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BSWW:de: Schwartz, ungesüßt... - WWE-Houseshow in Stuttgart
Hallo liebe Leser und ein herzliches Willkommen zu einer Sonderausgabe von Schwartz, ungesüßt... Heute beschäftige ich mich mit der unglaublich packenden, gigantomanischen Houseshow in Stuttgart. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass mich die Fans, denen diese Tourstation gefallen hat, am Ende der Lektüre nicht abgrundtief hassen werden. In diesem Sinne: Let’s go!
Quizfrage: Woraus bestehen 50% einer Houseshow? Aus lahmen Matches! Halt nein, das waren die anderen 50%. Ich meinte eigentlich das obligatorische Heel-Verhalten, aus dem Ring zu verschwinden, bevor die Action überhaupt begonnen hat. Und das nicht nur einmal, sondern mehrmals. So kann man seine Zeit natürlich auch absitzen, ohne sich anstrengen zu müssen. Oder der Grund ist, dass man nicht weiß, wie man sonst Heat ziehen soll, indem man während des Matches mit den Zuschauern interagiert. Ach doch, da gibt es ja noch eine Methode: „Uberaaaschong, ick sprecke dooitz. Aböör ick haaze Dooitzläänd.“
Weshalb ich mich über einen derart alten Hut im Wrestling-Geschäft überhaupt noch aufrege? Nunja, mir war so langweilig, dass mir nix Besseres einfiel, um meine Zeit totzuschlagen.
Kennt ihr das „You…ser“-Phänomen bei Houseshows in Deutschland? Nein? Vielleicht liegt das auch nur am Namen dieses Syndroms, den ich mal eben erfunden habe. Wenn ihr diese Naturgewalt einmal live erleben wollt, dann startet unbedingt einen „You suck“-Chant in einer deutschen Halle und wartet ab. Wie durch Zauberhand wird sich dieser in einen „Loser“-Sprechchor verwandeln. Nur wen soll man dafür beschuldigen? Vermutlich die Englischlehrer in den hiesigen Schulen.
Warum mich das so brennend interessiert? Die Show war eben richtig mies, dass ich mich mit anderen Dingen beschäftigen musste.
OK, liebe Englischlehrer, vielleicht tragt ihr auch nicht die alleinige Schuld, sondern das Alter der Fans in der Halle spielt eine gewisse Rolle. Eine Reihe hinter mir saß so ein süßer Zwerg, den ich – und das meine ich ausnahmsweise mal nicht ironisch – wirklich um seinen Enthusiasmus und seine Begeisterungsfähigkeit beneidete. Er wusste zwar nicht, was die anderen da alle brüllen, aber er kreischte es mit. So wurde aus „Pussy“ schon mal „Tussi“ und „Mr. Ziggles“ wurde zu „Mr.Ziggler“ gefolgt von einem schrillen „Booooh“. Sowieso verfolgte mich dieses „Booooh“ bis in den Schlaf und weil ich deshalb einige Male schweißgebadet aufwachte, wird das am meisten von dieser Houseshow in Erinnerung bleiben. Weitere Chant-Highlights des Kleinen waren „Mädchen“ in Richtung Drew McIntyre und „Super-Attacke“ vor Christians Killswitch.
Wieso ich darüber so einen großen Abschnitt schreibe? Tja, die Veranstaltung war eben so langweilig, dass mir sonst nix einfällt.
Notiz für mich: das nächste Mal unbedingt Stolperdraht mitbringen. Ein weiteres dieser Phänomene, die ich nur von deutschen Houseshows kenne: Kaum wird ein Pin angesetzt, rennen die kleinen Bälger auch schon von ihren Plätzen los, um sich vorne an der Absperrung den besten Platz zum Abklatschen zu sichern. Was wäre das doch lustig, wenn die plötzlich mal alle übereinander purzeln würden.
Weshalb ich so gehässig bin? Nun, die Show hat mich wohl nicht nur müde gemacht, sondern auch ein klitzekleines bisschen bösartig.
Wisst ihr, was richtig blöd ist? Wenn man viel zu viel Geld für eine Karte in der ersten Reihe aus dem Fenster wirft und dann Drew McIntyre anpöbeln will, indem man ihn mit Bierschaum bespritzt und den leeren Becher nach ihm wirft. Und tschüss, Trottel! So konnte die Security, die sich an diesem Abend unheimlich wichtig und cool vorkam, wenigstens einmal so richtig hart durchgreifen und den Kerl der Halle verweisen. Das Testosteron bei den Sicherheitsfuzzis konnte ich bis zu meinem Platz förmlich riechen. Vielleicht war das aber auch nur der Typ neben mir.
Wieso ich solche Episoden beobachten kann? Ganz einfach, weil mich der Rest nicht wirklich interessiert hat.
Mein persönliches Highlight der ersten 1 ½ Stunden war der Toilettengang in der Pause der Show. Nein, ich musste nicht erbrechen angesichts der dargebotenen Veranstaltung, sondern das Stuttgarter Hofbräu meldete sich mit Nachdruck zurück. Wieso putzt die Klofrau in der Porsche-Arena eigentlich immer dann die Waschbecken, wenn am meisten los ist und macht das nicht, während die Leute sich die Veranstaltung anschauen? Ich philosophierte so lange über diese weltbewegende Beobachtung, dass ich fast vergessen hätte, warum ich eigentlich in dieser Halle war. Ein „Booooh“-Flash brachte mich aber wieder zurück in die Realität.
