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BSWW.de: Schwartz, ungesüßt... - Bragging Rights 2009
Von Michael Schwartz
Montag, 26. Oktober 2009
Hallo liebe Leser und ein herzliches Willkommen zu Schwartz, ungesüßt... Bevor in vier Wochen mit der Survivor Series mal wieder ein altbekannter, traditioneller PPV ansteht, mussten sich die Zuschauer bei Bragging Rights wie so oft in den vergangenen Wochen an ein neues PPV-Konzept gewöhnen. Zunächst wusste WWE aber anscheinend selbst nicht, was sie daraus machen wollte. Erste Gerüchte, dass es um SmackDown vs. RAW gehen könnte, kamen auf, als man das Logo des PPVs sah, das die Schriftarten der beiden Show-Banner kombiniert. Ein ominöses Fax an einen Kabelanbieter in Thailand ließ dann das Gerücht aufkommen, das Motto des Abends seien Triple Threat Matches, an denen jeweils ein RAW-Mann, ein SmackDown-Superstar und ein ECWler teilnehmen. Der Main Event sollte ein World Heavyweight Champion vs. WWE Champion vs. ECW Champion Match werden. Das stellte sich als Unwahrheit heraus, obwohl ich es sehr stark gefunden hätte. Als nächstes tauchte bei einem amerikanischen PPV-Anbieter das nächste unwahre Gerücht auf, nach dem es nur SmackDown vs. RAW geben sollte, wobei sich die Gewinner der Matches des PPVs zum Abschluss in einem großen Multi Person Tag Team Match gegenüberstehen sollten. Das war schon näher dran an der letztendlichen Wahrheit, aber auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Idee des Brand-Vergleichs blieb übrig, ebenso wie das Tag Team Match mit vielen Personen. Allerdings gab es die Qualifikations-Matches dafür schon bei den jeweiligen Shows. Hinzu packte man noch ein Match der beiden Midcard Champions gegeneinander und auch die Diven durften ihre Farben gegen die Feinde vertreten. Am Ende also drei Matches, die bestimmen würden, welches die beste Show bei WWE ist. Wie wurde dieses neue Konzept rüber gebracht? Hat es dem PPV geschadet, dass WWE erst einmal selbst nicht wusste, wie sie ihn gestalten soll? Oder ist die Idee von roter gegen blaue Sendung die weltbewegende Abwechslung, nach der man sich als WWE-Fan so einige Male sehnt? Die subjektive Antwort auf diese Fragen findet ihr in den folgenden Zeilen.
Dabei findet ihr die Gedanken zu jedem Match wie gewohnt in vier Abschnitte gegliedert vor: Zunächst gehe ich auf den Aufbau des Matches vor dem PPV ein. Dann folgt eine Analyse des Matches selbst. Nach einem Ausblick, wie es mit den Kontrahenten weitergehen könnte, folgt noch eine abschließende Punktebewertung des Matches. Diese reicht von 10 (ganze 50 Sekunden dem Schmerz wiederstehen) bis 1 (nur 6 Sekunden vor Schluss dann doch noch abklopfen). Aber nun genug der Einführung, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Die Idee mit den rotblauen Ringseilen hat mir als kleines Gimmick richtig gut gefallen, ebenso wie die großen Hallenscheinwerfer in diesen Farben. Den Ausfall von JR dadurch zu kompensieren, dass man ein Kommentatoren-Trio verwendet, stellte sich im Laufe des Abends ebenfalls als klasse Wahl dar. Der Bragging-Rights-Pokal war allerdings mehr oder weniger ein Witz, auch wenn man so immerhin etwas hatte, das die Sieger nachher auch als solche sichtbar macht.

Champion vs. Champion Match
RAW vs. SmackDown
The Miz vs. John Morrison


Der Aufbau: Es ist eines dieser Matches, auf die fast alle lange gewartet haben. Das beste WWE-Tag-Team der letzten Jahre kämpft endlich gegeneinander und das auch noch als jeweilige Midcard-Champions ihrer Show. Bragging Rights hat also doch zumindest eine gute Sache an sich. So richtig sinnvoll wurde dieses Match dadurch, dass Miz bei der ersten RAW-Ausgabe nach der verpassten Chance bei Hell in a Cell US Champion wurde, indem er Kofi Kingston endlich entthronte. Eine Woche später wurde schließlich Champion vs. Champion angesetzt und die gegenseitigen Beleidigungen begannen. Ein ganz großes Highlight war dabei die Wiederbelebung des Dirt Sheets mit einer Live-Show bei SmackDown. Die Harmonie zwischen Morrison und Miz stimmt am Mic einfach und so flogen die verbalen Bälle hin und her. Eine Herausforderung von Morrison zu einem sofortigen Match nahm Miz allerdings nicht an. Dennoch ein klasse Segment, in dessen Verlauf sich die ehemaligen Partner mit den Rockers verglichen. Jeder war jeweils der Meinung selbst Shawn Michaels zu sein (der es nach der Trennung der Rockers nach ganz oben geschafft hat), während der andere als zukünftiger Marty Jannetty (der als Singles Wrestler nie den Durchbruch geschafft hat) bezeichnet wurde. Dass Jannetty beim folgenden RAW tatsächlich auftrat und Miz ihn in einem Match besiegen durfte, war ein netter Einfall der WWE-Booker. Sowohl Miz als auch Morrison durften dann noch einmal von der eigenen Show aus kurz gegen den anderen shooten und schon stand der PPV an. Es ist natürlich schade, dass diese potentiell geniale Fehde einen derart kurzen Aufbau hatte, aber es ist schön, dass dem Match in dieser knapp bemessenen Zeit noch eine zusätzliche Bedeutung verliehen wurde, indem es unter dem Banner Champion vs. Champion und SmackDown vs. RAW stattfindet. Vor allem mit dem Dirt Sheet und dem Auftritt von Marty Jannetty hat man letztlich gute Arbeit beim Hypen des Matches gemacht.

