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BSWW.de: Schwartz, ungesüßt... - TLC: Tables, Ladders & Chairs 2009
Von Michael Schwartz
Montag, 14. Dezember 2009
Hallo liebe Leser und ein herzliches Willkommen zu Schwartz, ungesüßt... Puh, da haben wir ja noch einmal richtig Glück gehabt. Im kommenden Jahr wird der Tag des jüngsten Gerichts (Judgment Day) ganz aus dem PPV-Kalender gestrichen und schon in 2009 entkommen wir dem Weltuntergang (Armageddon). Denn statt Erdbeben, Feuersbrünsten, atomaren Katastrophen, Flutwellen und sonstigen unheilvollen Geschehnissen stehen einfach nur Tische, Leitern und Stühle auf dem Plan. Die Menschheit ist also anscheinend gerettet und kann sich auf einen weiteren PPV ganz im neuen Konzept-Trend freuen. TLC: Tables, Ladders & Chairs 2009 eben. Ganz im Sinne von Hell in a Cell (dem PPV, nicht der Gimmick-Matchart) wurde im Vorfeld gemunkelt, alle Main Events würden als TLC Matches stattfinden. Dem war glücklicherweise nicht so und WWE entging der Dummheit, eine weitere äußerst beliebte Stipulation inflationär zu verschandeln. Stattdessen sollte nur ein TLC Match auf dem Plan stehen, während auch jeder Gegenstand einzeln in einem Match vertreten sein sollte: Chair Match, Ladder Match, Tables Match. Wie schlug sich dieses neue Konzept bei seiner Premiere? War die Behauptung, der neueste Streich aus dem Hause WWE sei kein Armageddon nur ein Täuschungsmanöver? Oder konnte für den letzten PPV des Jahres tatsächlich ein würdiger Ersatz gefunden werden. Die subjektive Antwort auf diese Fragen findet ihr in den folgenden Zeilen.
Dabei findet ihr die Gedanken zu jedem Match wie gewohnt in vier Abschnitte gegliedert vor: Zunächst gehe ich auf den Aufbau des Matches vor dem PPV ein. Dann folgt eine Analyse des Matches selbst. Nach einem Ausblick, wie es mit den Kontrahenten weitergehen könnte, folgt noch eine abschließende Punktebewertung des Matches. Diese reicht von 10 (Big Show und Edge gleichzeitig auf die Schultern stemmen können) bis 1 (unter der Last einer Pressholzplatte fast zusammenbrechen). Aber nun genug der Einführung, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

ECW Championship
Ladder Match
Christian © vs. Shelton Benjamin


Der Aufbau: Indem er gegen Zack Ryder per Paydirt gewann, sicherte sich Shelton Benjamin das Recht, um den ECW Title anzutreten. Christian forderte ihn kurz darauf zu einem Ladder Match beim PPV heraus, weil er es ändern wollte, dass der ECW Title selten bei Großveranstaltungen berücksichtigt wird. Der Champ war sich sicher, speziell mit Shelton Benjamin und dieser Stipulation die Show stehlen zu können. Da war er sicherlich nicht der Einzige, denn wer die beiden schon mal beim Handling mit Leitern gesehen hat, müsste wissen, dass die beiden zu den innovativste Kräften in dieser Disziplin zählen. Entsprechend diesem Ansatz, dass man quasi gemeinsam etwas leisten will – die Fans begeistern - verlief der weitere Aufbau (zu) freundschaftlich und es gab nur kleinere Geplänkel zwischen den beiden. Sie traten sogar gemeinsam gegen den Ruthless Roundtable an und siegten hier (per Pinfall durch Benjamin gegen Kozlov), ebenso wie in der folgenden Woche, als William Regal seine groben Klötze unterstützte und Yoshi Tatsu auf der Seite von Christian und Shelton stand (durch Countout). Das letzte Bild der Rivalität vor dem großen Showdown zeigte Champion und Herausforderer auf der Leiter, beide mit den Händen am Gürtel. Abgesehen davon, dass ich hoffte, dass WWE bei TLC: Tables, Ladders & Chairs stabilere Leitern einsetzen würde – bei letzterer Szene sprang Shelton per Springboard auf die Leiter, die fast zusammenkrachte – lief mir schon allein beim Gedanken an dieses Match das Wasser im Mundes zusammen. Mit genügend Zeit und Freiheiten würde allein schon dieses Match den Preis des PPVs wert sein, so hoffte ich.

Das Match: Nach ein wenig Anfangsgeplänkel und den üblichen schnellen Überrumpelungs-Kletterversuchen konnte es gerade endlich richtig losgehen, da sorgte die erste Leiteraktion schon für eine Platzwunde bei Christian. Das sah schon ziemlich böse aus, wie das Ding auf seiner Stirn landete und die Wunde wurde gleich versorgt, wie schon beim Iron Man Match Cena vs. Orton bei Bragging Rights. Das bremste den gerade entstandenen Match-Fluss auch schon wieder aus und irgendwie hatte ich den Eindruck die beiden Kontrahenten erholten sich nur sehr schwer von dieser erzwungenen Unterbrechung. Bemerkenswert war, wie das Produktionsteam schnell dafür sorgte, dass die empörten „We want Blood“-Rufe einiger Zuschauer deutlich leiser zu hören waren. Shelton wirkte in der Zeit der medizinischen Versorgung natürlich etwas hilflos, weil diese nicht eingeplant war. Und von einem logischen Standpunkt aus, sah er auch ein bisschen blöd aus, weil er nicht versuchte den Gürtel zu erhaschen. Aber da spielte wenigstens der Aufbau in die Karten, denn mit einem so opportunistischen Sieg hätten die beiden nie und nimmer die Show gestohlen. Meiner Meinung nach haben sie das aber auch so nicht, denn nach der Platzwunde wirkten sie gehemmt und manche Aktion wirkte nicht ganz so flüssig. Schöne Aktionen waren der Sault von einer Leiter durch Shelton außerhalb des Rings, seine Falling Clothesline inklusive Leiter nach einem waghalsigen Balance Akt auf den Seilen, sein Powerslam von der Leiter und schließlich der Front Reverse DDT von Christian ebenfalls von der Leiter. Auch letzterer wirkte auf mich nicht ganz so perfekt. Als Benjamin schließlich an der Vorrichtung für die Gürtel hing, wurde es erneut leicht konfus, denn Christians Aktion, um ihn da runter zu bekommen, wirkte doch sehr unkoordiniert. Shelton im Gegenzug machte es besser und verfrachtete einen hängenden Champion mit einer Powerbomb in eine in der Ecke stehende Leiter. Innovativ fand ich auch, dass die fast schon zum Standard gehörende Sunset Flip Powerbomb von den Sprossen erstmals mit einer Headscissor gekontert wurde. Der Holy-Shit-Moment des Abends war schließlich fraglos der Splash von Christian durch die zwischen Apron und Kommentatorenpult gelegte Leiter mit seinem Herausforderer drauf. Als man Shelton so in den Trümmern liegen sah, konnte man bei genauem Hinsehen meinen, dass Holzsplitter aus der Leiter herausschauen und dieses Exemplar nicht wirklich aus Metall war. Das Match an sich wusste letztendlich zu unterhalten und hatte die richtige Zeit. Mich beschlich aber dauerhaft das Gefühl, beide würden mit angezogener Handbremse antreten. Nicht weil es mir zu wenige Spots waren, sondern weil es teilweise unrund und abgehackt wirkte. Vielleicht liegt das aber auch nur an den zu hohen Erwartungen, die im bei mir Vorfeld geschürt wurden. Zumindest meiner Ansicht nach, konnten die beiden das Vorhaben, die Show zu stehlen, nicht ganz verwirklichen.

