Die einst so spezielle Match-Art wurde damit für die Zukunft vermutlich stets auf Oktober festgelegt und man muss sagen, dass dieser feste Termin einiges der Besonderheit des Gimmicks Hell in a Cell wegnimmt. Ein Großteil der Wrestling-Fan-Welt war sich einig: Ganz klar, diese Stipulation sollte herausragenden Fehden vorbehalten bleiben und WWE macht mit diesem Konzept-PPV vieles kaputt, weil sich das ganz schnell auslutschen kann. Ich bilde da keine Ausnahme, denn drei Hell in a Cell Matches an einem Abend gleichen leider einem Overkill und machen die Hölle in der Zelle – überspitzt ausgedrückt – beinahe schon zu einer trivialen Alltäglichkeit. Allerdings möchte ich WWE in diesem Zusammenhang auch loben, denn in allen drei Main Events wäre die Stipulation auch ohne die terminliche Vorplanung mehr oder weniger angebracht gewesen, was die Kritik ein klein wenig abmildert. Für John Cena vs. Randy Orton kann nach den Guantanamo-Szenen des „I Quit“ Matches von Breaking Point eigentlich nur noch diese Steigerung kommen. Bei DX vs. Legacy, einer ausgeglichenen und harten Fehde, die immer wieder wie ein Bandenkrieg dargestellt wurde, passt die Stipulation ebenfalls wie die Faust aufs Auge, zumal Triple H sowieso ein Spezialist in dieser Disziplin ist. Und die Konfrontation zwischen CM Punk und dem Undertaker ist zwar lange noch nicht intensiv genug, um Hell in a Cell zu rechtfertigen, aber dafür tut dies die Storyline um die Entführung von Teddy Long durch den Undertaker. Der General Manager hat gesehen, was passiert, wenn man sich mit dem Deadman anlegt, also tut er diesem jetzt als Wiedergutmachung lieber den Gefallen und steckt ihn in genau das Match, das quasi für das Phenom from Death Valley geschaffen wurde. Zumindest über das Booking, das zu den drei Hell in a Cell Main Events führte, kann ich daher nicht meckern, weil die Stipulation zumindest stets plausibel und angemessen wirkt. Blieb nur noch das Problem übrig, dass man dreimal am Abend denselben Typ von Kampf zu sehen bekommen würde. Ist es den Writern gelungen, trotzdem drei unterhaltsame und vor allem abwechslungsreiche Main Events zu booken? Oder hatte man als Zuschauer spätestens nach dem zweiten Hell in a Cell Match genug von der Stipulation, weil alles gleich ablief? Die subjektive Antwort auf diese Fragen findet ihr in den folgenden Zeilen.
Dabei findet ihr die Gedanken zu jedem Match wie gewohnt in vier Abschnitte gegliedert vor: Zunächst gehe ich auf den Aufbau des Matches vor dem PPV ein. Dann folgt eine Analyse des Matches selbst. Nach einem Ausblick, wie es mit den Kontrahenten weitergehen könnte, folgt noch eine abschließende Punktebewertung des Matches. Diese reicht von 1 (Teenage Schäfer Zapf Turtles) bis 10 (Divide & Conquer). Aber nun genug der Einführung, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Zu Beginn muss ich sagen, dass „Monster“ von Skillet für mich der bisher beste PPV-Themesong des Jahres ist. Fast schon ein Ohrwurm.

World Heavyweigth Championship
Hell in a Cell Match
CM Punk © vs. Undertaker


Der Aufbau: Da wird Bret Hart immer wieder vorgeworfen, dass er immer noch zu sehr über den Montreal Screwjob von der Survivor Series 1997 verbittert ist, aber bei WWE kann man das Szenario, das zur Geburt des On-Air-Charakters Mr.McMahon führte, offenbar auch nicht vergessen. Also packte man es bei Breaking Point ein weiteres Mal aus. Der Undertaker hatte zwar per Hell’s Gate gewonnen, aber dieser Submission Move war ja immer noch verboten (so behauptete Teddy Long zumindest). Das Match wurde neu gestartet und CM Punk setzte den Anaconda Vise an. Zwar klopfte der Undertaker nicht ab, aber Referee Scott Armstrong ließ das Match trotzdem abläuten und erklärte CM Punk zum Sieger durch Submission. Der General Manager stand derweil mit finsterer Miene auf der Rampe, während der Undertaker böse und verwirrt glotzte. Bei SmackDown erklärten sowohl Referee Armstrong als auch Teddy Long auf Rechtfertigungs-Anordnung von Vince McMahon, dass sie dies nur taten, weil sie weiterhin Geld verdienen müssten, um ihre Familie zu ernähren. Der General Manager gab außerdem zu, dass alles bereits im Vorfeld geplant gewesen sei und entschuldigte sich beim Deadman. Für seine Untaten wurde Teddy Long schließlich in einem der trashigsten Segmente der letzten Jahre in seiner Limousine vom Undertaker entführt. Rauch, schlechte Schauspielerei und abgedrehte Toneffekte sorgten für unfreiwillige Komik. Eine Woche später wurde Teddy mit zerfetzten Klamotten und geknebelt von den Druiden in einem Sarg zum Ring gefahren, wo CM Punk, der Angst hatte, der Undertaker würde im Sarg stecken, ihn schließlich doch befreite. Mit dem Ausdruck von bloßem Schock und Furcht in seinen Augen (zumindest sollte das die „Schauspielerei“ von Teddy Long wohl andeuten) verkündete der General Manager, dass das Hell’s Gate ab jetzt wieder erlaubt sei und dass CM Punk bei Hell in a Cell im großen Maschendrahtkäfig gegen den Undertaker um das Gold kämpfen müsse. Zusätzlich legte er noch ein Match zwischen den beiden für den selben Abend fest, das CM Punk clever durch Count Out gewann. CM Punk versuchte das Match im Vorfeld übrigens bei Mr.McMahon streichen zu lassen, aber der äußerte, dass Punk sich das hätte überlegen sollen, bevor er den Undertaker betrogen hat. Das „Aber…“ von CM Punk unterbrach er wie schon in der Vorwoche bei Teddy Long. Die Anzeichen, dass Vince hinter dem Screwjob steckt, mehrten sich also. In der Jubiläumsausgabe von SmackDown zum zehnten Geburtstag der Show versprach der Undertaker schließlich, dass CM Punk sich nach dem PPV vor lauter Schmerzen nach Pillen und Alkohol sehnen würde, obwohl er diese Mittelchen sonst so verteufelt. Im Main Event, einem Eight Men Tag Team Match, an dem auch CM Punk beteiligt war, pinnte der Deadman schließlich Randy Orton, um sein Versprechen noch einmal zu unterstreichen. Die knapp zehn Minuten bei Breaking Point zwischen dem Undertaker und CM Punk waren für mich eine der größten Enttäuschungen des Jahres, was wohl am schlechten gesundheitlichen Zustand des Herausforderers lag. Umso mehr hoffte ich für das Hell in a Cell Match darauf, dass die beiden mehr Zeit miteinander im Ring verbringen würden und es da auch so richtig krachen lassen, trotz kaputter Hüfte und Knie beim Undertaker. Auch wenn es beim vorigen PPV nämlich nicht so aussah, liegt hier im Grund genommen eine absolute Traumpaarung vor. Und obwohl diese Fehde bisher die Stipulation noch nicht rechtfertigt (dafür ist sie noch nicht heftig genug), so ist das Hell in a Cell Match zumindest – wie in der Anleitung angedeutet – dadurch legitimiert, dass Teddy Long dem Undertaker nach der Entführung keinen Wunsch mehr abschlagen wird.