Das Match: Der verhaltene Beginn war durchaus richtig so, da beide sich so gut kennen, was es ihnen anfangs schwer machte, die Oberhand zu gewinnen. Aus diesem Grund ist auch die Phase mit den vielen Kontern passend auf die Charaktere zugeschnitten. Dass beide Teams in ihrem jeweiligen Locker Room das Match begutachten, hielt ich eher für einen armen Versuch, dem ganzen Brimborium noch mehr Bedeutung zu verleihen. Da sollte sich WWE lieber im Vorfeld drauf konzentrieren und jetzt auch im Nachgang des PPVs, indem sie das Ergebnis von Bragging Rights nicht nach zwei Wochen wieder komplett ignorieren, sondern auch öfter mal Andeutungen in den Shows dahingehend fallen lassen. Miz – der mit einem beschrifteten Mundschutz anscheinend einen auf Kurt Angle für Arme machte – und Morrison zeigten in diesem Match, dass sie nicht nur gemeinsam, sondern auch gegeneinander eine fantastische Chemie miteinander verbindet. Das Publikum honorierte das mit lauten Reaktionen und sogar leisen „This is awesome“-Chants. Zu dieser Bezeichnung fehlte mir jedoch vor allem die ganz große Dramatik ausgelöst durch Nearfalls. Leider hatte das Match dafür wohl doch zu wenig Zeit bekommen. Was aber in den vorhandenen Minuten geboten wurde, war sauber ausgeführt und fun to watch. Das überraschende Ende nach einem missglückten Starship Pain, hielt ich auch für die beste Wahl, angesichts dessen, was die beiden in den Anfangsminuten des Matches zeigten. Sie kennen sich eben in- und auswendig und deshalb ist es nicht ein Finisher, der die Sache klar und deutlich beendet, sondern eine fehlgeschlagene, altbekannte Aktion des anderen, die für einen fairen, aber nicht so deutlichen Pin sorgt

Wie geht es weiter? Ich glaube, dass dieses Match eine einmalige Sache bleibt, zumindest solange, bis beide wieder in einer Show sind und das kann dauern. Auf eine längere Fehde muss man meiner Ansicht also noch ein Weilchen warten, denn ich glaube nicht, dass der SmackDown-vs.-RAW-Angle noch besonders lange weitergeht. Eventuell könnten beide noch bei der Survivor Series in gegnerischen gemischten Teams stehen. Miz und Morrison müssen sich künftig wohl trotzdem mit Herausforderern bei der jeweils eigenen Show herumschlagen. Das dürften die üblichen Verdächtigen aus der Midcard sein, die einem in diesem Zusammenhang immer einfallen. Miz ist Heel, also kommen als Face-Gegner am ehesten Kofi Kingston oder der bisher bei RAW sträflich schlecht eingesetzte Evan Bourne in Frage. Wunderbare Mic-Duelle würde wie schon einmal in einer vorigen Kolumne erwähnt Miz vs. MVP bringen, während Mark Henry als Herausforderer das typische David-gegen-Goliath-Szenario mit sich bringen würde. Aber wie wir RAW kennen, werden die bestimmt wieder alle gleichzeitig Herausforderer sein und in irgendwelchen Multi-Person-Matches um das Gold antreten. Auf der anderen Seite haben wir mit John Morrison einen Face als Champion, also betrachte ich mal vorwiegend mögliche Heel-Gegner. Ein vielversprechender Kandidat wäre Kane. Auch der bei seinen Titelchancen immer unglücklich aussehende Dolph Ziggler könnte sich weitere Titleshots verdienen. Schließlich bleiben noch die beiden Neulinge Eric Escobar und vor allem Drew McIntyre, von dem man immer wieder liest, dass er gepusht werden soll – auch wenn ich bisher noch nicht erkennen konnte, warum das der Fall ist.

Fazit: 8,5/10

Beim anschließenden Techtelmechtel zwischen Cody Rhodes und R-Truth gefiel mir, dass man den im Vorfeld zum PPV häufig geäußerten Vorwurf aufgriff, dass beim 7 on 7 Match SmackDown im Vergleich zu RAW minderwertig besetzt ist. In letzter Zeit greift WWE häufiger Dinge auf, die so im Internet kursieren. Dass gerade diese beiden sich verbal angreifen, überraschte doch, war aber eine gute Wahl, denn sie machten ihre Sache insgesamt gut. Ebenso wie Big Show, der schließlich zum Einschüchtern hinzu kam, was Cody Rhodes zu einem herrlichen „Tja, jetzt hälst du wohl die Klappe“-Blick in Richtung Truth nutzte.

Six Diva Tag Team Match
SmackDown vs. RAW
Michelle McCool & Beth Phoenix & Natalya vs. Melina & Kelly Kelly & Gail Kim


Der Aufbau: Besonders viel wurde nicht getan, um dieses Match nach etwas Wichtigem aussehen zu lassen. Es ist halt SmackDown vs. RAW angesagt und da dürfen die Diven eben nicht fehlen. Aber kreative Energie verschwenden? Niemals! Erwähnenswert im Hinblick auf das Match ist sicherlich der Diven-Trade im Vorfeld, der dafür gesorgt hat, dass Beth Phoenix jetzt bei SmackDown ist und Melina für RAW antritt, nachdem sie gleich bei ihrem Comeback Divas Championesse wurde. Nachdem sich Beth darüber ziemlich aufgeregt hatte, ist es jetzt natürlich Quatsch, dass sie sich groß für SmackDown einsetzen wird. Aber was interessiert uns in der einen Woche schon, was in der Woche davor gesagt wurde? Chris Jericho, der Captain der Männer-Mannschaft, wollte wissen, ob er sich auf Michelle McCool – als Championesse weibliche Anführerin von SmackDown, ebenso wie im Fall von Melina bei RAW – verlassen könne, was diese natürlich bejahte. Mickie James wollte sie nicht in ihrem Team haben, stattdessen nahm sie Beth Phoenix in ihr Trio auf, die allerdings bereits mehrfach Ansprüche auf den Titel von McCool angemeldet hat. Streit vorprogrammiert?! Auch Natalya wurde auserkoren mitzumischen, denn die ist laut Michelle sowieso talentierter als Mickie James. Weitere Erwähnung fand das Diven-SmackDown-vs.-RAW-Match in den TV-Shows dann nicht mehr. Zwei Mitglieder von Team RAW (Kelly Kelly und Gail Kim) traten bei Superstars zur Vorbereitung sogar gegeneinander an. So wichtig ist dieses Match also.