Wie geht es weiter? Gerüchte besagen ja, dass die ECW bald nicht mehr diesen Namen trägt und die Dienstagsshow einen anderen Namen bekommt. Das ändert allerdings nichts daran, dass sich Shelton hier ein Rematch verdient hat, das dann ohne Stipulation stattfindet. Ich gebe zu, dass ich schon bei diesem PPV mit einem Titelwechsel gerechnet hatte, einfach weil die neuen Gegner für Christian langsam ausgehen und man mit Shelton Benjamin frische Fehden im Main Event etablieren könnte. So könnte sich auch wieder William Regal auf die Jagd machen und wir bekämen sicherlich ein schönes Technik-Feuerwerk geboten. Aber auch das Rematch zwischen Christian und Shelton Benjamin – ich vermute, dieses findet in zwei bis vier Wochen in der wöchentlichen TV Show statt – verspricht, einen Kandidaten auf das beste TV-Match des Monats zu liefern. Ich stimme nun auch in den Chorus vieler Fans ein und sage, dass sich Christian nach seinem Titelverlust so langsam zu SmackDown aufmachen sollte und man für ihn neue Veteranen zu ECW draften sollte, um dort den jungen Talenten zu helfen.

Fazit: 7,5/10

Intercontinental Championship
John Morrison © vs. Drew McIntyre


Der Aufbau: Allzu lange fehden der Shaman und der Scotsman noch nicht miteinander. Ein erstes kleines Techtelmechtel gab es bei der Survivor Series, als Morrison der letzte Überlebende seines Teams war und gegen Sheamus, The Miz sowie eben McIntyre den Kürzeren zog. Bei einer SmackDown-Ausgabe war es dann der IC Champion, der Drew zu einem Non Title Match herausforderte, wohl weil er noch das Hühnchen vom vorigen PPV mit ihm zu rupfen hatte. Der Schotte reagierte erstaunt, denn angeblich sollte man doch langsam wissen, dass er seinen Gegnern nur Schmerzen zufüge. Daraufhin ließ McIntyre seinen Worten Taten folgen und pinnte Morrison klar nach dem Double Arm DDT und zuvor ein wenig Hilfe der Stahlkonstruktion des Rings. Kurz vor dem PPV ging man noch stärker auf die Schiene Schotte vs. Amerikaner. McIntyre beschwerte sich, nicht auf dem Cover des WWE-Magazins mit zukünftigen Champions zu sein und Morrison machte sich als Schotte verkleidet über seinen Gegner und dessen Akzent lustig. Außerdem bezeichnete er Drew als Schleimer, weil dieser bei Vince McMahon so hoch im Kurs steht. Noch ein kleiner Brawl und es war angerichtet für den PPV. Bisher ist also noch nicht wirklich viel passiert zwischen den beiden, aber das hat das Potential schon angedeutet. Das viertelstündige TV-Show-Match war hochwertig und machte Lust auf eine weitere Runde und auch das Segment beim SmackDown zwei Tage vor dem PPV konnte überzeugen. McIntyre als Herausforderer auf den Intercontinental Title zu etablieren, war übrigens genau der richtige nächste Schritt, denn sonst wäre das Gelaber vom kommenden von McMahon persönlich erwählten World Champion irgendwann unglaubwürdig geworden.

Das Match: John Morrisons Slow-Mo-Auftritt sieht mit Feuerwerk übrigens noch cooler aus. Das Publikum war zu Beginn des Matches relativ tot und auch eine kleine Offensive von Morrison konnte wenig daran ändern. Erste lautere Reaktionen bekam ein herrlich durchgeführter Bocksprung-Wurf von McInytre, wobei Morrison an den Ringpfosten krachte. Drew erinnerte mich in seinem Vorgehen sehr an die ersten Matches von Jack Swagger im WWE-Ring. Er führt seine Moves und Holds sehr konzentriert aus, aber die Interaktion mit dem Publikum fehlt. Wenn man ihn mal beobachtet, dann ist er meistens starr auf den Gegner fixiert und nimmt den Blick nicht von ihm ab, wodurch die Verbindung zu den Zuschauern fehlt. Der wunderbare DDT-Konter durch Morrison und der Reversed Alabama Slam durch McIntyre waren klasse anzusehen und auch der Flying Chuck vom Apron ließ das Publikum langsam (aber nie vollständig) auftauen. Starship Pain misslang gründlich, da John seinen Gegner nur leicht mit der Stirn touchierte und glücklicherweise war dies nicht das Ende des Matches. Der kaputte Gürtel an Morrisons Hose war auch mal eine Idee, um den Referee abzulenken. So sah er den Griff in die Augen nicht, der den Double Arm DDT – genannt Scot Drop – einleitete und somit schon den zweiten klaren Sieg von McIntyre über Morrison brachte, was mich doch überraschte. Das Match an sich war hochwertig, ihm fehlten aber einige Minuten und auch eine spannende Phase mit Nearfalls, um ganz groß zu werden.