Warum ich so einen sinnlosen Schmarrn verzapfe? Hm, vielleicht wollte ich mich einfach unbewusst vom Niveau her an die Stuttgarter Houseshow anpassen.
Besonders witzig fand ich ja, dass die Vorstellung des WWE-Magazins ziemlich stark ausgebuht wurde. Für einen kurzen Moment kam ich mir an diesem Abend vor wie im altehrwürdigen Madison Square Garden mit einem überwiegenden Smark-Publikum. Kurz darauf klingelte allerdings schon wieder ein schrilles „Booooh“, von links hinten in meinem Ohr und holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Trotz der Buh-Rufe gingen die Gratisexemplare, die am Ende der Show in der Halle auslagen, weg wie warme Semmeln. Klar, wir Schwaben stürzen uns dem Klischee nach schließlich gerne auf alles, was umsonst ist. Ein besonders eifriger Fan sammelte sogar gleich fünf bis sechs Heftchen ein. Entweder er wollte wieder etwas Geld für die verkorkste Veranstaltung reinholen, indem er die Dinger bei Ebay vercheckt – hey, der Marktwert für diese Machwerke liegt schließlich bei 5,50 Euro – oder er wollte gleich mehrfach nachlesen, wie Beth Phoenix einem Leserbrief schreibenden Fan, der (ich zitiere) „seit 25 Jahren Bürgermeister von Jungfrauendorf“ ist, den Rat gibt, es mit Singlebörsen im Internet zu versuchen. Wow, das nenne ich wahren Fachjournalismus in Sachen Wrestling.
Warum ich so ausführlich darüber lästere? Ich bin halt ein fieser, unsentimentaler Klotz. Booooh!
„Was ist das?“ – „Blaues Licht!“ – „Und was macht das?“ – „Es leuchtet blau!“ Wer kennt es nicht, dieses berühmt dämliche Filmzitat von Rambo?! Für Houseshows kann man das ein bisschen abwandeln: „Was ist das?“ – „Gelbes Schummerlicht!“ – „Und was macht das?“ – „Es sorgt dafür, dass deine Bilder total kacke werden!“ Eigentlich schade, dass WWE es den meisten Fans nicht einmal gönnt, ein paar Erinnerungsschnappschüsse zu schießen. Aber wohl aus gutem Grund: Ich zumindest möchte diese Veranstaltung so schnell wie möglich vergessen. Gut, dass keine Fotos mich daran hindern werden.
Wieso…. ? Woo woo woo, you know it! (also die Antwort auf die Frage)
Was macht eigentlich Tony Chimel, wenn er mal für seine „future endavours“ nur „all the best“ gewünscht bekommt? Mein Verdacht geht ganz stark dahin, dass er bei einem Verkaufssender für Schnellredner anfängt. Für was der an diesem Abend nicht alles Werbung machen musste (nur das Ausgebuhtwerden für das WWE-Magazin überließ er jemand anderem). Aber wahrscheinlich wollte WWE damit nur die Sehgewohnheiten des Universe befriedigen. Was wäre denn schon eine Tour ohne Tourwerbung?! Vermutlich genauso mies, wie eine zusammengeschnibbelte TV-Show, in der nicht mindestens 10mal mit der Lüge über angebliche Teilnehmer für die anstehende Tour geworben wird. Chris Jericho & Kane, anyone?!
An dieser Stelle dürfte sich vermutlich keiner mehr fragen, aus welchen Gründen ich solche Belanglosigkeiten breit trete.
Ich könnte mir eher vorstellen, dass viele Leser den Schwartz jetzt gerne fragen würden: „Junge, was erwartest du eigentlich?! Du besuchst eine Houseshow und keinen PPV!“ Ich verlange auch keine Überdinge, schließlich weiß ich ja bereits von mehreren Touren wie der Hase läuft, aber ein gewisses Maß an Motivation sollte doch schon drin sein, denn schließlich zahlen viele Fans Eintritt. Über den ganzen Abend verteilt wirkte es auf mich so, wie wenn Christian der einzige Wrestler gewesen wäre, der richtig Spaß an der Sache hatte. Dummerweise setzte er das in viel zu lange Yeah-Boo-Spielchen mit dem Publikum um, anstatt in ein ansehnliches Match. Dieses halbwegs akzeptable Match lieferten dafür Dolph Ziggler und John Morrison ab, allerdings ohne wirklich zu glänzen. Auch das Triple Threat mit Batista, Matt Hardy und Rey Mysterio war für eine Tour ganz OK. Über den Rest breite ich lieber den Mantel des Schweigens aus. Boooh!
Über Feeback zu diesem Verriss – wenn ihr möchtet, könnt ihr WWE und die Show gerne auch verteidigen – freue ich mich wie immer unter meiner Email-Adresse michael.schwartz@bsww.de
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