Das Match: Ich fand es vor allem schön, endlich mal Gail Kim bei einem WWE-PPV sehen zu dürfen und in den Anfangsminuten zeigte sie mehrfach, dass sie zu den Top 3 bei den WWE-Diven gehört und öfter bei Großveranstaltungen auftreten sollte. Natalya zeigte bei ihren kurzen Einsatzzeiten ebenso, dass sie bisher sträflich falsch eingesetzt wurde. Das Maß aller Dinge war aber wie immer Beth Phoenix, weshalb ich es gelungen fand, dass sie den Sieg für SmackDown einfahren durfte. Dieser Sieg war natürlich seit dem Sieg von Miz im Opener direkt zuvor klar, denn bei Best of Three muss es ja vor dem letzten SmackDown vs. RAW Match unbedingt 1:1 stehen, damit dort die Spannung hoch bleibt. Daher war ich auch froh, dass das Diven Match das zweite des Abends war und nicht etwas Miz vs. Morrison oder gar das 14 Men Tag Team Match. Melina sollte ihr Gekreische einfach sein lassen, denn das ist mindestens genau so ätzend wie Jerry Lawler bei solchen Matches, der selbst wenn gutes Damen Wrestling geboten wird, nur notgeil die Optik kommentiert, was die Matches etwas abwertet. Das Match selbst war nämlich erstaunlich ansehnlich. Selbst Kelly Kelly konnte es nicht herunter ziehen, da sie Glück hatte, dass ihre Gegnerinnen (vor allem Beth und Natalya) so gut Aktionen verkaufen können. Sowieso hat Kelly sehr viele Work Moves im Programm, deren Ausführung eigentlich voll vom Gegner übernommen wird. Zu guter letzt fand ich auch passend gebookt, dass die Animositäten zwischen Beth und Michelle über das gesamte Match hin ab und zu eingebaut wurden, der Streit aber nicht komplett ausbrach, weil beide sich in den Dienst des Teams stellten. Das Finish, das wie erwartet von dem typischen Chaos eingeleitet wurde, war von Melina leider ein bisschen versaut, da diese den Sturz auf den Turnbuckle vor dem Glam Slam die Ringecke deutlich sichtbar verfehlte.

Wie geht es weiter? Der oben schon angesprochene Draft bringt ein bisschen Bewegung in die hügelige Diven-Landschaft und das gefällt mir, da neue Auseinandersetzungen – ohne richtige Storyline natürlich – möglich werden. Schauen wir doch mal etwas ausgiebiger hin. Bei SmackDown deutet sich bereits eine Dreierfehde zwischen Michelle McCool, Mickie James und Beth Phoenix an. Das kann wrestlerisch theoretisch gar nicht so schlecht sein. Und mit Natalya ist da noch eine Könnerin in der Hinterhand, die unverbrauchte, interessante Matches garantieren würde. Maria bleibt das hübsche Dummchen und Layla ist dafür da, sich hinzulegen und bis Drei unten zu bleiben. RAW ist schon etwas dünner besetzt, was hochwertige Konfrontationen betrifft. Melina vs. Gail Kim würde sicherlich viel Spaß machen und dürfte vom In-Ring-Geschehen her die bestmögliche Fehde bei der Montagsshow sein. Alicia Fox hat gezeigt, dass sie im Ring zumindest Potential hat und Eve scheint auch hart daran zu arbeiten, sich zu verbessern. Wenn Maryse wieder da ist, dürfte eine kleine Fehde mit Melina oder Gail ebenfalls sehr interessant werden. Kelly Kelly wird weiterhin hauptsächlich als Eye Candy dienen, ebenso wie die Bella Twins, während Jillian Hall nach ihrem kurzen Intermezzo als Championesse wieder zur Comedy-Nummer abdriften dürfte und Rosa Mendes die Jobberin vom Dienst bleibt.

Fazit: 5/10

Es folgte ein hervorragendes Segment mit Team RAW. Zunächst gefiel mir, dass Jack Swagger so respektlos gezeigt wurde, aber am Ende doch einlenkte, nachdem ihm von Shawn Michaels und Triple H über den Mund gefahren wurde. Stellt ihn gut als heißblütigen Jungspund dar. Ebenfalls witzig war die Anspielung auf die beknackte Storyline um die Liebelei zwischen Mark Henry und Mae Young. Das Highlight war aber definitiv, wie Hunter darauf ansprach, dass Kofi Kingston viele Monate lang als Jamaikaner angekündigt wurde, obwohl er aus Afrika kommt, was mittlerweile auch so gesagt wird. Wieder so eine Sache, die vor allem im Internet breit getreten und jetzt in die Shows übernommen wurde. Der Auftritt von Hornswoggle war ebenfalls nicht störend, als Hunter meinte, wenn Swagger gehen wolle, könnten sie ja den Nächstbesten als Ersatz hernehmen. Der Blick von HHH als der nervige Zwerg auftauchte, war Gold wert. Gestört hat mich lediglich, dass der Hass zwischen DX und Cody Rhodes bzw. Big Show so runtergespielt wurde, denn das wirkte unglaubwürdig. Rhodes wurde bisher als jemand dargestellt, der eigensinnig und respektlos gegenüber Veteranen ist und es ist gerade einmal drei Wochen her, dass DX seine Rübe mit Sledgehammer und Sweet Chin Music plättete. Und da lenkt er bei Bragging Rights auf einmal ganz ohne Mucken ein?!

Auch der Survivor-Series-Clip mit dem typischen DX-Humor hat mich gut unterhalten.

World Heavyweight Championship
Fatal Four Way Match
Undertaker (c) vs. Batista vs. Rey Mysterio vs. CM Punk


Der Aufbau: Bei Breaking Point wurde der Undertaker noch betrogen und um den World Heavyweight Title gebracht, bei Hell in a Cell konnte er sich diesen dann doch sichern. Wohlgemerkt in einem der schlechtesten HiaC Matches überhaupt. Die Gerüchte, wonach CM Punk im Doghouse sitzt, weil er den Titel so abrupt wieder abgeben musste, stellten sich als unwahr raus, denn es war von Anfang an geplant, dem Deadman das Gold zu geben. Das zeigte sich auch daran, dass Punk beim ersten SmackDown nach dem vergangenen PPV per Countout gegen Batista siegen durfte. Bei dieser Ausgabe legte Vince McMahon dann das Fatal Four Way Match fest, schob es aber Teddy Long in die Schuhe, denn schließlich sind drei Gegner unfair für den Champion. Wieder so eine kleine Andeutung für eine baldige Fehde zwischen Vince und dem Phenom from Death Valley. Auch CM Punk fand das unfair, denn ihm stand ja noch sein Einzel-Rematch zu. Dieses bekam er noch kurz vor dem PPV und zwar zu seinen Bedingungen, die Mr. McMahon ebenfalls gut gefielen. Das Szenario war angelegt wie bei Breaking Point, mit Scott Armstrong als Referee in einem Submission Match und Teddy Long ringside. Der Undertaker machte dem aber einen Strich durch die Rechnung, indem er Armstrong mit dem Chokeslam aus dem Spiel nahm. So musste Teddy Long einen neuen Referee herbei rufen – er selbst konnte das Match nämlich nicht abläuten lassen, warum auch immer, WWE legt es sich halt so zurecht, wie sie es brauchen – und Mike Chioda kam pünktlich zum Konter des Undertaker, der einen Anaconda Vise ins Hell’s Gate umwandelte. Punk klopfte ab und der Titel blieb beim Undertaker. Die Promos des Deadman, in denen er wieder einmal ein bisschen Seelen-Gefasel ablieferte, sind eigentlich nicht der Rede wert. Aber auch Batista und Rey Mysterio nehmen ja an diesem Match Teil. Zwischen diesen beiden entwickelte sich eine sehr romantische Männerfreundschaft, bei der immer wieder betont wurde, wie sehr sie sich doch mögen. Gegeneinander ran mussten sie aber auch und da gewann Rey Mysterio. Allerdings war das Finish etwas unklar, denn die Schulter von Batista war nicht wirklich auf der Matte, als der Referee die Hand zum dritten Mal auf die Matte knallen ließ. Aber weil die beiden sich so mögen, steckte Batista das weg wie ein Mann. Anschließend half er seinem kleinen Kumpel auch noch, als CM Punk diesen mit dem Go to Sleep attackierte. So richtig hat mich der Aufbau hier nicht überzeugt, denn dafür war die Zeit bis zum nächsten PPV sowieso zu kurz, damit sich die Beteiligten schon im Vorfeld ausführlich bekriegen konnten. Ein weiteres der immer wieder auftauchenden Probleme bei WWE. Zumindest konnte man aber gute Action im Ring erwarten, die auch etwas länger gehen sollte als die letzten SmackDown-Main-Events, weil sich der Undertaker mit drei statt einem Gegner ein paar Ruhephasen mehr gönnen konnte.