Wie geht es weiter? Morrison wird sicherlich sein vertraglich zugesichertes Rematch schon in den nächsten Wochen bekommen und ich denke, dass auf langfristige Sicht Drew McIntyre Intercontinental Champion bleibt. Vielleicht fügt ihm Morrison seine erste Niederlage zu, um sich von den zwei eigenen verlorenen Matches gegen ihn etwas zu erholen, aber wenn, dann holt sich der Schotte das Gold schnell wieder zurück. Ein idealer Gegner für Mac, um die nächste Stufe der Erfolgsleiter zu erklimmen, wäre natürlich Rey Mysterio, mit dem er sicherlich ebenfalls hervorragende Matches aus dem Hut zaubern könnte. Auch den zuletzt arg vernachlässigten Veteranen würde ich als ideale Wahl empfinden, um Drew weiter nach oben zu bringen. Bei John Morrison vermuten nicht wenige, dass ihn sein Weg nun so langsam an die Spitze in World-Title-Regionen führt. Ich denke aber, dass dies noch ein Weilchen auf sich warten lässt und erst mit dem Gewinn von Money in the Bank eingeleitet wird. Bis dahin wäre aber eine Erneuerung der Fehde mit CM Punk unter umgekehrten Heel-Face-Voraussetzungen, sowie eine Konfrontation mit Chris Jericho denkbar. Diese dürften allerdings nicht in einem PPV-Einzelmatch münden, weil ich die angesprochenen drei Leute eigentlich vorwiegend im Royal Rumble Match und der Elimination Chamber beim jeweils gleichnamigen PPV sehe.

Fazit: 7,5/10

Das kleine Segment mit Drew McIntyre und Vince McMahon hat mir extrem gut gefallen. Es zeigte noch einmal, dass die Empfehlung von Vince keine einmalige Sache war, sondern dass er weiterhin dahinter steht. So wie er ihm da ohne große Worte das Rampenlicht überließ, das hatte schon einen symbolischen Wert. Die Aussagen von Drew an sich waren jetzt nicht wirklich interessant. Das Aufeinandertreffen mit dem anderen aufstrebenden Newcomer Sheamus empfand ich aber als gute Idee, um nach ihrem gemeinsamen Sieg bei der Survivor Series weitere Parallelen zu ziehen.

Women’s Championship
Michelle McCool © vs. Mickie James


Der Aufbau: Ich bin doch sehr verwundert, denn hier liegt mal wieder eine Diven-Storyline vor, die mir sogar annähernd gut gefallen hat. Hauptthema des Disputs zwischen Mickie und Michelle war Mobbing. Seit James bei SmackDown aufgetaucht ist, machen McCool und ihre Kumpanin Layla der Neuen das Leben besonders schwer. Das gipfelte darin, dass die beiden Zicken sie in einem Video als Piggie James dargestellt haben. Es geht übrigens das Gerücht um, das sei von WWE durchaus so fies gewollt gewesen und ein kleiner Denkzettel für Mickie, weil diese an Gewicht zugelegt hat und etwas außer Form kam. Eigentlich schon eine Frechheit, wenn man Mitarbeiter dann auch noch vor den Kameras demütigen muss. Vickie Guerrero lässt grüßen. Aber immerhin hat man ja die Ausrede, dass es sich doch „nur“ um eine Storyline handele und kann behaupten, nichts davon sei als Beleidigung von oben gemeint. Mickie schlug erstmals bei der Survivor Series zurück, wo sie gemeinsam mit Melina überlebte und Michelle als Letzte ihres Teams rausflog. Neun Tage vor TLC: Tables, Ladders & Chairs gewann James dann ein No.1 Contender Triple Threat Match gegen Beth Phoenix und Natalya und wurde so offiziell zur Herausforderin auf McCool. Michelle saß dabei gemeinsam mit Layla am Ring und nach dem Kampf kam es zu einem kleinen Brawl. Als die Heels die Oberhand gewannen, griff Maria zugunsten von Mickie ein. Das führte noch zu einem Tag Team Match kurz vor dem PPV, das die Face-Diven siegreich beenden konnte, als Mickie Layla einrollte. Ich war also wie gesagt tatsächlich gespannt auf das Women’s Title Match beim PPV, vor allem darauf wie die (in letzter Zeit stark verbesserte) Michelle mit der (in letzter Zeit deutlich schlechter gewordenen) Mickie im Ring harmonieren würde.

Das Match: Mickie James hat offenbar erneut ein neues Ringoutfit gewählt, womit sie die Diva ist, die ihren Style am häufigsten ändert. Ein bisschen konnte man auch meinen, dass sie die Tasche mit ihren Ring-Klamotten einfach vergessen hatte oder sie am Flughafen verloren ging, denn die Jeans und Stiefel wirkten schon ein bisschen, wie Straßenkleidung. Der Beginn mit dem Gebrawle und gegenseitigen Zerren aneinander wirkte der Rivalität entsprechend sehr verbissen und bot eine klasse Szene als sich beide nicht aus den Augen lassen wollten, als sie zurück in den Ring rollten. Laylas „Piggie James“-Gerufe ging mir mit der Zeit übrigens gehörig auf den Zeiger. Wusste sie denn keinen anderen Weg, um Mickie zu provozieren? Der Hass zwischen McCool und James kam in diesem Match wirklich sehr gut rüber. Auch das Finish hatte was, denn als man schon glaubte, Mickie staubt den Einroller ab, war Michelle mit einem rüden Kick zur Stelle, der sehr hart aussah. Folgerichtig gewann sie so auch das Match relativ fair (der Eingriff von Layla ging ja nach hinten los). Ich muss zugeben, dass mich McCool von Match zu Match mehr von sich überzeugt, denn sie scheint sehr lernwillig und -fähig zu sein. War sie früher eine von denen, die Aktion an Aktion reihte, hat sie nun eine fantastische In-Ring-Psychologie drauf und zermürbt die Gegnerin regelrecht z.B. auch mit Trash Talk und abschätzigen Gesten und Gesichtsausdrücken.

Wie geht es weiter? Die Fehde wird vermutlich noch nicht vorbei sein und die Sticheleien durch Michelle und Layla werden wahrscheinlich weitergehen. Mir würde gefallen, wenn Mickie den Spieß einfach umdreht und sich Unterstützung ins Boot holt (ich meine richtige Hilfe und nicht Maria). Gemeinsam mit einer zum Face geturnten Beth Phoenix könnte sie McCool und Layla sicherlich deren Gemeinheiten doppelt zurückzahlen. Beth ist schließlich so dominant, dass bestimmt auch die beiden Zicken vor ihr Angst haben und zurückschrecken. Dieses Re-Mobbing – evtl. schaltet man Layla davor irgendwie aus, sodass Michelle ihrerseits ganz alleine ist – wäre eine exzellente Fortsetzung der bisherigen Storyline und würde das gute alte „Wie du mir so ich dir“-Prinzip ideal ausnutzen. Und mit Beth Phoenix hätte man dann schon die nächste Gegnerin für Michelle McCool etabliert.