Das Match: Diesen Kampf als Opener festzulegen verhieß entweder nichts Gutes oder deutete auf eine groß angelegte Story über den gesamten PPV hinweg hin. Leider war ersteres der Fall. Wenigstens präsentierte sich Punk relativ furchtlos und auch schnell kam der Käfig ins Spiel. Dies aber nicht wirklich lange und man musste sich daher schon nach dem Sinn der Stipulation fragen. Höhepunkt bei Einsatz des Maschendrahtzaunes war sicherlich, wie CM Punk seinen Gegner per Suicide Dive gegen die Konstruktion beförderte. Der Trick von CM Punk unter dem Ring durchzukriechen und dem Undertaker die Treppen an die Knie zu dropkicken war mal etwas Neues und gefiel durch Kreativität. Außerdem hatte Punk so eine Taktik parat und ging weiterhin gegen die Beine vor. Erstaunlicherweise bekam der Straigh Edge Superstar bei einem Jubel-Schlagabtausch des Publikums fast genauso laute Chants wie der Deadman. Der Last Ride nach dem Knee Smash in die Ecke war ein herrlicher Konter durch den Undertaker und zeigte, was man alles von einem schön langen Match der beiden erwarten könnte. Dieses gab es allerdings erneut nicht, denn nach knapp 10 Minuten war nach einem Big Boot an einen Stuhl, dem Chokeslam und dem Tombstone schon alles parat. Ein klarer Sieg des Undertaker, aber man muss sich schon fragen, was das soll. Offenbar kann der Demon from Death Valley nicht mehr besonders lange im Ring stehen und wenn man ihn seit seinem Comeback so sieht, dann reift der Glaube, es wäre besser gewesen, wenn er sich noch viel länger eine Auszeit gegönnt hätte oder ganz weggeblieben wäre. Das Fatale ist, dass WWE ihm in so einer Situation auch noch den World Title von SmackDown überreicht und damit zusätzlich erneut eine Titelregentschaft von CM Punk gehörig versaut. Man tut damit gar niemandem der Beteiligten – weder den Fans, noch CM Punk, noch dem Undertaker selbst – einen Gefallen, denn was wir hier zu sehen bekamen war eines der – wenn nicht das – schlechteste Hell in a Cell Match der Geschichte. OK, Undertaker vs. Big Bossman von WM 15 war vielleicht doch schlechter, aber das hier war nah dran.

Wie geht es weiter? Ich gehöre ja bekanntlich zur Fraktion, die nach kleinen Andeutungen bei SmackDown vermutet, dass Vince McMahon in irgendeiner Form hinter dem Screwjob von Breaking Point steckte, weil er – warum auch immer – den Undertaker nicht mehr als World Champion sehen wollte. Das ist jetzt aber der Fall und wenn die Storyline in diesem Sinne weiter verfolgt wird, dürfte Mr.McMahon den SmackDown-General-Manager Teddy Long ordentlich zusammenstauchen, denn der hat es nicht verhindert (auch wenn das Erlauben des Hell’s Gate durch Teddy in diesem Fall gar keine Rolle spielte). Hierbei könnte auch rauskommen, dass Vince der Initiator war, was eine Fehde mit dem Undertaker nach sich ziehen dürfte. Ich könnte mir dann sogar vorstellen, dass diese eventuell bis WrestleMania 26 geht und erst dort ein Ende findet. McMahon kann sich dann auch noch einmal daran versuchen, die große Siegesserie zu beenden. Oder er lässt sich vertreten, vornehmlich von einem Monster, wie er das gerne tut. Falls der Undertaker bei der nächsten WrestleMania wirklich das letzte Match seiner Karriere bestreitet, wie schon öfter durchgesickert sein soll, wäre Kane ein wunderbarer letzter Gegner, denn mit ihm hat er eine lange Geschichte. Erst einmal wird aber CM Punk sein Rematch verlangen und ich hoffe wirklich, dass er das gewinnt und wieder Champion wird. Sodass diese Titelregentschaft mit dem körperlich angeschlagenen Deadman nicht allzu lange dauert und nur Mittel zum Zweck war, um Vince als Drahtzieher von Montreal zu entlarven. Über kurz oder lang dürfte bei einem neuerlichen Titelgewinn des Straight Edge Superstars Batista als nächster Fehdengegner bereit stehen. Dieser wäre bei einer längeren Regentschaft vom Deadman auch für diesen eine Option, auf eine Renaissance dieser großen Fehde von 2007 hätte ich allerdings nicht besonders viel Lust.

Fazit: 6,5/10

Intercontinental Championship
John Morrison © vs. Dolph Ziggler


Der Aufbau: Der Aufschrei in der Wrestling-Fan-Welt war groß, als man diese Paarung einfach so von Breaking Point Card strich. In der Hoffnung darauf, dass man bis zum nächsten PPV eine gescheite Fehde zwischen den beiden aufbauen könnte, fand ich persönlich die Entscheidung aber gar nicht mal so schlecht. So eine richtig fesselnde Rivalität ist aber leider dennoch nicht entstanden. Vielmehr gab es hier viel flachen Humor zu sehen, als John Morrison seinen neuen Feind bei zwei SmackDown-Ausgaben hintereinander scherzhaft „Mr. Ziggles“ nannte, oder Dolph Ziggler sich bei Breaking Point über das Alter des ersten IC Champions Pat Patterson lustig machte und Morrison den Save machen musste. Ursprünglich sollte der ehemalige Nicky aus der Spirit Sqaud einen dritten Titleshot gegen Rey Mysterio erhalten, weil er ein No.1 Contender Match gewonnen hatte. Allerdings machte die Suspendierung von Rey Mysterio das zunichte und die Booker entschieden sich, das Gold an John Morrison zu übergeben. Wohlgemerkt in einem der Top3-Matches des Jahres. Ich frage mich immer wieder, ob Ziggler nicht vielleicht der Leidtragende bei der Suspendierung von Mysterio ist. Ohne diese wäre John Morrison vermutlich nie ins Titelrennen eingestiegen und Dolph wäre eventuell jetzt der Champion. Allerdings ist es müßig, darüber zu spekulieren… hätte, wäre, wenn. Die Realität sah so aus, dass beide vor dem PPV noch einmal mit Siegen gepusht wurden. Morrison besiegte deutlich Mike Knox in einem Einzelmatch und in der Woche drauf pinnte er ihn auch in einem Tag Team Match. Finlay stand hierbei an der Seite von Morrison, Ziggler war der Partner von Knox. Dolph durfte erst einen Einzelsieg gegen Finlay bei Superstars einfahren, dann gewann er ein Tag Team Match für sich und seinen Partner Miz, indem er John Morrison pinnte, der mit Kofi Kingston angetreten war. Bei ECW war John Morrison (warum auch immer) zu Gast in der Abraham Washington Show, machte sich erneut über Dolph Ziggler lustig und ließ diesen wissen, dass das Gold beim PPV um seine eigenen Hüften geschnallt bliebe. Ziggler, der später noch hinzu kam, durfte gar nix mehr sagen und nur böse gucken, weil für das Segment keine Zeit mehr übrig war. Möglicherweise eine Reaktion auf seine schwache Promo bei Breaking Point. Eine gewisse Rivalität war zwischen Morrison und Ziggler in der Zeit nach der Suspendierung von Rey Mysterio also schon entstanden, aber für eine spannende Fehde fehlte der Konfrontation zwischen den aufstrebenden Stars doch einiges. Zumindest konnte man sich aber auf ein vermeintlich hervorragendes Match einstellen.

Das Match: Der Beginn wusste durch technisch sauberes Matwrestling zu gefallen, wobei Dolph Ziggler noch ein Weilchen bei dieser Taktik blieb. John Morrison hingegen stieg lieber auf Tempo und Highflying um und ein schneller Versuch zu Starship Pain ging daneben. Ziggler brachte im Verlauf auch immer mehr Impact Moves ein und packte einen schönen Dropkick oder einen Powerslam aus. Mit seiner Überlegenheit gewann er auch immer mehr Sicherheit beim Spielen seiner Rolle als überheblicher Heel und er interagierte dann auch mehr mit dem Publikum. Wie zu befürchten litt das Match unter eben jenem lahmen Ostküsten-Publikum in New Jersey, was schade war. Zu einem Topmatch gehört nunmal auch eine laute, begeisterte Crowd. Ich persönlich war nämlich begeistert, vor allem als sich John Morrison mit einem wirbelnden DDT ins Match zurück konterte. Ab hier wurde es nämlich richtig abwechslungsreich und spannend mit vielen super Moves und auch Einrollern und Nearfalls auf beiden Seiten. Einen davon z.B. nach einem lange nicht gesehenen German Suplex oder dem Rocker Dropper durch Dolph Ziggler. Es kamen sogar vereinzelt, jedoch völlig zurecht, „This is awesome“-Chants auf. Der dritte Versuch zu Starship Pain saß schließlich und Morrison hatte den Titel in einem herausragenden Wrestling Match verteidigt. Für Dolph dagegen scheint es ein Markenzeichen zu werden, dass er immer erstklassige Matches abliefert und Millimeter vor einem Titelgewinn steht, dann aber doch noch gepinnt wird. Bei seinem beiden Matches gegen Rey Mysterio war dies nämlich bereits auch so.