Das Match: Erstaunlicherweise hatte das Publikum in Pittsburgh viele Buh-Rufe für Rey Mysterio und Batista bei deren Vorstellung parat. Dass Punk ausgebuht wurde, lag natürlich in der Natur der Sache als Heel, während der Undertaker der einzige unumschränkte Publikumsliebling war. Das ganze Match hielt sich eigentlich ein ziemlich hohes Tempo, was bei der Matchzeit von wieder einmal nur 10 Minuten und vier Teilnehmern allerdings kaum verwundert. Langsam aber sicher wird es allerdings ärgerlich, dass der Main Event von SmackDown immer so kurz sein muss. Für einen Schmunzler sorgte bei mir der Undertaker als er der Wirbelei von Mysterio einfach mit einem trockenen Boot ein Ende setzte. Blöd ist, dass Old School in letzter Zeit stets viel zu früh im Match kommt, wenn der Gegner eigentlich noch so fit sein müsste, einfach am Arm vom Deadman zu ziehen. Ein kleiner feiner Running Gag war, dass CM Punk immer wieder Rey einfach respektlos aus dem Ring warf und ihn somit entsorgte. Allerdings hatte der Undertaker verhältnismäßig viel zu tun, obwohl er sich hier doch einige Pausen hätte gönnen können. Vor allem die Konfrontation mit Batista stand einige Male im Mittelpunkt. Mir ist aufgefallen, dass man hier sehr oft die Ansagen der Wrestler untereinander hören konnte. Die Mikros am Ring waren wohl etwas zu stark aufgedreht. Hinsichtlich der Matchzeit kam es im Nachhinein gesehen auch nicht unerwartet, dass nach fünf Minuten bereits ein Finisher nach dem anderen ausgepackt wurde. Die Dramaturgie passte mit vielen Nearfalls und unterbrochenen Covern sowie Abstauberversuchen. Vor allem CM Punk etabliert sich als neuer Opportunist vom Dienst z.B. als er nach der Double Clothesline erst Batista und dann den Undertaker pinnen wollte, beide sich aber befreiten. Das Finish mit dem Tombstone, nachdem The Animal die anderen beiden erledigt hatte, wusste auch zu gefallen. Die kurze Dauer verhindert aber eine richtig gute Bewertung.

Direkt nach dem Match: Schon als Josh Mathews den Ring betrat war klar, was passieren würde, denn mal ehrlich: seit wann gibt es Interviews im Ring direkt nach dem Match?! Anfangs wirkte das Ganze wie purer Slapstick als beide affig durch das Seilgeviert wankten und Rey nichts anderes einfiel als immer wieder zu sagen „We both worked hard, we were close.“ Als Batista dann dran war, konnte er mich erstmals seit langer Zeit am Mic voll überzeugen. Es war schon gut gespielt, wie sich langsam sein Hass anstaute und er immer näher ans Durchdrehen kam. Besonders stark empfand ich die Szene als er meinte: „Rey, I’m gonna rip your Head off, I’m not playing.“ Mysterio wollte das wohl nicht glauben und so blieb er einfach stehen, als er mit einer urgewaltigen Clothesline umgehauen wurde. Erstaunlicherweise bekam Batista hier fast schon mehr Jubel als während dem gesamten Match. Sein Grund für die Aktionen, dass er sich hintergangen fühlt und dass er es leid ist, immer nur nah dran zu sein, erscheint mir auch plausibel, auch wenn er natürlich wissen musste, dass so was bei einem Fatal Four Way, bei dem jeder für sich kämpft, passieren könnte. Anhand der seit Ewigkeiten nicht mehr bei The Animal gesehenen Intensität glaube ich, dass der Turn eine gute Entscheidung war. Vor allem sein Wurf gegen die Barrikade war richtig heftig, nachdem es erst so aussah, als könnte Mysterio ihn beruhigen. Insgesamt ein von beiden hervorragend durchgeführtes Segment.

Wie geht es weiter? Was heißt es, wenn Rey Mysterio und Batista immer wieder betonen, dass sie sich sooooo gern haben? Richtig, bald bekämpfen sie sich in einer persönlich werdenden Fehde bis aufs Blut. Obwohl mir das von der dritten Freundschaftsbekundung in Folge an klar war, überraschte mich, dass der Turn von Batista so schnell durchgeführt wurde. Uns erwartet also vermutlich eine etwas längere Fehde zwischen ihm und Rey. Am wahrscheinlichsten erscheint natürlich, dass diese Rivalität nach der brutalen Attacke sofort beginnt. Da die Survivor Series ansteht, wäre es möglich, dass beide ein Team auswählen dürfen, mit dem sie gegen den anderen antreten, was dann der Elimination Match Main Event von SmackDown sein dürfte. Als Szenario könnte ich mir ebenso vorstellen, dass sich Batista in den kommenden Wochen beruhigt und dann bei der Survivor Series durch Reys Schuld irgendwie verliert und ein weiteres Mal – dann aber endgültig – durchdreht. Szenario 1 klingt momentan aber wahrscheinlicher für mich. Bleiben noch CM Punk und der Undertaker übrig. Aktuell sehe ich im Kader von SmackDown keinen anderen Gegner für den Champion als sein in letzter Zeit dauerhafter Rivale. Batista wäre eine Alternative, wenn er mit Rey fertig ist, Chris Jericho käme auch in Frage, aber sein Tag Team mit Big Show dürfte noch eine Weile Bestand haben und Kane ist immer für eine Bruderfehde gut und wäre auch eine gute Wahl als Vertreter von Mr. McMahon. Dessen Fehde mit dem Undertaker wird demnächst wohl auch auf die nächste Stufe gehoben werden und der Undertaker wird vermutlich schon bald Vince als den wahren Gegner erkennen. Bis dahin könnte CM Punk aber noch eine weitere Titelchance erhalten.