Fazit: 4,5/10

WWE Championship
John Cena © vs. Sheamus


Der Aufbau: Guest Host Jesse Ventura sprach doch tatsächlich vor laufenden Kameras das an, was viele denken: Der Main Event von RAW ist langweilig, weil immer die selben Gesichter zu sehen seien. Deshalb legte er einen kleinen Wettbewerb fest, an dem nur Superstars teilnehmen durften, die noch nie World Champion waren – bis auf den sich einschleichenden Randy Orton – und dessen Gewinner einen Titleshot bekommen sollte. Nach einem Qualifikationssieg über Finlay gewann Sheamus auch die Break Through Battle Royal und war somit neuer No.1 Contender. Jesse Ventura ging sogar noch weiter und bezeichnete es bei der Vertragsunterzeichnung als Verschwörung hinter den Kulissen, dass Cena immer noch und immer wieder Champion sei. Interessantes Booking, greift man doch die Gedanken vieler Cena-Gegner auf. Und Gerüchten zufolge soll bei manchen Wrestlern im Locker Room ebenfalls diese Meinung vorherrschen, weil Cena sich so gut mit Vince versteht. Die Sache endetet damit, dass Super-John dank des Celtic Warrior durch einen Tisch krachte, womit Ventura auch enthüllte, dass es sich beim PPV um ein Tables Match handeln würde. Eine Woche darauf ging die starke Darstellung von Sheamus weiter, indem er Santino Marella auseinander nehmen durfte. OK, dafür braucht es keinen großen Star, aber man wollte eben die Gefährlichkeit des Iren demonstrieren. Kurz vor dem PPV besiegte Cena den zurückgekehrten Carlito (der im übrigen eine Woche davor die selben Vorwürfe gegen Cena äußerte wie der Guest Host der Vorwoche, was eine interessante Storyline ergeben könnte) und stellte sich anschließend einem Rededuell mit seinem Herausforderer. Sheamus sprach dabei einige Drohungen aus, während Cena erst einmal keine Kommentare hatte. Erst zum Ende hin wollte er doch was sagen und erklärte ein weiteres Mal in einer schreienden und lauten Promo, dass Krieg zwischen ihm und Sheamus herrsche. Dieser beeindrucke ihn zwar, könne ihn aber nicht einschüchtern. Sheamus wollte das wohl ändern und attackierte Cena mit Tritten, kurz bevor er Guest Host Mark Cuban durch einen Tisch hämmerte, um John zu zeigen, wie sein Schicksal beim PPV aussehen würde. Wenn man die Wahl von Sheamus mal nüchtern betrachtet – und nicht unterstellt, dass er diesen Spot hat, nur weil er immer mit Triple H, dem Schwiegersohn vom Boss, trainiert – dann wird man Pros und Kontras entdecken. Auf der negativen Seite mag stehen, dass der Neuling noch keine wirklich großen Fehden hatte und vielleicht noch ein bisschen arg grün hinter den Ohren ist. Auf der positiven Seite haben wir nun endlich mal einen ganz neuen Main Event, wie viele Fans es sich schon lange gewünscht haben. Außerdem ist Sheamus schon vom Erscheinungsbild her eine imposante Persönlichkeit, er kann was im Ring und am Mic stellt er sich nicht ganz so verkehrt an, auch wenn er sich sicherlich noch verbessern kann. Bei mir überwog am Ende die Erwartungshaltung gegenüber den Zweifeln und auch wenn ich mir eigentlich doch sicher war, dass Cena gewinnen würde (Bilder vom Tribute to the Troops, der vor dem PPV aufgezeichnet wurde, aber erst danach ausgestrahlt werden sollte, zeigten Cena mit seinem Gürtel), war ich gespannt, wie Sheamus sich in seinem ersten großen Match so schlagen würde.

Das Match: Der Start des Matches wirkte sehr ausgeglichen und es entwickelte sich gleich ein wilder Brawl mit Hilfe von Treppe, Apron, Absperrung, Ringpfosten und Kommentatorenpult. Was mir erst bei diesem PPV so richtig auffiel war, wie deutlich man die Male auf Sheamus’ extrem weißen Körper sieht, wenn er eine Aktion abbekommt. Was die Reaktionen aus und die Interaktion mit dem Pulikum angeht, ist Sheamus seinem Co-Newcomer Drew McIntyre deutlich überlegen. Allerdings muss man auch sagen, dass der Ire eine leichtere Aufgabe hatte, denn Cena-Matches bekommen fast immer ausgiebige Reaktionen. Die beiden bauten auch ein paar spannende Momente an Tischen ein und man konnte manchmal meinen, gleich sei es vorbei. Bei allen anderen Superstars hätte ich das nicht gedacht, aber beim Superman persönlich kann so ein plötzliches, dominantes Ende schon mal durchgezogen werden. Witzig fand ich, dass ein John Cena – der wohlgemerkt locker Big Show und Edge gleichzeitig auf die Schultern nehmen kann – so tat, als habe er Probleme, die billige Spanplatte, die man bei WWE als Tisch bezeichnet, hochzustemmen. Kurz nach dem beeindruckenden Irish Curse Kick musste Sheamus die bekannte Offensiv-Flut von Cena einstecken mit Shoulderblocks, Protoplex und Five Knuckle Shuffle. Ich fand aber das Booking toll, dass er trotz seiner anschließenden Benommenheit den Tisch – und damit auch die Gefahr einer drohenden Niederlage – aus dem Ring beförderte. Der finale Moment auf den Seilen war sehr spannend inszeniert. Ich ging bei dem Geziehe und Gezerre von einem Unentschieden aus, weil beide durch den Tisch fallen. Umso erstaunter war ich, dass Sheamus es tatsächlich packte und das Ding gewann, allerdings mit einer eher glücklich wirkenden, schwachen Aktion. Ich muss zugeben, dass ich das nie und nimmer erwartet hätte und total baff war. Kurzfristig überlegte ich, ob man vielleicht tatsächlich ein Unentschieden geplant hatte. Sheamus fiel bei seinem Sturz nach draußen gefährlich in die Nähe eines dort stehenden Tisches und für einen kurzen Moment dachte ich, er hätte womöglich dort durch krachen sollen. Diesen Gedanken verwarf ich allerdings gleich wieder, denn die Sequenz nach dem Match wirkte eindeutig geplant. Vor allem die Kameraarbeit war in diesem Schockmoment herausragend. Immer wieder wurden verblüffte und enttäuschte Cena-Fans (natürlich vor allem Kinder) eingeblendet, die diese riesige Überraschung nur noch betonten.