Wie geht es weiter? Wie beim US Title Match konnte man auch bei dieser Fehde bereits vor dem PPV davon ausgehen, dass sie nach selbigem nicht vorbei sein würde. Rey Mysterio könnte eventuell noch ein Weilchen gemeinsam mit Batista in der Tag Team Division unterwegs sein und sein obligatorisches Rematch um den IC Championship nach dem Titelverlust erst in einer ganzen Weile fordern. Ziggler vs. Morrison nimmt gerade erst Fahrt auf und sollte etwas ernsthafter fortgeführt werden. Mir gefallen die Entwicklungen der letzten Wochen, bei denen Dolph Ziggler wieder mehr zu einer Witzfigur wurde, nämlich überhaupt nicht. Also bitte etwas mehr Verbissenheit in diese Fehde packen, liebe Booker, und weniger schlechten Namen-Humor. Von mir aus kann man die Fehde gerne über die Survivor Series hinaus strecken, wo beide in gegnerischen Teams antreten und das große Finale dann im Dezember bei TLC – Tables, Ladders Chairs (Armageddon war übrigens leichter in die Tastatur zu tippen, danke für diesen erheblichen Mehraufwand liebe WWE) steigen lassen. Irgendwann in diesem Zeitrahmen sollte definitiv auch ein Titelgewinn für Dolph Ziggler stehen, denn der ist trotz der Mr.Ziggles-Jokes immer noch on fire. Besonders passend wäre dieser, wenn er nach einem Sieg im No.1 Contender Match gegen Rey Mysterio zustande kommen würde. Über Alternativ-Gegner für John Morrison und Dolph Ziggler neben Rey Mysterio muss man sich denke ich vorerst noch keine großen Gedanken machen.

Fazit: 9,5/10

Unfreiwillig komisch war die folgende Promo von Batisterio. Erst schickte The Animal den verwunderten Josh Mathews weg, um seinen Freund Rey nicht gerade enthusiastisch vorzustellen. Dann sprang Mysterio ihm peinlich in die Arme und sagte etwas zum Unified Tag Team Championship. Beide bewiesen eindrucksvoll, dass sic am Mic maximal Durchschnitt sind.

Der Brüller des Abends war sicherlich gar nicht so geplant. Der PPV wurde von einem „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Videospiel gesponsert und um das zu bewerben hüpften ein paar Typen in übergroßen Turtles-Kostümen auf den Zuschauerrängen rum. Genau zu diesem Zeitpunkt blendete Sky unter den Schildkröten-Menschen den Text „Carsten Schäfer & Günter Zapf“ ein. Teenage Schäfer Zapf Turtles. Waren die anderen beiden Kostümierten etwa Holger Böschen und Bernhard Wulff?

Divas Championshio
Mickie James © vs. Alicia Fox


Der Aufbau: Noch am 10. August bei RAW wurde Gail Kim zur No.1 Contenderin auf den Divas Championship, indem sie ein Fatal Four Way gegen Beth Phoenix, Kelly Kelly und Alicia Fox gewann, wobei sie letztere pinnte. Nachdem Gail Kim allerdings den Titelkampf verloren hatte und es mit ihrem gerüchteweise angedachten Heel-Turn wohl doch nix wurde, deutete WWE die Rivalität zwischen Alicia Fox und Mickie James schon einmal an, als Alicia per Scissors Kick gegen Mickie den Pin in einem Six Women Tag Team Match einfuhr. Bevor die Fehde Fox vs. James so richtig starten konnte, bekam allerdings noch Beth Phoenix ihre Chance nach einem Sieg in einer No.1 Contender Battle Royal. Doch auch sie konnte sich gegen die Championesse nicht durchsetzen. Schließlich schlug die große Stunde von Fox, die per Sieg über Gail Kim am 14. September zur Nr.1-Herausfordererin wurde. Alicia sorgte eine Woche darauf für eine Niederlage von Mickie James in einem Non Title Match gegen Beth Phoenix und attackierte diese anschließend sogar noch selbst. Den klaren Sieg von Mickie gegen (leider) Dauer-Loserin Rosa Mendes konnte Alicia Fox aber trotz ihrer Anwesenheit am Ring nicht verhindern, weil Mickie sie vom Apron kickte. Das war’s dann auch schon in Sachen mauer Aufbau, aber bei den Diven ist man ja (bis auf die glorreiche Ausnahme Mickie James vs. Trish Stratus von 2006) leider nichts anderes gewohnt. Allerdings war es lobenswert, dass Alicia, die im meiner Ansicht nach Ring gar nicht einmal so unbeweglich daherkommt, auch mal die Chance auf einen großen Auftritt bekam, obwohl ihre Chancen auf den Titelgewinn nicht besonders groß erschienen.

Das Match: Das erste was mir auffiel war, dass Mickie James das Platzen eines ihrer Implantate und die damit verbundene Schönheits-Operation wohl dafür genutzt hat, um in Sachen Volumen noch ein bisschen nachzulegen. Das Match an sich und vor allem die Herausforderin wussten auch positiv zu überraschen. Der Tilt a Whirl Backbreaker von Alicia Fox und ihr fantastischer Northern Lights Suplex verrieten, dass in ihr definitiv mehr steckt, als nur eine sehr hübsche Diva, nämlich auch eine wrestlerisch talentierte. Auch dieses Match litt ein wenig unter den laschen Zuschauern, aber mit fünf Minuten war es kurz und schmerzlos und erstaunlich unterhaltsam. Das Ende kam dann mit einem der heftigsten DDTs, die ich in einer langen Zeit gesehen habe. Den MickieDT steckte Alicia erstklassig ein und er wirkte sehr hart, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass Miss Fox nicht so abrollen konnte, wie sie sich das vorgestellt hatte. Trotzdem ein starkes Finish.

Wie geht es weiter? Ich hatte es im PPV Talk schon erwähnt und möchte es hier auch noch einmal ansprechen: Ich finde es schade, dass man den Heel-Turn von Gail Kim (noch?) nicht durchgezogen hat, denn der hätte einige schöne Matches versprochen. Als Heel-Gegnerin für Mickie James kommt eigentlich nur Beth Phoenix in Frage, aber das hatten wir ja mittlerweile schon wirklich oft genug. Auch Rosa Mendes würde ich gerne mal in einem längeren Titlematch sehen, da Potential vorhanden sein dürfte, aber die ist nur Jobberin vom Dienst. Gail Kim wäre also die beste Lösung gewesen, denn Alicia Fox ist noch nicht soweit, eine Diven-Division als Championesse anzuführen. Aber glücklicherweise kann der Turn ja immer noch kommen, denn bekanntlich ist aufgeschoben nicht gleich aufgehoben. Und selbst wenn nicht, kann es auch zu ansehnlichen Face-vs.-Face-Matches kommen zwischen Gail Kim und Mickie James. Nur ist dann die Fehde noch witzloser als sowieso schon bei den Damen immer. Ein Traummatch wäre darüber hinaus noch Beth Phoenix vs. Gail Kim und da würde auch das Gut-gegen-Böse-Prinzip wieder hinhauen. Wie immer gilt aber: Die Frauen sind bei WWE meist nur als Eye Candy da und es wäre schon überraschend, wenn hier mal wieder eine richtig tolle Storyline gestartet werden würde.