Fazit: 7/10

Eine Grafik lieferte anschließend einige interessante Zahlen ab. So groß scheint der Unterschied zwischen RAW und SmackDown gar nicht zu sein, denn die sieben Mitglieder des roten Teams haben zusammen 59 Championships gesammelt, während es beim blauen Team nur einer weniger ist. Nimmt man aber mal nur die World Title, ist RAW letztlich doch weiter vorne, aber WWE weiß eben, wie man Zahlen gut drehen kann. Zeigt sich immer wieder bei ihren Geschäftsberichten.

Die Leute, die sich im anschließenden Umfrage-Clip für das Schreiduell RAW vs. SmackDown hergegeben haben, waren wohl froh, auch mal im Fernsehen zu sein. Oder sie bekamen für diese peinliche Aktion ein Gratis-Getränk, damit sie sich zum Affen machen. Angenehm war allerdings, dass bei den vorausgehenden Statements auch Leute befragt wurde, die Sympathien für Heels wie Chris Jericho und Big Show hatten.

Ich denke, vor dem großen 14 Men Tag Team Match hätten ruhig alle Mitglieder einen eigenen Auftritt bekommen dürfen und nicht nur die Team Captains. Oder wenn schon alle zusammen zum Ring kommen – was an sich schön den Zusammenhalt symbolisiert – dann hätten die Captains auch keinen Extra-Entrance bekommen sollen. Eine interessante kleine Beobachtung: Alle trugen T-Shirts von SmackDown oder RAW. Nur DX nicht, denn die hatten das eigene Merchandise-Zeug an. Könnte man mal wieder gut als Zeichen für die übergroßen Egos der beiden deuten. Letztlich gab es noch eine ganz starke Kameraeinstellung als auf den Pokal gezoomt wurde, in dem sich alle 14 Kontrahenten spiegelten. Wow, wer sich das ausgedacht hat, wird in Hollywood bestimmt bald groß Karriere machen.

RAW vs. SmackDown
Bragging Rights 7 on 7 Tag Team Match
Triple H & Shawn Michaels & Cody Rhodes & Kofi Kingston & Jack Swagger & Big Show & Mark Henry vs. Chris Jericho & Kane & Matt Hardy & Finlay & R-Truth & David Hart Smith & Tyson Kidd


Der Aufbau: Wie in der Einleitung schon ausführlicher erklärt, war man sich bei WWE wohl lange selbst nicht im Klaren, wie das SmackDown-vs.-RAW-Konzept aussehen soll. Herausgekommen ist schließlich eine der langweiligsten Alternativen überhaupt: ein Tag Team Match mit 14 Teilnehmern, die sich im Vorfeld schon qualifizieren mussten. Bei RAW benannte man DX zu Co Captains, die anderen fünf Teilnehmer mussten sich in Matches durchsetzen. Cody Rhodes gewann hierbei ein Triple Threat gegen Ted DiBiase und John Cena, Kofi Kingston besiegte Evan Bourne, Jack Swagger konnte MVP pinnen und Mark Henry siegte bei Superstars gegen Chris Masters. Eine kleine Geschichte stand hinter der Teilnahme von Big Show. Chris Jericho – der Captain von SmackDown – dachte, dass sein Tag-Team-Partner, der eigentlich ein Teil von RAW ist, ihm zur Seite steht. Shawn Michaels und Triple H schafften es aber geschickt durch Manipulation, dass Show lieber bei RAW kämpfen wollte. Um der Zwietracht bei den Unified Tag Team Champions die Krone aufzusetzen musste sich Show gegen den schockierten Jericho qualifizieren. Er gewann durch Countout, wobei beide sich nur leicht attackierten, obwohl Jericho verhindern wollte, dass der Hüne für RAW antreten darf. Bei SmackDown ernannte sich Kane kurzerhand selbst zum Co Captain und weil er natürlich Angst vor dem Monster hatte, behauptete Jericho, dass habe er auch vorgehabt. Die restlichen Mitglieder wurden Dolph Ziggler (nach Sieg im Triple Threat gegen Finlay und Mike Knox), Eric Escobar (durch unfairen Pin gegen Matt Hardy), Drew McIntyre (weil er gegen R-Truth gewann) und Cryme Tyme (per Sieg über die Dauer-Rivalen der Hart Dynasty). Natürlich machte sich DX am folgenden Montag über diese Besetzung der SmackDown Seven lustig, wobei sie natürlich recht hatten, da Team RAW wesentlich stärker aufgestellt war. Nacheinander kamen alle Mannschafts-Mitglieder in den Ring und versuchten ihr Terrain zu markieren. Natürlich entbrannte ein Streit, den schließlich Kofi Kingston schlichten wollte, indem er sagte, dass sie nur durch Zusammenhalt gewinnen könnten. Damit brachte er die Captains auf die Idee eines Übungs-Matches. Sollte einer von Team RAW gepinnt werden, würde er seinen Platz bei Bragging Rights verlieren. Dank den Cross Rhodes und dem abgestaubten Pin von Jack Swagger blieb es aber beim ursprünglichen Team. Dieses lieferte sich abschließend noch einen dicken Brawl mit den SmackDown Superstars, nachdem ein geplantes Match Captain vs. Captain, Chris Jericho vs. Shawn Michaels, gar nicht erst angeläutet wurde. Bei SmackDown konnte man dann durchaus ein Deja Vu haben, denn das Szenario vom Montag wiederholte sich teilweise. Auch die Auserwählten der Freitags-Show verfielen in einen Streit und auch hier setzte der Captain ein Aufwärm-Match an. Allerdings standen dabei alle Plätze im Team zur Disposition. Gegner der Bragging-Rights-Mannschaft waren die Unterlegenen der Quali-Matches. Überraschenderweise verlor JTG das Match für sein Team und damit wurden zwei Tage vor dem PPV noch fünf Siebtel der Teilnehmer ausgetauscht. Matt Hardy, Finlay, Tyson Kidd, David Hart Smith und R-Truth ersetzen Drew McIntyre, Eric Escobar, JTG, Shad Gaspard und Dolph Ziggler. Sehr schön gebookt, denn damit hatte sicherlich niemand gerechnet und die neuen SmackDown-Vertreter sind im Gesamtpaket durchaus prominenter. Ich denke, die Entscheidung war dahingehend gut, dass dieses Match nun ein paar mehr Reaktionen beim Publikum ziehen wird. Den Vorwurf, dass damit ja die Loser der Qualifikations-Matches SmackDown repräsentieren, würde ich genau andersherum deuten. Es geht hier schließlich um Teamarbeit und die fünf neuen sind darin eben besser als die fünf alten, die nur als Einzelkämpfer triumphierten. Trotz des großen Tauschs ist RAW aber immer noch besser besetzt und das Match wirkt unausgewogen. Außerdem stört, dass es nicht wirklich um etwas geht. Klar, man will uns weismachen, dass die Ehre auf dem Spiel steht, aber mal ehrlich: zwei Wochen nach dem PPV redet keine Sau mehr davon. Auch der zweiwöchige Aufbau war zu kurz und konnte keine Spannung erzeugen geschweige denn eine packende Storyline zwischen den beiden Shows etablieren.