Wie geht es weiter? Tja, irgendwie bin ich weiterhin skeptisch. So richtig will ich das einfach noch nicht glauben, dass WWE diesen Schritt tatsächlich gegangen ist. Liegt wohl an den Erfahrungen aus der Vergangenheit. Und wenn dann selbst beim PPV im Anschluss an das Match noch ein Clip gezeigt wird, der den Tribute to the Troops bewirbt und in dem man Cena mit dem Titelgürtel sehen kann, dann werden die Zweifel noch größer. Lässt man Cena eventuell gleich bei RAW seine Rematch-Klausel einlösen und gewinnen?! Denkbar wäre es, denn mit den Slammys ist dieses Drei-Stunden-Special schon als etwas Besonderes eingeplant und da würde so ein Titelwechsel gut reinpassen. Oder werden die Szenen mit Cena und dem Gold beim Tribute to the Troops einfach rausgeschnitten? Egal. Jedenfalls wird die Fehde vom Vorzeige-Amerikaner gegen den Iren noch ein Weilchen weitergehen und in einem weiteren Titelmatch beim Royal Rumble münden, egal was bis dahin passiert und egal, wer bis dahin Champion ist. Mir würde gut gefallen, wenn man bis dahin auch die angerissene Idee fortführt, dass Cena im Locker Room unbeliebt ist und dass er der Liebling vom Boss ist. Die Vermischung aus Realität und Fiktion würde sicherlich interessant werden und wenn man es lange genug aufzieht, könnte ein ganz spezielles Match bei WrestleMania dabei herauskommen. Beispielsweise gegen den Undertaker, wenn man den Ansatz wieder aufgreift, dass Vince McMahon für den Screwjob bei Breaking Point verantwortlich war. Auf der einen Seite hätte man dann den Liebling von McMahon und auf der anderen Seite einen Repräsentanten des Locker Rooms, der sich ebenfalls gegen die Obrigkeit stellt. Was mich daran aber zweifeln ließe, wäre die Tatsache, dass so eine Storyline wohl mit einem Heel Turn Cenas einhergehen würde und ich der WWE diesen Schritt nicht zutraue. Außerdem ist der Undertaker zu sehr Einzelgänger, als dass er die Unterdrückten vertreten würde. Eine schöne Idee wäre es meiner Ansicht nach aber trotzdem.

Fazit: 7/10

Ein Video-Replay zeigte, dass Cena eigentlich mehr sein Gleichgewicht verloren hat und weniger von Sheamus durch den Tisch bugsiert wurde. Einerseits schade, dass man den Sieg des Newcomers so ein bisschen abwertet, andererseits ein hervorragender Grund für ein Rematch.

Der Preis für das Schild des Abends geht an „My Cat turned Heel“ (in Anspielung auf „The Animal“ Batista) und der Depp des Abends war der Kerl, der andauernd irgendein Sport-Trikot hochhob. Vermutlich hatte er sein Schild vergessen.

World Heavyweight Championship
Chairs Match
Undertaker © vs. Batista


Der Aufbau: Schon bei Bragging Rights hatte Batista in einem Fatal Four Way Match die Chance, sich das Gold vom Undertaker zu sichern. Damals versaute es ihm aber unter anderem sein Amigo Rey Mysterio, indem er ein möglicherweise entscheidendes Cover gegen den Deadman löste. Also wurde Batista sauer und kümmerte sich mit roher Gewalt um seinen mittlerweile ehemaligen Kumpel. Einmal fertigte er ihn deutlich bei der Survivor Series ab und einmal bei SmackDown kurz vor dem PPV in einem Street Fight per Chairshot, um nochmal zu verdeutlichen, wie gefährlich The Animal mit Stühlen ist. Die beiden Wochen vor diesem Street Fight gegen Rey musste jeweils der Undertaker ordentlich einstecken, nachdem sich Batista mit einem Countout-Sieg über Kane als Herausforderer Nr.1 qualifizierte. Beide Male dominierte Big Dave das Phenom from Death Valley mit unfairen Attacken. Ein klein bisschen Payback gelang dem Undertaker in der schon angesprochenen letzten SmackDown-Ausgabe vor dem PPV, indem er sich auf seine alten Stärken besann: die Mindgames. Nach Batistas Sieg gegen Mysterio ging wie immer das Licht aus und der Undertaker konnte einige Schläge ins Ziel bringen, bevor The Animal flüchten konnte. Erinnerte man sich an die Matchserie der beiden, konnte man sich grundsätzlich auf dieses Match freuen. Nur: Der Undertaker ist leider körperlich nicht mehr so fit wie damals, weshalb diese Erwartung bei mir ein wenig abgeschwächt wurde. Außerdem wirkte die Stipulation mit den Stühlen auf mich dank des kurzen Aufbaus ziemlich gezwungen (man brauchte eben noch ein Chairs Match, um dem Namen des PPVs gerecht zu werden), auch wenn Batista in letzter Zeit häufig mit Stühlen hantierte.