Fazit: 4/10

Unified Tag Team Championship
Chris Jericho & Big Show © vs. Batista & Rey Mysterio


Der Aufbau: Nachdem Batista bei RAW angekündigt hatte, zu SmackDown zu wechseln und noch kurz als Abschiedsgeschenkt Randy Orton abfertigen durfte, machte The Animal seine Drohung war und erschien schon kurz darauf bei der Freitagsshow. Bei seinem wie immer banalen, monoton vorgetragenen Gelaber wurde Batista aber von Chris Jericho unterbrochen, der ihn darauf hinwies, dass er selbst das Gesicht von SmackDown sei. Frei nach dem Motto seines Mentors Ric Flair – To bet he Man, you gotta beat the Man – verriet Batista seinem Gegenüber, dass sie bereits an diesem Abend ein Match gegeneinander haben würden. The Animal siegte hier klar und deutlich per Batista Bomb. Eine Woche später konnte der Rückkehrer auch die andere Hälfte der Tag Team Champions besiegen, dieses Mal allerdings nur durch DQ, weil Chris Jericho eingriff. Batista war am Ende aber zusätzlich der moralische Sieger, da er Jerichos Attacke abfing und diesen mit einem Ankle Lock – hey, er versucht wenigstens, sich im Ring weiterzuentwickeln, allein das ist löblich – zum Abklopfen brachte. Während die Unified Tag Team Champions bei RAW noch mehrere andere Fehden am Laufen hatten – so waren sie weiterhin in die Main Event Storyline zwischen John Cena und Randy Orton integriert und verteidigten ihre Gürtel ein weiteres Mal gegen Mark Henry und MVP – betätigte Batista einen Anruf und stellte seinen Tag-Team-Parnter vor, um Jerishow zu einem Titelmatch herauszufordern. Dessen Nummer sei 619. Booyaka, Booyaka! Nicht gerade ein ausgefeilter Aufbau für den Unified Tag Team Championship, aber allein die Tatsache, dass vier ehemalige World Champions sich um dieses Gold streiten, wertet die Tag Team Division weiter auf. Einen Leckerbissen konnte man aufgrund der Beteiligung von Big Show und mit Abstrichen auch Batista nicht erwarten, aber wie immer bei den letzten PPVs erwartete ich solide Opener-Kost.

Das Match: Um es vorweg zu nehmen: Für mich war das bisher das beste Match von Jerishow, seit die beiden Unified Tag Team Champions sind. Ein höchst ansehnliches Old School Tag Team Match. Der temporeiche Beginn mit Rey Mysterio und Chris Jericho ließ Erinnerungen an ihre Sommer-Matchserie im Kurzzeitgedächtnis aufleben. Jericho musste ganz drei Minuten lang einstecken, bevor er mit seinem Partner wechseln konnte. Äußerst lächerlich fand ich mal wieder die Darstellung von Mysterio, der selbst todesmutig gegen Big Show ran wollte, aber glücklicherweise keinen Stich sah und mit einem klatschenden Chop aus dem Ring gekloppt wurde. Beeindruckend war hingegen, wie Big Show den kleinen Mann mit nur einer Hand am Kopf zurück in den Ring zog. Jericho hingegen war einfach fantastisch als er wieder in den Ring kam. Wohlgemerkt ohne davor selbst etwas geleistet zu haben gab er erst einmal ordentlich an, weil Rey am Boden lag. Der Kerl ist als Heel einfach unbezahlbar. Batista fing sich erstaunlicherweise mehrere Buh-Rufe ein, als schließlich der Hot Tag gelang. Anschließend bewies The Animal Übersicht, indem er dem eingreifenden Big Show auswich, ließ sich aber dann doch schnappen und nach dem anschließenden Codebreaker konnte man schon vermuten, das Match ende wie alle Jerishow-Kämpfe in letzter Zeit. Dem war aber nicht so und es ging noch ein Weilchen äußerst spannend und unvorhersehbar weiter. Rey rettete Batista mit einem Springboard Splash vor dem Cover nach einem Chokeslam und fällte schließlich sogar einmal Big Show, was nicht unbedingt hätte sein müssen, aber das kennen wir ja. Außerhalb des Rings gab es eine schöne Zusammenarbeit von Batisterio zu sehen, als Rey Chris Jericho in die Arme von Big Show beförderte, dieser ihn auffing, aber schließlich doch von Batista per Spear niedergestreckt wurde. An dieser Stelle verwunderte mich etwas, dass The Animal von seiner eigenen Aktion auch ausgeknockt schien. Vielleicht habe ich auch etwas übersehen, aber Batista und Jericho lagen außerhalb des Rings rum, während Big Show in einem perfekt getimten Finish Mysterio per Knockout Punch aus einer Springboard Aktion nach dem 619 abfing und coverte. Show durfte also auch mal einen Pin durchführen und diesen nicht nur hinterrücks für Jericho ermöglichen. Wie schon anfangs erwähnt, endete so ein fabelhaftes Tag Team Match, das richtig Spaß beim Zuschauen machte und bei dem auch die Langsamkeit von Big Show gar nicht auffiel.

Wie geht es weiter? Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass ich hier schon seit Wochen etwas spekuliere, was noch nicht einmal angedeutet wurde, nämlich dass Jerishow bald eine Fehde mit der DX starten könnten und dass mir das gefallen würde. Weil ich schon genug dazu geschrieben habe und mich auch nicht dauerhaft wiederholen will wie die WWE bei ihren Main Events, belasse ich es dieses Mal aber bei einer Erwähnung. Mark Henry und MVP dürften nach ihrer zweiten klaren Pinfall-Niederlage beim RAW vor dem PPV als Tag Team Geschichte sein und sich wieder ihren Einzelkarrieren widmen. Oder sie bleiben zusammen und legen sich mit Legacy an. Sie fallen also auf jeden Fall als Gegner flach. Batisterio hingegen dürfen gerne noch eine weitere Chance erhalten, da die Fehde ja gerade erst begonnen hat. Wenn dies geschieht, dann vermute ich, dass 619 und The Animal ihr Rematch bei SmackDown bekommen. Mit Bragging Rights und der Survivor Series stehen nun nämlich zwei PPVs an, bei denen es eher unwahrscheinlich wirkt, dass der Unified Tag Team Championship verteidigt wird. Bei Bragging Rights geht es vordergründig um ein Kräftemessen von RAW und SmackDown, wobei Big Show und Chris Jericho als Duo keinen vertreten können, da sie selbst schon aus unterschiedlichen Rostern kommen. Bei der Survivor Series kann man hingegen davon ausgehen, dass Jerishow für eines der Elimination Matches verwendet werden, da sie durch ihren momentanen Status in der Liga dort einfach gut reinpassen. Sollte dies so eintreffen, werden die Tag Team Titles bei einem PPV frühestens wieder bei TLC – Tables, Ladders, Chairs verteidigt, oder eben wie schon erwähnt bei SmackDown. Zum Abschluss der Spekulationen noch eine kleine Traumkonstellation meinerseits: Wenn Edge endlich zur Action zurückkehrt, könnten Chris Jericho und Big Show von mir aus immer noch Unified Tag Team Champions sein. Der Rated R Superstar muss sich dann einen Partner suchen, um gegen die beiden anzutreten. Und wer wäre da passender als… Christian! Aber wie gesagt: Das bleibt vorerst ein Wunschtraum. *seufz*