Das Match: Schön, dass Cody Rhodes und R-Truth ihren Worten von vorhin auch gleich Taten folgen ließen und das Match gegeneinander einläuteten. Genauso wurde das Vorpreschen von R-Truth hier durch Big Shows Auftauchen unterbrochen, aber dieses Mal konnte Truth ja mit Kane wechseln und es kam zum unvermeidlichen Hünen-Duell. Jack Swagger zeigte anschließend, dass er in Sachen In-Ring-Psychologie in seiner Zeit bei WWE ständig dazu gelernt hat. Mittlerweile reiht er nämlich nicht mehr nur Move an Move und ist daher beim Publikum auch schon mehr over gekommen. Der Spruch des Abends kam von Michael Cole: „The World’s strongest Man ist nicht nur ein Spitzname, nein, denn Mark Henry ist wirklich der stärkste Mann der Welt.“ Den muss er sich vermutlich von Schäfer/Zapf abgeschaut haben. HBK war mal wieder derjenige, der den Großteil der Aktionen des Gegners einstecken musste, aber sellen kann er ja wirklich gut. Die Hart Dynasty wirkte auf mich in diesem Match sehr motiviert und freute sich anscheinend über die Chance, sich endlich einmal auf einer großen Bühne bewehren zu können. Ehrlicherweise überrascht mich der Sieg von Team SmackDown am Ende doch, auch wenn viele Fans den Verrat von Big Show schon vorhergesehen haben. Ich hab es dann auch realisiert, als Big Show mit Kofi Kingston eine Double-Team-Aktion zeigen wollte, denn das war schon arg offensichtlich. Chris Jericho punktete bei mir mal wieder durch seine grandiose Mimik z.B. als er überheblich auf den angeschlagenen Shawn Michaels blickte und vor allem als er liebevoll den Siegerpokal herzte. Das Match selbst war feine Unterhaltung mit vielen schönen Aktionen und einer dicken Portion Spannung. Das große Chaos am Ende, wenn jeder seinen Finisher austeilt, scheint allerdings unvermeidbar zu sein, um zu erklären, warum keiner den finalen Pin unterbrechen kann. Damit muss man wohl leben.

Wie geht es weiter? Wie schon im Aufbau-Teil angedeutet, glaube ich, dass der große Show-Krieg damit beendet ist. Es könnte höchstens sein, dass es bei der Survivor Series noch ein Elimination Match SmackDown vs. RAW gibt, aber selbst das glaube ich nicht. Dementsprechend werden die Team-Mitglieder wieder ihre eigenen Süppchen kochen. DX wird vermutlich mit Jerishow fehden, denn das wurde ja bereits eingeleitet. Jack Swagger hat gerade so etwas wie den Ansatz einer Storyline, indem er angekündigt hat, bis Ende des Jahres nicht mehr zu verlieren. Aber wie die WWE so drauf ist, wird diese Storyline bestimmt bald sang- und klanglos mit einer Niederlage gegen den wahren Amerikaner Hacksaw Jim Duggan beendet. Mark Henry könnte ein Übergangsgegner für Main Eventer sein oder sich dem US Championship widmen. Cody Rhodes dürfte in die Fehde um die Auflösung der Legacy involviert werden und das Interessante wird sein, auf welcher Seite er steht. Schließlich bleibt bei RAW noch Kofi Kingston übrig, der weiterhin mit Akrobatik überzeugen darf, aber keinen eigenen Charakter bekommt. Oder obwohl: Vielleicht ja doch dadurch, dass Team RAW ihn für die Niederlage mitverantwortlich macht, weil er den pin eingesteckt hat. Die Midcard wird dennoch lange für ihn reserviert bleiben, vielleicht gibt es noch ein Rematch gegen The Miz um den US Title. Der reservierte Platz in der Midcard gilt im übertragenen Sinne auch für R-Truth und Finlay bei SmackDown. Matt Hardy würde ich zutrauen, sich demnächst in das Geschehen um den Intercontinental Title einzumischen, denn er wird ja mittlerweile wieder ein bisschen besser eingesetzt. Eric Escobar kann ich schwer einschätzen und bisher ist das einzig Reizvolle an ihm Vickie Guerrero als Heel-Managerin. Bei Drew McIntyre wird man sehen müssen, ob der prophezeite Push wirklich so eintritt. Wenn ja, könnte in einigen Monaten auch eine Intercontinental-Regentschaft für ihn drin sein.

Fazit: 7,5/10

Das Video zur mittlerweile schon fast zweijährigen Fehde zwischen John Cena und Randy Orton war einfach exzellent gemacht. Die Musikuntermalung passte und man suchte sich viele wichtige Szenen aus der Dauer-Rivalität heraus. Wenn das keine Lust auf den Main Event gemacht hat, dann weiß ich auch nicht.

Da ist auch schon die erste Beschuldigung in Richtung Kofi Kingston durch Cody Rhodes. Eigentlich bei genauerer Betrachtung doch unlogisch, aber schon OK. Vielleicht kann Kofi im möglichen Kampf gegen die Vorwürfe etwas an Profil gewinnen.