Das Match: Mir gefiel, dass beide gleich den Einsatz von Stühlen versuchten und so die Stipulation noch einmal betonten. Verwundert bin ich immer wieder über den Undertaker. Wenn dessen Knie und Hüften so kaputt sind, warum zieht er dann in fast jedem Match die Szene durch, in der ein Boot daneben geht, und er unsanft auf der Ringabsperrung landet?! Klasse war der Spruch von Jerry Lawler in Richtung Michael Cole kurz vor Old School: „You already used that ‚Vintage’-line“ Wer weiß, wie oft Cole das ruft, kann sicherlich darüber schmunzeln. Auch dieses Match war sehr brawllastig angelegt, was aber zu erwarten war. Der Undertaker steckt mittlerweile übrigens in so gut wie jedem Match einen Superplex ein. Ist mir nur so aufgefallen. Ein paar altbekannte Konter aus der 2007er Fehde gab es auch zu sehen, so z.B. als Batista nach den Snake Eyes einen Spear auspackte. Der folgende Spinebuster auf den Stuhl war die bis dahin wirkungsvollste Aktion mit der erlaubten Waffe. Dass der Undertaker hier direkt das Hell’s Gate folgen lassen kann, gefiel mit daher nicht so gut, aber The Animal konnte sich ja nochmal befreien. Nach einem kurzen Leerlauf wurde es ab hier wieder packend z.B. als Batista sein eingeklemmter Stuhl in der Ecke fast selbst zum Verhängnis wurde. Als ideal empfand ich, dass tatsächlich ein brachialer Chairshot die Entscheidung brachte. Den folgenden Restart, weil Batista dem Undertaker ungesehen in die Klöten kloppte, kann ich allerdings nur als totalen Bullshit betrachten. Die Sache mit Teddy Longs Betrug am Undertaker bei Breaking Point ist noch nicht aufgeklärt und jetzt hilft er diesem mit so einer Schwachsinns-Entscheidung. Und wenn doch unfaire Aktionen soooo böse sind, warum hat der General Manager dann nicht auch das Match zwischen Morrison und McIntyre neu starten lassen. Schwachsinn! Wenigstens war ein Stuhl dann auch beim richtigen Finish ausschlaggebend und rechtfertigte so die Stipulation. Das Ende enttäuschte aber leider dennoch gewaltig. Nervige Moralapostel!

Wie geht es weiter? Natürlich schreit alles an dieser mal wieder verkorksten Situation nach einem Rematch. Und dazu wird es sicherlich auch kommen, wobei ich glaube, dass sich Batista dann endgültig den World Heavyweight Championship sichern kann. Ich bin gespannt, ob man einen wirklich langen Aufbau durchzieht und den Rückkampf erst für den Royal Rumble in sieben Wochen ansetzt, oder ob es eventuell schon davor dazu kommt. In diesem Fall könnte ich mir vorstellen, dass es der Undertaker sein muss, der für den ersten PPV 2010 seinerseits die Rematch-Klausel einlöst. Auf jeden Fall werden es diese beiden noch ein Weilchen miteinander zu tun haben und ich denke auch nicht, dass sich ein weiterer Wrestler in diese Situation einmischt, weil es nicht zu den beiden Einzelgänge-Protagonisten passt. Möglicherweise nimmt man den Neustart des Matches aber zum Anlass, um die Storyline um Vince McMahon und den auf Probe arbeitenden Teddy Long wieder aufzugreifen. Und vielleicht entschließt man sich ja doch noch, aufzulösen, dass Vince hinter dem Screwjob bei Breaking Point steckte und löst damit die neue Fehde Undertaker vs. McMahon aus. So sehr, wie das aber in letzter Zeit im Sande verlaufen ist, könnte man es vielleicht auch ganz fallen gelassen haben. Man wird also abwarten müssen, ob nur der passende Zeitpunk für den endgültigen Ausbruch der Fehde abgewartet wurde oder ob diese gar nicht mehr zustande kommt.

Fazit: 7/10

Das Segment mit Kofi Kingston, der Legacy und Randy Orton war genial. Es stärkte Kofi noch einmal vor dem folgenden großen Match, stellte ihn als mutig dar und betonte, dass er keine Hilfe von irgendwelchen Lakaien braucht und sich auch nicht mehr einschüchtern lässt.

Randy Orton vs. Kofi Kingston

Der Aufbau: Nachdem Kofi Kingston bei der Survivor Series einen ersten Erfolg im Ring gegen Randy Orton verbuchen konnte und diesen als letzten seines Teams mit einem überraschenden Trouble in Paradies zum Ausscheiden brachte, legte der ehemalige Jamaikaner einen Tag später gleich nach, indem er die Viper in der Breakthrough Battle Royal, in der es um einen Titleshot ging, eliminierte. Es folgten bei RAW zwei Einzelmatches. Normalerweise könnte man einwerfen, dass diese verschenkt waren, gingen sie doch nur einmal drei und einem fünf Minuten. Allerdings waren das zwei ideale Appetizer auf ein „richtiges“ Match der beiden unter gleichen Voraussetzungen. Bei Match 1 war nämlich Orton im Vorteil, da DiBiase und Rhodes im Vorfeld dafür sorgten, dass Kingston angeschlagen ist und so per RKO verlor Bei Match 2 war es Kofi, der von Anfang an die besseren Karten hatte, da Guest Host Mark Cuban sich als Special Referee einsetzte, weil er noch eine Rechnung mit Randy offen hatte. Das zeigte sich auch darin, dass er den Three Count nach einem Backslide viel zu schnell durchzählte. So schürte WWE zumindest bei mir ideal die Lust darauf, zu sehen, wie die beiden sich bei einem PPV mit mehr Zeit und hoffentlich ohne Beteiligung Dritter schlagen würden.

Das Match: Nach dem vielen Gebrawle aus den vergangenen Matches, bekam man hier endlich wieder einen anderen Stil zu sehen. Chain Wrestling und Holds von Orton vermischten sich mit der Wendigkeit und dem Tempo von Kingston. Erstes Highlight des Matches war der Abwehr-Dropkick von Randy außerhalb des Rings gegen den heranfliegenden Kofi. Die Viper startete anschließend seine bekannt methodische Offensive, wobei er sich vor allem auf die Rippen konzentrierte. Der Ghanaer wehrte sich und zeigte den SOS. Ein Move übrigens, der meiner Ansicht nach für den Ausführenden schmerzhafter aussieht als für denjenigen, der ihn einsteckt. Der Flying Crossbody von Kofi saß fantastisch und auch sein Trouble in Paradise war gut getimt. Orton bewies aber seine Ringübersicht, griff ins Seil und rollte sich vom Apron, um sich zu erholen. Beide wirkten in diesem Match ebenbürtig und stellten einen tollen Kampf auf die Beine. Dass der Punt von Randy Orton nur gegen den schützenden Arm von Kingston traf, war auch mal eine innovative Idee. Wunderbar wie Orton diese Schwachstelle gleich mit einem Armbreaker opportunistisch ausnutzte. Auch das anschließende Finish fand ich super, wobei Kingston per Trouble in Paradise beim drohenden RKO erneut den Überraschungsmoment ausnutzen wollte, Orton aber dieses Mal vorbereitet war. Er duckte sich und zog doch noch seinen Finisher durch. Ein ganz wichtiger, fairer und klarer Sieg für Randy Orton. Kofi geht trotzdem gestärkt aus dem PPV hervor und genau dieses Resultat für beide Seiten hatte man vor dem Großereignis schon als Idealzustand erhofft.