Fazit: 8/10

WWE Championship
Hell in a Cell Match
John Cena © vs. Randy Orton


Der Aufbau: „I did not quit!“ Stolz wie Oskar brüllt der neue WWE Champion John Cena diese Worte bei Breaking Point ins Mikrophon, nachdem er mehr als 10 Minuten lang von Randy Orton gefoltert worden war und dann doch noch siegte. Orton begründete sein „I Quit“ bei RAW damit, dass er nicht so blöd sei, wie John Cena und die eigene Gesundheit aufs Spiel setze. Lieber gebe er sich geschlagen. Das musste er an diesem Abend ein weiteres Mal tun, denn der zurückkehrende Batista besiegte ihn in einem No Holds Barred Match, nachdem John Cena eine Flucht Ortons verhinderte. Eben jener Cena hatte zuvor noch großspurig angekündigt, Orton könne froh sein, wenn er nach dem Hell in a Cell Match – Guest Host Trish Stratus hatte dieses Rematch mittlerweile fix gemacht – an einem Stück aus dem Käfig kommen würde. Diese Drohung wiederholte er in der Woche drauf während der offiziellen Vertragsunterzeichnung, bei der sich beide nicht tätlich angreifen durften, und wies Orton darauf hin, dass dieser die böse Seite von John Cena noch nicht einmal annähernd kennen gelernt hätte. Orton antwortet darauf, indem er einfach Big Show und Chris Jericho zum Ring rief, denn die beiden durften Cena durchaus angreifen. Mark Henry und MVP retteten John und so entstand ein Six Man Tag Team Main Event für diesen Abend mit besonderer Stipulation. Da Randy Orton das Match für sein Team per RKO gegen Mark Henry gewann, musste John Cena in der letzten RAW-Ausgabe vor dem PPV ein Gauntlet über sich ergehen lassen. Gegen Chris Jericho gewann Cena durch DQ, wurde aber noch lange in den Walls of Jericho gehalten. Gegen Big Show gewann er ebenfalls durch DQ und wurde von den Unified Tag Team Champions weiter bearbeitet, unter anderem mit dem Colossal Clutch. Das finale Match gegen Randy Orton endete im No Contest. Trotz fortlaufender Attacken von Jerishow war Cena nämlich schnell wieder fit – das Super-Cena-Gen, das ihn bei vielen so unbeliebt macht, kam also wieder einmal zum Vorschein – und der über dem Ring befindliche Hell-in-a-Cell-Käfig senkte sich über die beiden, wobei sich Orton bei den Fluchtversuchen mehr als dämlich anstellte. Nach einer Weile Brawl kamen die beiden doch noch aus der Zelle raus und Orton kletterte flüchtend nach oben, wo er noch ein Attitude Adjustment auf den Maschendrahtzaun abbekam. Die miese Woche endete für Orton damit, dass er auch beim SmackDown-Geburtstag der Unterlegene war, nachdem er vom Undertaker (der im Viererteam von John Cena stand) gepinnt wurde. Auch für diese beiden, die eine harte Fehde hinter sich haben, passt die Stipulation ziemlich gut, ist sie doch die einzig mögliche Steigerung zu dem brutalen I-Quit-Szenario. John Cena stand hierbei in seinem ersten Hell in a Cell, aber es ist ja definitiv nicht so, dass man für diese Art Match so viel Übung braucht, wie es uns WWE immer weismachen will. Man konnte sich also wieder auf einen verbissenen Brawl gefasst machen, dessen Sieger nach den Ereignissen in der Woche vor dem PPV laut dem Wrestling-1x1 gar nicht so sicher war. Spannung war also auch hier ausreichend geboten.

Das Match: Noch ein World Title Match, das nicht der Main Event sein würde, was schon Hinweise auf den Sieger gegeben hat. Wenigstens war das Publikum endlich mal richtig heiß, was wie so oft daran lag, dass die Meinung zu John Cena extrem gespalten war und viele Randy Orton anfeuerten. Nervig war, dass Orton schon nach drei Schlägen wieder flüchten wollte. Als er die Ringtreppe schließlich nicht ins Seilgeviert heben konnte und von einigen Fand verspottet wurde, ließ er sich auch zu einer abfälligen Geste herab, was nicht unbedingt sein muss. Selbst als Heel in der WWE macht das regulär eigentlich niemand. Der Hanging DDT auf die angesprochene Treppe im Ring gelang dann aber doch nicht, also war der Ärger ganz umsonst. Und warum gelang er nicht? Weil Orton sich ätzend viel Zeit zwischen seinen Aktionen ließ. Langsam übertreibt er es mit seiner Langsamkeit auch für meinen Geschmack zu sehr. Auffällig war, dass wie schon beim ersten Hell in a Cell Match des Abends beide Kontrahenten schon nach fünf Minuten agierten, wie wenn sie ein Iron Man Match hinter sich hätten, obwohl sie noch gar nicht viel einstecken mussten. Ein kleines Deja Vu hatte ich beim Backbreaker durch Orton, denn wie schon bei New Years Revolution 2006 verlor Cena eine Rasierklinge, die dann klar sichtbar auf der Matte lag, bis sie der Ringrichter wegsteckte. Wäre interessant gewesen, ob es tatsächlich mal wieder einen Bladejob gegeben hätte, wenn dieses Missgeschick nicht passiert wäre. Fast schon erstaunlich war, dass Randy Orton nach Attitude Adjustment und sofortigem Cover auskicken durfte. Weniger erstaunlich war hingegen, dass die Viper im STF abklopfte, als der Referee gerade KO gegangen war. Es ist eine Unsitte bei WWE, dass Heels wohl immer erst einmal eine unbemerkte Niederlage einfahren müssen, wenn sie einen großen Sieg einfahren dürfen. Auch Cena kickte aus dem Finisher des Gegners aus, was mich aber an dieser Stelle freute, da es ein doofes Finish gewesen wäre. Umso besser war die Idee hinter dem richtigen Ende des Matches. Der sadistische Orton klemmte Cena zwischen den Seilen ein und würgte ihn mit einem Sleeper Hold fast bis zur Bewusstlosigkeit. Schließlich fetigte er ihn mit dem Punt ab. Allerdings war dieser – vermutlich dank der ungünstigen Kameraperspektive – ein schlechter Witz, denn es sah aus, als ob Cena ausgewichen wäre. Das dachten auch einige jubelnde Fans in der Halle. Allerdings hatte der Kick, der mindestens 10 cm vorbei gegangen war, „voll gesessen“. Wie gesagt, gefiel mir das Booking hinter diesem rücksichtslosen Ende, aber die Ausführung war Sechs Minus. Gar nicht gefiel mir hingegen, dass auch hier die Hell in a Cell Stipulation eigentlich für die Katz war.

Wie geht es weiter? Tja, die Fehde geht wohl noch eine Weile weiter, denn nun hat wiederum John Cena ein vertraglich zugesichertes Rematch. Ich bin aber mal gespannt, wann dieses Match stattfindet. Es könnte z.B. sein, dass dies erst bei oder nach der Survivor Series der Fall ist. Möglicherweise treten Orton und Cena bei Bragging Rights sogar als Team an, um ihre Show RAW zu vertreten. Oder sie kämpfen dort erst einmal aus, wer für RAW im Main Event antreten darf, ohne dass es dabei um das Gold geht. Bei der Survivor Series könnten beide ein Team anführen und ihre Rivalität damit fortsetzen. Schließlich könnte dann bei TLC – Tables Ladder Chairs der große Showdown stattfinden. Das wäre aber nur ein mögliches Szenario. Ein weiteres wäre, dass schon bei RAW ein WWE Title Match stattfindet, oder aber bei Bragging Rights, wenn die beiden aus der SmackDown-vs.-RAW-Sache herausgehalten werden. Und im Fall von Randy Orton müsste auch bald der Split von Legacy anstehen, wie ein Segment später am Abend verdeutlichte. Letztlich glaube ich jedoch, dass die Leute, die die Paarung Cena vs. Orton verteufeln, auch in den kommenden Wochen bei RAW nicht wirklich glücklich werden.

Fazit: 8/10

R-Truth durfte tatsächlich bei einem PPV etwas am Mic sagen. Und er machte seine Sache sogar wirklich gut. Wie man aber danach sehen konnte, gelang es ihm damit leider nicht, ein bisschen Spannung für sein Match aufzubauen.