WWE Championship
60 Minute Iron Man Match
No Disqualification & No Countouts
Randy Orton (c) vs. John Cena


Der Aufbau: Nachdem Randy Orton ihn bei Hell in a Cell bewusstlos gewürgt und KO gekickt hatte und damit den WWE Title zurückholen konnte, dämmerte es John Cena: das ist DIE Rivalität schlechthin. Daher forderte er Orton zu einem allerletzten großen Kampf Mann gegen Mann heraus. Ein 60-minütiges Iron Man Match um Gold, Ruhm und Ehre. Randy gefiel die Idee, er setzte aber noch einen (oder zwei) drauf: das Match würde unter Anything-Goes-Regeln stattfinden und sollte Cena verlieren, müsste er RAW verlassen. Der Herausforderer stimmte zu. Eine Woche später hatte er aber anscheinend nichts besseres zu tun, als sich auch noch für Team RAW bei Bragging Rights zu qualifizieren. Hallo?! Da steht ein 60-Minuten-Match an und der will davor auch noch seine Show vertreten und versucht ernsthaft das Triple Threat Qualifying Match gegen Cody Rhodes und Ted DiBiase zu gewinnen?! Geht es noch unlogischer? Klar, wir sind bei WWE! Denn Randy Orton, der froh sein sollte, wenn Cena bereits vor ihrem Main Event geschwächt wird, versaut diesem die Chance und sorgt mit einer Ablenkung dafür, dass er die Qualifikation verliert. Dafür musste er dann auch noch gemeinsam mit Cena ran und zwar gegen seinen Buben von der Legacy, die sich zuvor auch gestritten hatten, weil Cody durch einen Einroller gegen Ted das Triple Threat gewonnen hatte. Orton wollte sich natürlich nicht einwechseln lassen, blieb aber brav in der Ecke stehen und spielte Hans guck in die Luft, damit Cena ihn auch ja überraschend einwechseln kann. Herr schmeiß Hirn ra, sagt man bei uns im Schwabenland. Dafür musste Orton büßen, denn er verlor schließlich (nachdem er sich warum auch immer später doch noch einmal selbst einwechselte), weil er sich mit seinem eigentlichen Partner anlegte und von DiBiase eingerollt wurde. Kurz vor Bragging Rights hatten John und Randy dann weniger miteinander zu tun. Orton bestrafte Ted, weil der ihn eingerollt hatte, und besiegte ihn in einem Match, bei der er DiBiase aufgetragen hatte sich nicht zu wehren. Cena durfte ein Abschieds-Match gegen Triple H bestreiten (falls er RAW wirklich verlassen muss) und verlor dieses. Die Luft war jetzt also endgültig raus aus dieser Fehde und so konnte man sich über die Ankündigung freuen, dass das Iron Man Match diese Rivalität beenden würde. Allerdings freute ich mich dennoch sehr auf diese 60 Minuten, denn WWE hatte es geschafft, beide Kontrahenten als mögliche Sieger darzustellen und der Ausgang war unklar wie selten zuvor.

Das Match: Die Gesichtsausdrücke der beiden vor dem Match brachten sehr glaubwürdig rüber, dass hier etwas Großes anstehen könnte. Auch die Kommentatoren erledigten in diesem Hinblick einen guten Job, vor alle Jerry Layler wusste tatsächlich mal mit fundierten Experten-Aussagen zu gefallen. Diese konnte er auch gut einbringen, denn verständlicherweise startete das Match langsam. Normalerweise meckere ich bei frühen Falls in solchen Fällen stets, aber das Abklopfen aus dem STF war eine taktisch gute Aktion von Randy Orton, um zu verhindern, dass der Move Schaden anrichtet. Das Cover nach dem überraschenden RKO kam mir dann aber doch zu schnell. In der ersten Hälfte des Matches war auch das Publikum voll dabei, auch wenn es schon hier den ein oder anderen langen Orton Headlock zu sehen gab, der für solche Matches natürlich prädestiniert ist. Bei einem Cover außerhalb des Rings stellte sich dann auch heraus, dass hier auch Falls-Count-Anywhere-Regeln zählen, was mir neu war. Cenas Platzwunde war meiner Ansicht nach kein Blade Job, sondern echt. Ausgelöst wurde sie durch den Mikrophon-Schlag und nicht durch eine Rasierklinge. Dafür spricht, dass man in der kompletten Zeit, in der Cena blutete, keine Nahaufnahme seines Gesichtes zu sehen bekam. Außerdem war die Platzwunde an einer unüblichen Stelle für Blade Jobs (diese werden normalerweise näher an der Stirn und nicht direkt auf dem Kopf angesetzt) und für so einen blieb sowieso keine Zeit. Die Tatsache, dass die Ringärzte den Cut schließlich klebten, deutet auch noch einmal in diese Richtung. Eines der Highlights des Matches war der RKO-Konter aus dem Attitude Adjustment, den man so auch noch nie gesehen hatte und den beide sehr sauber rüberbrachten. Dadurch stand es jetzt 2:2 und weitere Falls folgten schnell durch das Top Rope Attitude Adjustment und den Eingriff der Legacy, die allerdings von Kofi Kingston für den Rest des Abends mit einem Stuhl verjagt wurden. Irgendwie machte der Referee an diesem Abend auch keine besonders gute Figur, denn bei den Pins zum 2:2, 3:2 und 3:3 brauchte er immer viel zu lange, bis er mit dem Zählen anfing. Einmal vergaß er sogar die 30-Sekunden-Pause nach jedem Pinfall, als die beiden sich weiter attackierten. Erst eine offensichtliche Ansage über das Earpiece brachten ihn dazu, Champion und Herausforderer zu trennen. Es begann nun so ziemlich die langweilige Phase in der zweiten Hälfte des Matches und leider ging diese ziemlich lange. Unterbrochen wurde das minimalistische Geschehen zunächst von einem Wurf in die Leuchkulisse und dem 4:3 von Orton. Ich fragte mich an dieser Stelle, warum er angesichts seiner Führung nicht einfach backstage geht, in ein Auto steigt und in den Sonnenuntergang fährt. Die Szene mit der Pyro, die Orton unter Cena explodieren lassen wollte, war unfreiwillig komisch und dämlich. Erst brauchte Orton gefühlte Minuten bis er kapierte, wie man die Pyro aktivieren und was er damit anrichten kann. Und dann liegt John an der richtigen Stelle und Randy… drückt plötzlich auf einen ganz anderen Knopf als vorher. Natürlich explodiert nichts und Orton wird wütend, bis er durch zufälliges Hämmern den richtigen Knopf trifft, Cena aber schon weg gerobbt ist. Dümmer war eigentlich nur der schockierte und beschwichtigende Pyro-Techniker, der einfach den Stecker für das Schaltpult hätte ziehen können, um dann wegzurennen statt einfach nur auf Orton einzulabern. Zeit dazu hätte er gehabt. Orton dominierte hier lange Zeit ohne Gegenwehr wurde dann aber zum 4:4 eingerollt. Er schlug jedoch mit dem Hanging DDT vom Apron zurück und Cena lag wieder hinten. Jetzt dämmerte es auch Orton, dass man ja auf Zeit spielen kann und er suchte Distanz zu Cena. Statt aber ganz zu verschwinden wartete er immer, bis John ihn gestellt hatte. Diese Mischung aus Feigheit, Dummheit und Mut sorgt für weitere Abzüge. Für einen kleinen Lacher zwischendurch sorgte dann Cena, als er Orton mit einer Mülltonne in den Publikumsrängen schlug und anschließend brav den dabei heraus gefallenen Müll wieder rein warf. Ein Saubermann durch und durch dieser Kerl. Weitere Minuspunkte gibt die Vorgehensweise beider Superstars, nicht oft genug einen Pin zu versuchen. Orton dominiert mehrere Minuten und hält es nicht für nötig, mal eine entscheidende Aktion zu versuchen, die ihm weiteren Vorsprung einbringt. Und Cena wirft Randy brachial durch die Absperrung und tigert anschließend orientierungslos um den Ring. Das Attitude Adjustment durch den Pult, das zum 5:5 führte, hätte eigentlich auch locker das 6:5 sein können, wenn Cena hier logisch vorgegangen wäre und erst den Pin durchgeführt und dann die Konstruktion aufgebaut hätte. Das Publikum war hier nach einer Ruhephase wieder voll dabei. Pittsburgh ist vom Ostküsten-Publikum meistens eine positive Ausnahme. Michael Cole hatte an dieser Stelle noch einen weiteren Kracher parat. Cena baute einen Tisch auf und der Kommentator fragte sich: „Wann hat man Cena das letzte Mal überhaupt einen Tisch verwenden sehen?“ Ähm, ich würde sagen vor weniger als fünf Minuten. Ein Ref Bump durfte bei dem ganzen Spektakel auch nicht fehlen und erstaunlicherweise wirkte des sich mal negativ auf den Heel und nicht auf das Face aus, denn Orton hätte mit dem RKO wieder in Führung gehen können. Stattdessen kam ein zweiter Referee zu langsam und wurde deshalb von Orton in einem böse aussehenden Schubser ebenfalls aus dem Spiel genommen. Der Punt ging daneben und Cena gelang es den STF anzusetzen. Und dieses Finish mit dem finalen 6:5 sorgt bei mir für den dicksten Abzug. Mal ehrlich: Randy Orton hält es über 50 Sekunden in diesem Hold aus und da Publikum beginnt schon den Countdown runterzuzählen. Statt weitere sechs Sekunden den Schmerz zu bekämpfen, gibt Randy auf. Also ne! Dann hätte man es wenigstens so machen können, dass er das Bewusstsein verliert und der Referee den Fall nach einem dreifachen Armtest Cena gutschreibt. Aufgrund von vielen Dummheiten, unlogischen sowie dämlichen Szenen und ganz viel Leerlauf, bleibt mir das Match lediglich als gut, aber lange nicht als überragend in Erinnerung, wie WWE es uns bestimmt demnächst weismachen will.