Wie geht es weiter? Ein weiteres Einzelmatch bei einem PPV schließe ich eigentlich aus. Beim Royal Rumble werden beide in der Battle Royal stehen und als Favorit sowie Geheimfavorit ins Rennen gehen, während sie bei Elimination Chamber beide in der Konstruktion aus Stahl im RAW Main Event antreten dürften. Sollte die Fehde also noch nicht ganz vorbei sein, dann wird höchstens noch ein Match bei RAW folgen. Weil ich für beide aber aktuell wenige bis keine Alternativen auf Gegnerseite sehe, wäre es denkbar, dass sich Kofi und Randy noch ein Weilchen in der Übergangszeit bis zum Royal Rumble und No Way Out behaken. Bei diesen beiden PPVs erfährt der Aufbau des Main Events meistens einen eher geringen persönlichen Anteil (alle behaupten nur allgemein, dass sie gewinnen werden und treten in wechselnden Konstellationen ohne große Fehde gegeneinander an), wobei die Viper und der Ex-Jamaikaner bis kurz vor WrestleMania allerdings trotzdem noch gut aufgehoben sein dürften.

Fazit: 8/10

Batista bedrohte einen wie immer göttlich overactenden Teddy Long. Die Intention des Segments, dass man auf die Reaktion des General Managers bei SmackDown gespannt ist, ging auf.

Unified Tag Team Championship
TLC Match
Chris Jericho & Big Show © vs. Shawn Michaels & Triple H


Der Aufbau: Da Jerishow schon seit längerer Zeit in die diversen RAW Main Events mitintegriert sind, ließ ein Aufeinandertreffen mit der DX nicht lange auf sich warten. Das startete mit einem Non Title Match am 5. Oktober, wo Shawn Michaels und Triple H nach einem starken Match gegen Chris Jericho und Big Show den Sieg einfuhren. Die Fehde zog sich weiter über Bragging Rights, wo die Unified Tag Team Champions zwar für unterschiedliche Teams antraten, am Ende aber doch irgendwie gemeinsam über DX (die Captains von Team RAW) triumphierten, weil Big Show seine eigentlichen Roster-Kollegen betrog, um einen Titleshot auf den Undertaker zu bekommen. Für diesen Verrat musste Big Show zur Rechenschaft gezogen werden und so trat er in einem No DQ Lumberjack Match mit John Cena als Special Referee gegen Triple H an. Hunter gewann hierbei natürlich. Die Animositäten führten sich fort und resultierten am 9. November in einem weiteren Non Title Match bei RAW. Erneut hießen die Sieger The Heartbreak Kid und The Game. Ein drittes Mal trafen beide Duos direkt eine Woche später aufeinander, dieses Mal allerdings in einem Triple Threat Tag Team Match, an dem auch noch der Undertaker und John Cena gemeinsam teilnahmen. Sowohl DX als auch Jerishow gingen hierbei leer aus, da Cena am Ende HHH pinnte. Die offizielle Herausforderung zum Titelmatch folgte am 23. November und schon hier wurde verkündet, dass die langzeitigen Rivalen ein TLC Match bestreiten würden. Das Rededuell beim folgenden RAW konzentrierte sich einerseits darauf, dass DX noch nie gemeinsam Tag Team Champions waren und damit lange nicht so gut seien wie Jerishow und außerdem seien sie noch nie in einem TLC Match gestanden. Michaels und Helmsley freuten sich auf der anderen Seite darauf, mit einem Sieg beim PPV Chris Jericho endgültig von RAW verschwinden zu lassen, da dieser ohne Unified Tag Team Championship nicht mehr bei allen Shows antreten könne. Später besiegte Triple H noch Chris Jericho in einem Einzelmatch und sorgte so dafür, dass dieser in der Folgewoche in einem Handicap Match gegen DX ran musste (hätte Triple H verloren, hätte er alleine gegen Jerishow ran müssen). Natürlich kam gar kein richtiges Handicap Match zustande, weil irgendwann Big Show eingriff und ein großer Brawl ausbrach. Am Ende behielten die Champions hierbei die Oberhand und machten die DX mit Leitern und Stühlen ordentlich fertig. Die Fehde brach so richtig leider erst vor wenigen Wochen aus und plätscherte davor als Nebenhandlung vor sich hin, was ich äußerst schade fand. Eine lange intensive Fehde, an der ausschließlich diese beiden Teams beteiligt sind, wäre sicherlich genial geworden. Nichtsdestotrotz war dieses TLC Match natürlich eine exzellente Ansetzung und betonte den Weg von WWE aus TLC Matches künftig eher verbissene Brawls mit nur teilweise spektakulären Bumps machen zu wollen (wie man es schon bei CM Punk vs. Jeff Hardy beim SummerSlam sehen konnte), als weiterhin die verrückten Spotfestivals durchzuziehen.