Drew McIntyre vs. R-Truth

Der Aufbau: Die Fehde der beiden begann bereits Ende August. Hier war ein Match zwischen Drew und Truth angesetzt, das jedoch niemals stattfand, weil McIntyre eine wütende Attacke gegen seinen Gegner startete, noch bevor der Gong geläutet wurde. Das Spielchen wiederholte sich in ähnlicher Form auch die kommenden Wochen und regelmäßig gab es einen Brawl zwischen dem Rapper und dem Schotten. Letzterer begründete seine Angriffe damit, dass er nicht genug Beachtung bekäme und deshalb jede Party der Fans zerstören wolle. Das beinhaltete auch eine nicht vor den Kameras gezeigte Backstage-Attacke durch McIntyre, der damit ein Match von R-Truth gegen Charlie Haas verhinderte, wobei Haas schließlich auch noch eine Abreibung bekam. Eine ganz besondere Ehre wurde Drew schließlich bei SmackDown zuteil, als er tatsächlich von Vincent Kennedy McMahon höchstpersönlich vorgestellt wurde und das sogar als zukünftiger World Champion. Wow, allein diese Äußerungen von Mc zu Mc gleichen fast einer Heiligsprechung (Vince würde seinen guten Namen schließlich nicht für Fallobst hergeben) und zeigen, dass man mit Drew McIntyre wohl großes vor hat. Die Fehde gegen R-Truth war hierbei schon ein guter Anfang, da der Neuling so regelmäßig vor den Kameras zu sehen war und behutsam aufgebaut wurde. Jedenfalls wendete sich das Blatt dahingehend, dass zumindest in den beiden SmackDown-Ausgaben vor dem PPV R-Truth der Aggressor war. Beim Jubiläum machten die beiden sogar die schöne blaue Torte kaputt und wurden wie auch schon in den Wochen zuvor voneinander getrennt. Das PPV-Match als offizielles In-Ring-Debüt für diesen Run war die logische Konsequenz des stetigen Pushs von McIntyre, ebenso wie der Sieg, der als so sicher angesehen werden durfte, wie das Amen in der Kirche. Die kurzfristige Ansetzung (das Match wurde gerade einmal 24 Stunden vor dem PPV auf der Card platziert) störte keineswegs, da man ja schon eine Geschichte aufgebaut hatte. Störend war nur die Tatsache, dass das Match selbst sicherlich nicht so viel Zeit bekommen würde und trotzdem den anderen Matches eben jene Kampfzeit teilweise wegnehmen würde.

Das Match: Schon nach weniger als einer halben Minute hörte man die ersten Boring-Rufe aus dem Publikum, was wohl die Höchststrafe und einen neuen Rekord darstellte. Diese Chants hörten auf, wurden aber dummerweise durch Totenstille ersetzt. Drew McIntyre zog bei seinem PPV-Debüt Null Reaktionen und war bemitleidenswert. Vielleicht ist es doch zu früh einen Newcomer so schnell auf die PPV-Card zu setzen und ihn davor nur mit einer Fehde gegen einen Edeljobber wie R-Truth aufgebaut zu haben. Allerdings war dies auch ein mehr als undankbarer Zeitpunkt auf der Card, nachdem das Publikum zuvor endlich einmal Reaktionen zeigte und jetzt so abgekühlt wurde, weil sie in Main-Event-Stimmung waren. Fakt ist: Mit einem Vier-Minuten-Kampf bei einem PPV tut man niemandem einen Gefallen und man hätte die Fehde erst einmal mit längeren Matches bei SmackDown weiter etablieren sollen. In Erinnerung blieb kurzfristig wohl nur das Finish mit einer nett anzusehenden One Armed Powerbomb von McIntyre und seinem Finisher, dem Double Underhook DDT.

Wie geht es weiter? Man muss es ehrlich sagen: Der erste PPV-Auftritt von Drew McIntyre war in jeglicher Hinsicht ein Flop. Da man ihn aber eben bei einer Großveranstaltung das das erstes Match seines Runs bestreiten ließ, kann man hoffen, dass die Booker trotzdem an ihm festhalten werden und ihn langsam weiter aufbauen. In diesem Geschäft wäre es aber auch nicht verwunderlich, wenn man jemanden ertrinken lässt, den man ins kalte Wasser geworfen hat. Denken wir jedoch positiv und gehen davon aus, dass man nun eben mehr Zeit in McIntyre steckt, um ihn over zu bringen. Möglicherweise gibt es dazu bei SmackDown noch ein weiteres Match gegen R-Truth bei dem Drew erneut gewinnt und die Fehde damit beendet. Gegner stehen für ihn auf gehobenem Midcard-Niveau genug zur Verfügung. Da wäre Finlay zu nennen – Ire vs. Schotte – von dem er auch im Ring bei einer Matchserie nur profitieren könnte und der sich nicht zu schade sein dürfte, sich hinzulegen. Auch Matt Hardy – wenn man ihn denn wieder regelmäßig einsetzt – würde eine schöne Fehde garantieren, bei der es Matt auch nicht schadet, eine Niederlage mitzunehmen. Auch McIntyre sollte dabei ab und zu mal den Job machen, denn so kann man ihn behutsam aufbauen. Unverbrauchte Gesichter sind eben etwas Feines, was die Abwechslung angeht. Natürlich kann es auch sein, dass die „future World Champion“-Ankündigung von Vince McMahon nur ein Sturm im Wasserglas war und Drew dauerhaft ohne Storyline bei SmackDown rumdümpelt, gerade nach diesem verkorksten Start. Dieses Schicksal gebührt aber vermutlich eher R-Truth. Er ist in der Midcard ein Worker, den man dankbar für Fehden verwenden kann. Sei es z.B. gegen Mike Knox oder vielleicht irgendwann einmal gegen Dolph Ziggler, um diesen zu pushen. Wie in der Fehde gegen Shelton Benjamin zu sehen war, kann man sich in solchen Sachen auf den Routinier R-Truth verlassen. Viel höher auf der Card, als dies aktuell der Fall ist, wird man ihn aber denke ich so schnell nicht finden. Das wiederum zeigt nur die Schnelllebigkeit des Geschäfts, denn vor etwa einem Jahr ging das Gerücht um, Vince McMahon wolle den ehemaligen K-Kwik/Ron Killings angeblich mal als großes Idol für das afroamerikanische Publikum aufbauen. Davon ist heute nicht mehr allzu viel übrig und auch die „Pretty Ricky“-Comedy-Sache, die McMahon anfangs so begeisterte, wurde bekanntlich schnell fallen gelassen. Es lebe die Wankelmütigkeit der einen und der Status Quo der anderen.

Fazit: 2,5/10

Langsam aber sicher wird die Trennung zwischen Legacy und Randy Orton forciert. Heimlich, still und leise haben die drei schon bei den vergangenen RAWs ihr eigenes Süppchen gekocht und standen nur noch selten Seite an Seite. Und jetzt bezeichnet Cody Rhodes den Mentor auch noch als ähnlich zu seinem „alten Herrn“ und Ted DiBiase rät Randy, sie nicht zu unterschätzen. Die beiden nabeln sich immer mehr ab. Zwar gab es ähnliche Zwistigkeiten schon öfter bei Legacy, aber so endgültig wirkten sie selten. Etwas übertrieben in diesem Segment fand ich dagegen, wie Randy Orton ihnen weismachen wollte, dass man aus Hell in a Cell nicht einfach so rausläuft. So hart und brutal war es für ihn in der Zelle jetzt auch nicht. WWE sollte lieber nicht so viel auf Worte setzen, was das Verkaufen der Stipulation angeht, sondern auf richtige Härte in den Matches selbst.

Bei seinem Einzug verstand es The Miz wieder hervorragend, das Publikum gegen sich aufzubringen, auch wenn die Beleidigungen ziemliche Cheap Heat waren. Aber auch der Vortrag und nicht nur der Inhalt sind wichtig und da machte der Chick Magnet einen guten Job.