Wie geht es weiter? Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. Mit diesem Spruch aus alten Kindergartentagen kann WWE zwar selten etwas anfangen, wenn es darum geht, das wirklich letzte Match zwischen zwei Kontrahenten anzukündigen, aber ich glaube, in diesem Fall wird es erst einmal die Wahrheit sein. Zumindest bis Ende des Jahres, wenn es im Main Event wieder keine anderen Alternativen gibt. Cena vs. Orton ist also erst einmal Geschichte und es bedarf neuer Gegner. Bei Randy Orton hat man das schon hervorragend eingeleitet und ich denke, demnächst dürfte der endgültige Bruch von Legacy, zumindest mit Ted DiBiase, folgen, auch wenn der hier noch einmal hilfreich für seinen Mentor eingegriffen hat. Bei der Survivor Series stehen sie wahrscheinlich alle drei noch auf einer Seite, evtl. gemeinsam mit Jerishow gegen DX, Mark Henry, MVP und Kofi Kingston. Danach werden die Andeutungen eines Splits aber spätestens Realität werden, da WWE wie man immer wieder hört Ted DiBiase als Face haben will, wenn dessen Film „The Marine 2“ erscheint. Bleibt die Frage, was man mit John Cena machen will. Hier kommt wieder der dünn besetzte Main Event ins Spiel. Triple H und Shawn Michaels fallen wohl aus, weil sie mit Chris Jericho und Big Show beschäftigt sind. Randy Orton darf nicht mehr, Batista ist mittlerweile bei SmackDown. Und was kommt dann?! Die realistischste Alternative scheint mir im Moment tatsächlich Jack Swagger als Übergangsgegner zu sein. Aber was, wenn der abgefrühstückt wurde? Dann bleiben wieder nur Triple H und Shawn Michaels übrig und diese Fehden kennen wir ja auch bereits. Es läuft wie immer auf das Gleiche raus: Bei RAW hat man es einfach verpasst, glaubwürdige Superstars in Main-Event-Nähe zu etablieren, die zumindest annähernd glaubwürdige Herausforderer auf den Champion sind. Ein nettes Szenario wäre, wenn Ted DiBiase irgendwie No.1 Contender wird und Randy Orton ihm die Chance auf den Titel bei der Survivor Series vesaut. Oder wenn DiBiase das Gold sogar gewinnt und dann von Randy aus der Legacy geworfen wird. Das wäre eine wunderbare Parallele zu Ortons Abgang aus der Evolution vor fünf Jahren. Allerdings ist es noch zu früh für DiBiase als WWE Champion, also wird zumindest der Titelgewinn sicherlich nicht eintreffen.

Fazit: 7,5/10

Die abschließende Frage lautet: Hat sich WWE mit diesem PPV selbst das Recht erarbeitet zu prahlen, wie der Name es in einem anderen Bezug verspricht? Hm, ja doch, war gar nicht so übel. Das Iron Man Match war wegen ganz viel Leerlauf nicht der erhoffte Klassiker, aber dennoch gut, spannend und intensiv. Das 14 Men Tag Team Match war dafür besser als erwartet und Miz und Morrison fehlte nur ein bisschen mehr Zeit für etwas ganz Großes. Die Divas überzeugten im Rahmen ihrer Möglichkeiten und der SmackDown-Main-Event enttäuschte weniger als bei den vergangenen zwei PPVs. Insgesamt komme ich so auf einen guten Punkteschnitt von 7,10.
Ich bedanke mich herzlich für eure Aufmerksamkeit, sowie die Geduld und Ausdauer, diese PPV- Bewertung bis ganz zum Schluss zu lesen. Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen genauso viel Spaß wie ich beim Schreiben. Über Lob, Kritik oder konstruktive Verbesserungsvorschläge an meine Email-Adresse michael.schwartz@bsww.de würde ich mich sehr freuen. Man sieht sich dann bei der Survivor Series.
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