Das Match: Ein TLC Match mit vier Teilnehmern, bei dem gerade einmal ein Tisch zu Bruch geht, ist schon arg mau. Leider muss ich gleich zu Beginn dieser Matchbewertung schreiben, dass ich der Meinung bin, die Stipulation wurde hier falsch gewählt. Dass TLC kein Spotfestival sein muss, um zu überzeugen, zeigten Punk und Jeff beim SummerSlam. Mehr als ein Brawl mit Gegenständen sollte es aber schon sein und dieses spezielle spektakuläre Element von TLC vermisste ich heute Abend deutlich. Fast alles wirkte trivial und austauschbar. Schon der Beginn war relativ langsam und größtenteils auf Brawl ausgelegt, dass ich schon erahnen konnte, enttäuscht zu werden. Michaels und Jericho präsentierten anfangs noch wenige Minuten „richtiges“ Wrestling im Ring, bevor auch das eingestellt wurde. Der kleine Schwertkampf mit Stühlen zwischen HBK und Y2J auf der Rampe war ganz witzig, exzellent sah der Double Suplex mit der Leiter auf Jerichos Rücken aus. Ganz so schlimm war es natürlich nicht und es gab schon ein paar innovative und wirkungsvolle Aktionen mit Leitern und Stühlen zu sehen. Eine Phase mit Finishern und Trademarks ohne Gegenstände durfte auch nicht fehlen. Lustig war der Spruch von Jerry Lawler, als Show die Leiter erklimmen wollte: „Big Show does nothing quickly.“ Wie wahr, wie wahr… Dafür macht er vieles mit Impact und so beeindruckte mich sein Schlag gegen den Stuhl, den Triple H in Händen hielt und damit in die Lapp bekam. Warum Big Show dann auf einmal begann, die Leitern zu zerstören, war mir auch rätselhaft. Wenn, dann hätte er es konsequenter machen müssen (es waren noch genügend intakte Leitern in der Nähe) und es hätte deutlicher herauskommen müssen, dass JeriShow vielleicht geplant haben, ohne Leitern an die Gürtel zu kommen. Die Powerbomb von Triple H gegen Jericho sah sehr wirkungsvoll aus und diese Phase war auch kurz zuvor spannend, da Chris hier dreimal sehr nahe am Gold dran war. Der Chokeslam von Big Show gegen Shawn durch Triple H und einen Tisch hindurch wirkte weniger spektakulär. Ein Double Chokeslam durch zwei Tische hätte mir besser gefallen. Außerdem erholten sich die Degenerierten viel zu schnell wieder. In der Zwischenzeit machte sich Chris Jericho – wohlgemerkt jemand, der als Mastermind in Ladder Matches dargestellt wird – zum Affen, indem er versuchte, eine kaputte Leiter zu erklimmen, was nie und nimmer funktionieren konnte. Richtig dämlich wirkte auf mich dann auch, wie sich Jerishow nicht wehren konnten, als Chris auf den Schultern des Hünen stand, um das Gold zu greifen. Irgendwie wäre er in der langen Wartephase da sicherlich runter gekommen, bevor es die Sweet Chin Music setzte. Zu allem Überfluss ging der finale Tisch-Spot auch noch gründlich in die Hose, denn Jericho sprang zu kurz ab und der Tisch blieb heile. Schade. DX machten es aber schließlich besser mit der kaputten, einseitigen Leiter, die Hunter abstützte, während Shawn sie erklomm. Die Betonung des Teamworks gefiel mir bei diesem Finish exzellent. Vieles an diesem TLC Match enttäuschte mich aber letztlich doch.

Wie geht es weiter? Ich weiß ehrlich nicht, was Shawn Michaels und Triple H mit den Unified Tag Team Championships wollen. Eigentlich haben sie die nur, damit das auch noch in ihre Rekordliste kommt. Es kann ja schließlich nicht sein, dass das angeblich beste Tag Team aller Zeiten (mir fallen auf Anhieb mehrere bessere ein) niemals gemeinsam Tag-Team-Gold hielt. Vielleicht treten sie ja bei SmackDown übergangsmäßig gegen Mike Knox und Kane an, bei denen sich gerade eine Zusammenarbeit andeutet oder Mark Henry und MVP bekommen eine Chance. Oder DX hilft der Hart Dynasty, nach oben zu kommen. Haha, kleiner Scherz, ein gepushtes Team wie die Legacy langt für die nächsten fünf Jahre. Ein Rematch der Degeneration X gegen die Ex-Champions könnte durchaus noch anstehen, doch danach bin ich ratlos, wie es mit den Unified Tag Team Titles weitergehen könnte. Interessant wird auch sein, ob mit dem Titelverlust (wenn er denn dauerhaft bleibt) die Kooperation zwischen Big Show und Chris Jericho endet, denn schließlich arbeiten sie eigentlich bei verschiedenen Shows. Man könnte meinen, die WWE ignoriert das einfach, aber die Tatsache, dass Jerichos möglicher Abschied von RAW in der Fehde deutlich angesprochen wurde, würde dagegen sprechen. Sucht sich Big Show vielleicht einen neuen Partner bei RAW, um den Kampf gegen die DX fortzuführen? Wie würde Chris Jericho darauf reagieren und kommt es zum Streit der Ex-Champs? Ich würde eher auf ein halbwegs freundschaftliches Auseinandergehen tippen und letztlich auf eine kleine Konfrontation beim Royal Rumble. Jericho kann in der Zwischenzeit vielleicht kurzzeitig bei SmackDown helfen, John Morrison auf die nächste Stufe zu heben, beim ehemaligen No Way Out in der Elimination Chamber seine Chance auf den World Title suchen oder nach diesem PPV langsam die gerüchtete WrestleMania-Fehde mit dem Undertaker intensivieren (bisher lief das ja eigentlich nur nebenher). Aber erst nachdem dieser mit Batista fertig ist, was noch ein Weilchen dauern dürfte. Ein Comeback von Edge, um die Fehde gegen Y2J endlich zu starten, wäre natürlich noch besser, aber das scheint aktuell in weiter Ferne zu liegen.

Fazit: 7/10

Insgesamt gesehen wurde die Menschheit dieses Mal nicht vor der Ausrottung gerettet, weil Bruce Willis heldenhaft eine Atombombe auf einem riesigen Asteroiden manuell von Hand zündet, da der automatische Timer klemmt (an alle, die den Film „Armageddon“ von Michael Bay noch nicht gesehen haben: sorry für den Spoiler), sondern weil sich bei WWE alle Beteiligten zum Ende des Jahres noch einmal ihren Möglichkeiten entsprechend angestrengt haben. Das Wrestling war nie wirklich schlecht, etwas positiv Herausragendes war aber auch nicht dabei. Das Booking konnte überzeugen und selbstverständlich auch teilweise absolut überraschen. Am Ende steht in meiner persönlichen Wertung ein befriedigender Punkteschnitt von 6,93 für die Premiere von TLC: Tables, Ladders & Chairs.

Da dies aller Voraussicht nach auch meine letzte Kolumne des Jahres sein wird, präsentiere ich euch abschließend noch meine ganz persönliche WWE-PPV-Rangliste für 2009:

1. No Way Out 7,60
2. Backlash 7,58
3. Judgment Day 7,57
4. Royal Rumble 7,20
5. Bragging Rights 7,10
6. Breaking Point 7,00
7. Hell in a Cell 6,94
8. TLC: Tables, Ladders & Chairs 6,93
9. Survivor Series 6,92
10. Night of Champions 6,63
11. The Bash 6,13
12. SummerSlam 6,06
13. Extreme Rules 5,43
14. WrestleMania XXV 4,83


Ich bedanke mich herzlich für eure Aufmerksamkeit, sowie die Geduld und Ausdauer, diese PPV- Bewertung bis ganz zum Schluss zu lesen. Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen genauso viel Spaß wie ich beim Schreiben. Über Lob, Kritik oder konstruktive Verbesserungsvorschläge an meine Email-Adresse michael.schwartz@bsww.de würde ich mich sehr freuen. Man sieht sich dann beim Royal Rumble im neuen Jahr. Bis dahin wünsche ich euch ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch.
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