US Championship
Triple Threat Match
Kofi Kingston © vs The Miz vs. Jack Swagger


Der Aufbau: Bei Breaking Point verteidigte Kofi Kingston seinen US Title in einem Einzelmatch gegen The Miz. Und weil ihm den Titel schon so lange keiner auf regulärer Basis abnehmen konnte, begannen nun die Diebstähle. Meisterräuber werden Miz und Jack Swagger aber niemals, denn sie waren von Anfang an klar als Täter auszumachen. Miz schnappte sich den Titelgürtel in einem Tag Team Match gemeinsam mit Swagger gegen Kofi und Primo Colon. Zu allem Überfluss war Kingston davon so abgelenkt, dass er nach der Gutwrench Powerbomb auch noch gepinnt wurde. Miz konnte sich aber nur eine Woche am Diebesgut erfreuen, denn beim kommenden RAW knockte ihn der reguläre Champion aus, als das Großmaul diesen gerade als kiffenden Jamaikaner bezeichnete, der nur faul am Strand liegt. Zumindest unterstrich Miz daraufhin seine Anwärterschaft auf Gold, indem er Evan Bourne besiegte. Jack Swagger sollte sogar schon an diesem Abend die Chance bekommen, US Champion zu werden. Allerdings wollte Miz erneut den Titel stibitzen, aber Jack hielt ihn auf und klaute sich das Gold selbst. Seine Titelchance setzte er durch diesen No Contest allerdings selbst in den Sand. Das war auch der Zeitpunkt, zu dem das Triple Threat Match für Hell in a Cell verkündet wurde. Kofi war kurzfristig dann aber doch der lachende Dritte, denn nach einem Swagger’schen Sieg bei RAW gegen Evan Bournt, stritt sich der All American American noch ein bisschen verbal mit The Miz. Letzterer wurde irgendwann wütend, weil Jack ihm nicht in die Augen schaute und es startete ein Brawl. Kingston nutzte die Ablenkung und holte sich das wieder, was rechtmäßig sowieso schon ihm gehört, zumindest bis zur nächsten Ausgabe von Superstars. Dort kam es zu einem Non Title Singles Match Kingston vs. Miz, das der Jamaikaner aus Ghana mit dem Trouble in Paradise gewann. Derjenige, der zuletzt lacht, war aber Jack Swagger, weil er nach dem Match beide Gegner abfertigte. Eine richtig launige Storyline, die hier in der Midcard von RAW entstanden ist und ich war mir sicher, dass das PPV Match genauso viel Spaß machen würde. Die einzige Sache, die hier gefehlt hat, waren noch ein paar mehr Promos – selbst kurze Statements hätten gereicht, um noch ein bisschen mehr Substanz dahinter zu bringen. Dennoch eine feine Angelegenheit, dass Miz, Swagger und Kofi soviel Aufmerksamkeit und TV-Zeit bekamen, wenn man bedenkt, wie stiefmütterlich die Midcard von RAW noch vor einigen Wochen behandelt wurde.

Das Match: Sehr auffällig in diesem Triple Threat: Die übliche Masche, dass häufig einer der drei Teilnehmer außerhalb des Rings liegt, wurde hier überhaupt nicht angewendet und alle drei waren stets in die Action involviert. Bei lauen sieben Minuten allerdings auch kein Wunder. Ein anderer Standard-Mechanismus wurde hingegen ausgiebig ausgereizt. So arbeiteten die Heels anfangs zusammen, aber die Kooperation ging nur gut, bis ein Cover angesetzt wurde. Natürlich brach die Zusammenarbeit auch irgendwann endgültig zusammen, nämlich als Miz seinen Zweckpartner Jack Swagger mit einem plötzlichen Kick in den Magen angriff. Miz spielte auch während des Matches eine große Rolle dabei, das Publikum wenigstens halbwegs bei der Stand zu halten. Gute Aktionen, bei denen sich alle drei beteiligten, waren der Doomsday Device (mit Crossbody statt Clothesline) mit Miz auf den Schultern von Swagger und einem fliegenden Kofi und der Bocksprung von Kingston über Jack, wonach er einen Top Rope Side Suplex gegen den Chick Magnet durchzog. Der erste Trouble in Paradise saß endlich mal wieder richtig perfekt, wie man auch in einer schmerzhaften Zeitlupe zu sehen bekam. Etwas missglück war die Aktion, als Jack Swagger nach dem Skullchrushig Finale die Beine der Champions aufs Seil legen sollte und dabei abrutschte, sodass Kingston selbst nachhelfen musste. Die Finishing Sequenz mit Gutwrench Powerbomb, Trouble in Paradise und Pin gegen Miz war dann auch typisch Triple Threat. 2x Finisher + 1x Cover = neuer und alter US Champion. Kofi schafft es halt doch immer wieder, auch wenn im Vorfeld stets ein Titelwechsel vermutet wird. Schlimm finde ich das nicht, auch wenn mir nicht gefällt, dass man seinen Charakter überhaupt nicht ausbaut. Insgesamt bleibt noch zu sagen, dass das Match zu kurz war, um wirklich super zu werden und dass es gerade da vorbei war, als es gerade anfing Spaß zu machen und spannend zu werden. Schade drum.

Wie geht es weiter? Die Midcard von RAW mit ernsten Chancen auf den US Title ist aktuell nicht besonders groß, also könnte man theoretisch ohne schlechtes Gewissen spekulieren, dass der Champion Kingston und die Herausforderer Miz und Swagger weiterhin ein wichtiger Teil der Storylines um den US Championship bleiben werden. In wechselnden Konstellationen verspricht das durchaus gute Unterhaltung, auch wenn Miz vs. Swagger nicht längerfristig stattfinden dürfte, weil beide Heels sind. Evan Bourne hat man bei RAW vieles von seinem Momentum genommen, aber trotzdem würde er ebenfalls gut ins Titelrennen passen. Auch Mark Henry und MVP könnten nach ihrem Ausflug ins Tag-Team-Metier angesichts des sowieso vorherrschenden Face-Mangels in der Midcard wieder zu dieser hinzu stoßen, aber sie sind ebenfalls Anwärter auf einen Platz im Main Event. Diese Ehre könnte übrigens auch gerne Jack Swagger zuteil werden, der von den Beteiligten im US Title Triple Threat Match von Hell in a Cell sicherlich derjenige mit den größten Chancen ist, einmal World Champion zu werden – wenn nicht sogar der einzige mit diesem Potential aus dem Trio. Eine Fehde mit Triple H, Shawn Michaels oder John Cena wäre da ein hervorragender Anfang.

Fazit: 6,5/10

Hell in a Cell Match
DX vs. Legacy


Der Aufbau: Es war schon eine dicke Überraschung, dass Legacy so klar und deutlich gegen DX gewinnen durften, aber bei Breaking Point wurden Cody Rhodes und Ted DiBiase tatsächlich als ernstzunehmende Gegner präsentiert, die mit einer taktischen Meisterleistung Shawn Michaels zum Abklopfen brachten. Klar, dass man als Jungspund mit so einem Erfolg prahlt, denn laut Cody und Ted hätten diesen Aufgabe-Sieg noch nicht einmal The Rock, Stone Cold oder Vince McMahon erringen können. Sie seien nicht mehr die Söhne von Dusty Rhodes und dem Million Dollar Man, sondern diese beiden seien in Zukunft als die Väter von Cody Rhodes und Ted DiBiase bekannt. DiBiase trat daraufhin gegen Shawn Michaels an und war kurz vor einer Niederlage, als sein Partner eingriff und eine DQ herauf beschwor. Das Ganze endete in einem chaotischen Brawl. Die andere Paarung – Rhodes vs. Triple H – fand in der Folgewoche statt, nachdem DX ihren Erzfeinden die totale Zerstörung versprochen hatten und ihre Drohung damit untermauerten, dass sie ihre eigenen Erfolge bei Hell in a Cell Matches aufzählten und betonten, dass Legacy hier noch gar keine Erfahrungen sammeln konnte. Auch dieses Einzelmatch endete in einem großen Brawl, den Rhodes und DiBiase sogar dominierten, bis HBK den anderen Freund von Triple H, dessen Sledgehammer, auspackte und sie verscheuchte. In der letzten RAW-Ausgabe vor dem PPV hatten auch Cody und Ted noch einige Worte parat. Sie wiesen auf den Legenden-Status von HHH und Michaels hin, waren aber auch der Meinung, dass es für diese an der Zeit sei, sich aufs Altenteil bzw. in einen Bürojob zurück zu ziehen. DX unterbrachen die Rede und verglichen sich mit Hulk – dem Comic, nicht dem Hogan. Solange sie Witze machen, seien sie wie dessen Alter Ego Bruce Banner, aber sie würden es auch lieben, das Monster rauszulassen und das werde bei Hell in a Cell geschehen. Einem weiteren Brawl wichen Legacy daraufhin lieber aus, sodass Hunter noch darauf hinweisen konnte, dass es in einem Hell-in-a-Cell-Käfig keine Flucht gebe. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen werde, aber hier liegt nun tatsächlich eine der besten Fehden des Jahres vor. Ich kann einfach nicht leugnen, dass ich auf den Humor von DX stehe und die beiden in diesen Rollen ziemlich cool finde. Und wenn sie dann auch noch junge Stars so gut aussehen lassen, dann passt alles. Jedenfalls freute ich mich von allen acht Matches auf dieses hier am meisten.

Das Match: Dass Legacy schon vor dem Match einen Angriff starten, zeigte exzellent ihr neu gewonnenes, fast schon zu überhebliches Selbstvertrauen. Es entwickelte sich ein spaßiger Brawl außerhalb der Zelle, der an das Match von Breaking Point erinnerte. Leicht chaotisch, aber nicht zu arg, was z.B. an der Szene zu sehen war, als Rhodes einen Suplex auf ein Kommentatorenpult abbekam, während im Hintergrund auf einmal DiBiase auf Triple H angesprungen kam und diesen umriss. Die Taktik von Legacy war erneut Divide & Conquer, was die beiden als gewiefte Strategen darstellte. Die Cross Rhodes auf der Rampe sahen zudem noch unglaublich hart aus. Doch nicht nur die Taktik von Legacy stimmte, auch ihre In-Ring-Psychologie war der Hammer. Allein schon am geschockten Murmeln im Publikum konnte man hören, wie sehr die beiden beeindrucken konnten und wie sehr sie mittlerweile als gefährliche Gegner angesehen werden. Die Mimik von DiBiase und Rhodes sowie ihre Provokationen und ihre Zusammenarbeit sind schon Main-Event-würdig. Der Gesichtsausdruck von HBK, als er realisierte, dass Triple H ausgeschlossen wurde, war Gold wert, so wie das Selling seiner Leiden allgemein. Lob hierfür an Shawn Michaels, der oftmals zwischen unfreiwillig komischer Übertreibung und glaubwürdigem Einstecken schwankt. Apropos unfreiwillig komisch: Das war auch Triple Hs Versuch, die den Käfig absperrende Kette mit einem Stuhl zu zerschlagen. Triple H verschwand dann (es war wohl jedem klar, was kommen würde und dass er seinen Kumpel nicht im Stich lassen würde) und Michaels wehrte sich nach Leibeskräften, aber immer wieder schlug die Überzahl der Gegner zu Buche. High Low von Legacy sah ebenfalls sehr spektakulär aus. Insgesamt zeigte Cody Rhodes nach meinem Befinden mehr Aktionen, während Ted DiBiase für die Demütigungen und das Aufpassen zuständig war. Das Gefühl der Unbesiegbarkeit und die sadistische Ader rechtfertigt auch die Dummheit, das Match nicht beenden zu wollen, sondern HBK und seine Fans weiter quälen zu wollen. Weitere Highlights waren DiBiases Dropkick aus dem Stand gegen einen Stuhl an Shawns Kopf, der auch Cody Rhodes umriss, und die Dream Street auf einen Stuhl, die schon beim zusehen schmerzte. Die Geschichte des Matches wurde lobenswerterweise konsequent zu Ende erzählt, als Triple H mit dem Bolzenschneider auftauchte. Die Überheblichkeit von Legacy wurde nun zur Achillesferse. Hunter räumte erst einmal mit beiden Gegnern ordentlich auf, was auch nicht negativ ins Gewicht fiel, da er im Gegensatz zu den anderen mehr als ausgeruht gewesen sein dürfte. Schließlich wurde DiBiase ausgesperrt und DX drehten den Spieß um. Das Finish war schließlich ganz groß und eines Hell in a Cell definitiv würdig. Die Kombination aus Sweet Chin Music und gleichzeitig dem Slegdehammer an die Rübe von Cody wirkte richtig schön brutal. Ein klasse Fight, der allen Beteiligten nur zu Gute kommt.

Wie geht es weiter? Nach dieser Niederlage und der Einsicht, was DX im Stande ist, mit ihnen anzurichten, gehe ich davon aus, dass Cody und Ted nun Ruhe geben werden und als Verlierer aus dieser Fehde hervorgehen. „Verlierer“ aber nur in dem Sinne, dass sie die finale Niederlage eingefahren haben. Gewinner sind sie durch ihre tolle Performance aber trotzdem und dafür können sie sich wirklich bei Hunter und Shawn bedanken. Diese Hell in a Cell Match wirkte als Fehdenabschluss einfach zu perfekt, als dass man noch weitermachen und das steigern könnte. Höchstens bei der Survivor Series könnte ich mir noch beide Parteien in gegnerischen Teams vorstellen, aber sonst dürfte die Sache jetzt ruhen. Durch das Segment mit Randy Orton könnten weitere Streits zwischen Cody und Ted sowie ihrem Mentor eingeleitet werden. So wie die beiden mittlerweile zusammen halten, sieht es danach aus, als ob sie erst einmal weiterhin zusammen antreten und nicht auch splitten. Andererseits könnte Cody das Aussperren von Ted DiBiase so auffassen, dass dieser ihn im Stich gelassen hat, und auch hier könnte Streitigkeiten auftreten. Das halte ich aber eher für unwahrscheinlich. Wenn Legacy neue Fehdengegner brauchen, könnten hierfür Mark Henry und MVP in die Bresche springen. Das wäre zwar ein Abstieg, was den Status der Kontrahenten angeht, aber Rhodes und DiBiase könnten hier wenigstens öfter Siege einfahren und sich weiter etablieren. Dank MVP wären auch gute Verbalduelle möglich, sowohl mit Cody als auch mit Ted, die beide am Mic ihre Stärken haben. DX gegen Jerishow wäre möglich, wenn die Tag Team Champions ihre Fehden weiterhin zwischen RAW und SmackDown trennen können. Vielleicht steht ja bald ein Triple Threat Tag Team Title Match an, in das auch noch Batisterio integriert werden? Dass ich immer wieder auf dieser möglichen Fehde herumreite, liegt daran, dass mir einfach keine anderen Heel-Gegner für Shawn Michaels und Triple H einfallen. Und natürlich auch deswegen, weil mir diese Rivalität gefallen würde. Ein Survivor Series Match könnte dann so aussehen: Legacy & Jerishow vs. DX & Batisterio. Wäre sicherlich reizvoll, auch wenn ein Sige der Faces dabei vorprogrammiert scheint.

Fazit: 10/10

Der neue PPV von WWE muss sich natürlich zuallererst daran messen lassen, wie die Konzept-Idee umgesetzt wurde und wie sie angekommen ist. Und hierbei kann ich leider nur ein negatives Fazit ziehen. Einzig und allein der Main Event verdiente auch die Bezeichnung Hell in a Cell und zeigte das, was diese Matchart bei den Fans so beliebt machte. Das World Heavyweight Title Match war dagegen ein großer schlechter Witz und entlarvte die neue Idee als Farce, bei der nur Worte und keine Taten sprechen. Klar, man kann einen Käfig runterlassen und behaupten, da drin zu sein ist die Hölle, aber wenn dann ein zehnminütiges Match fast ohne Brutalität in der Zelle abläuft, dann wird Hell in a Cell ad absurdum geführt. Nicht ganz so schlimm war es beim WWE Title Match. Dieses war – vor allem beim Finish – relativ hart, aber das wäre auch bei einem Street Fight so gewesen und Hell in a Cell machte keinen spürbaren Mehrwert aus. So sehr ich die Hinführung auf den PPV und die Legitimität der Stipulation bei allen drei Main Events gelobt habe, so sehr muss ich auch die letztendliche Umsetzung in zwei von drei Fällen kritisieren. Der Schuss ging nach hinten los, auch wenn alle Beteiligten bei den wöchentlichen Shows sagen werden, sie seien nach Hell in a Cell ein anderer Mensch. Aber es gibt ja nicht nur Negatives zu berichten. So gab es gleich zwei 10/10-Matches (in meiner subjektiven Ansicht), die unterschiedlicher nicht hätten sein können, aber für mich beide die Höchstwertung verdienten. Ziggler vs. Morrison dank der exzellenten Wrestling-Performance, DX vs. Legacy dank dem perfekten Booking und der schauspielerischen Leistung der Beteiligten. Rechnet man die anderen Matches ein, die wie immer zwischen gut über Mittelmaß bis hin zu Totalausfall schwankten mit ein, so ergibt sich insgesamt ein befriedigender und fast schon guter Punkteschnitt von 6,94.
Ich bedanke mich herzlich für eure Aufmerksamkeit, sowie die Geduld und Ausdauer, diese PPV- Bewertung bis ganz zum Schluss zu lesen. Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen genauso viel Spaß wie ich beim Schreiben. Über Lob, Kritik oder konstruktive Verbesserungsvorschläge an meine Email-Adresse michael.schwartz@bsww.de würde ich mich sehr freuen. Man sieht sich dann bei Bragging Rights.
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