Suche:


BSWW.de: Schwartz, ungesüßt... - Das war 2010
Von Michael Schwartz
Mittwoch, 30. Dezember 2009
Hallo liebe Leser und ein herzliches Willkommen zu einer Sonderausgabe von Schwartz, ungesüßt... Irgendwie ist die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester doch ein bisschen langweilig, findet ihr nicht auch? Das eine Fest ist vorbei und eigentlich wartet man nur auf das nächste. Aber immerhin kann man ein wenig ausspannen. Weil ich aber gerade nichts Besseres zu tun hatte, stieg ich in meinen schicken De Lorean und schmiss den Fluxkompensator an. (Wer jetzt nur „Bahnhof“ und „Kofferklauen“ verstanden hat, ist entweder zu jung, kein großer Film-Fan oder hat aus unerfindlichen Gründen noch nie die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie angeschaut). Als Zielzeitpunkt habe ich den 31.12.2010 eingegeben und als ich schließlich nach einigen Turbulenzen dort war, habe ich mich informiert, was so alles im abgelaufenen Jahr in der Wrestlingwelt passiert war. Das Ergebnis meiner Recherche habe ich in den folgenden Zeilen für euch aufgeschrieben. Möglicherweise hat mich meine Zeitmaschine aber in ein verrücktes Fantasieparalleluniversum teleportiert und ihr solltet den Blick in die Kristallkugel nicht allzu ernst nehmen. Viel Spaß beim Lesen!


Nach stagnierenden PPV-Buyrates präsentierte Guest Host Mario Barth im Juli ein revolutionäres, neues Konzept. Kein PPV, bei dem alle Main Events eine spezielle Stipulation haben. Nein, es gab eine Großveranstaltung, bei der alle Matches Main Events waren. Den ganzen Abend traten Randy Orton, Triple H und John Cena in wechselnden Konstellationen gegeneinander an. Drei Stunden lang am Stück. Die WWE Milky Way – Milchstraße ersetzt Universum, weil das für Kinder süßer klingt – durfte über den Namen abstimmen und entschied sich knapp für „WWE WWE Title“. Andere Auswahlmöglichkeiten waren „WWE Main Event“ und „WWE F***ing Boring“. Weil das Konzept von Barth einschlug wie eine Bombe, wurde der Meister des unwitzigen Humors Chef-General-Manager der Comedy-Show von WWE. Der neue GM legte im Oktober fest, dass ab jetzt jeder PPV „WWE WWE Title“ heißt. Am Ende des Jahres stand Triple H bei 38 World Titles. Ric Flair hatte es nach seinem Comeback bei TNA in der Zwischenzeit nur auf 19 gebracht.


Kurz vor der Oscar-Verleihung kam Vince McMahon auf die Idee, sein ganz eigenes Sportler-Drama zu inszenieren: „The Diva“. Der Film sollte ungeschönt das Leben einer WWE-Animierdame zwischen Schönheitschirurg, Foto-Shootings und Autogrammstunden aufarbeiten. Der Chairman von WWE, der sich selbst in den Regiestuhl setzte, hatte in Sachen Besetzung einen absoluten Coup vor. Er wollte die Hauptrolle der fiktiven Figur Cherry Poppy Bonescock mit allen seinen Diven besetzen, die sich bei der Darstellung abwechseln sollten. Irgendwann stellte Vinnie Mac aber fest, dass diese kein schauspielerisches Talent besitzen. Und außerdem waren die doch alle viel zu fett. Daher verpflichtete er den abgehalfterten Kinderstar Macauly Culkin aus den „Kevin allein…“-Filmen, der sich für die Rolle auf 40 Kilogramm herunter hungerte, sich künstliche Brüste implantieren ließ und keine einzige Minute mit Trainieren im Ring verbrachte. Das Ergebnis der Bemühungen vom Boss persönlich war ein dreistündiges Epos ohne jegliche Geschichte, dafür aber mit Witzen im Minutentakt über Zwergwüchsige, geistig Kranke und fette Frauen. Bei der Verleihung der goldenen Himbeere durfte McMahon insgesamt fünf Auszeichnungen einheimsen. Aus Trotz erfand er den Slammy für den besten Film des Jahres und heimste diesen bei eine Special-Ausgabe von RAW anlässlich des DVD-Release von „The Diva“ selbst ein.


Im März mussten alle ganz tapfer sein. Das lag aber nicht an WrestleMania XXVI, die noch schlechter war als die Jubiläumsausgabe ein Jahr zuvor. Vielmehr wurde der Name ECW letztlich doch – wie von vielen Ur-Fans schon lange gefordert – eingestampft. Nach langen Überlegungen entschieden sich die Verantwortlichen dazu, die Show „WCW Tuesday Night Wars“ zu nennen. Dixie Carter strengte daraufhin eine Klage gegen Vince McMahon an, weil auch sie vorhatte, TNA einen traditionelleren Namen zu verleihen. Den Vorschlag „WCW“ bekam sie dabei vom neuen Chef der Liga, Hulk Hogan, an den Carter und Jarrett eine Entscheidungsvollmacht ausgestellt hatten. Hogans Argumentation: „WCW rules, brother! We kicked WWE’s ass back in the 90ies, brother! We’ll repeat that soon, brother! Half of the original WCW works here, brother!“ Der Richter wies die Klage dennoch ab. Als im Juni endlich ein Medikament gegen Selbstüberschätzung, Größenwahn und Dummschwätzerei auf den Markt kam, fiel der Hulkster einem endlosen Weinkrampf zum Opfer, der bis Ende des Jahres anhielt. Gerüchte besagen, diese Heulerei könnte auch daran gelegen haben, dass eine Affäre von Jeff Jarrett mit Hogans Ex-Ehefrau öffentlich wurde. Welchen Grund der Zusammenbruch von Hogan auch hatte: Das Duo Carter/Jarrett musste wieder die Verantwortung übernehmen. Die WWE-Show „WCW Tuesday Night Wars“ wurde übrigens im September endgültig eingestellt, nachdem die Ratings ein Dauertief von 0,3 erreichten. McMahons ratloses Statement bei der Aktionärsversammlung: „Bei dem tollen Namen der Show und einem Gastauftritt von John Cena im August kann ich mir das einfach nicht erklären.“


Auch für Bret Hart persönlich wurde WrestleMania XXVI zu einem Fiasko. Die Schlagzeile in der Calgary Sun lautete einen Tag darauf „Shame on you if you fool me once, shame on me if you fool me twice“. Was war passiert? The Excellence of Execution trat in einem der meisterwarteten Main Events der Show gegen Vince McMahon an. Dieser setzte einen Sharpshooter an und Referee Charles Robinson ließ das Match tatsächlich wegen Submission abläuten, obwohl Bret nicht abgeklopft hatte. Noch heute rätseln die Fans, ob dieser zweite Screwjob, der als Phoenix Humiliation in die Geschichtsbücher einging, nicht doch ein Work war. Einige temporäre Twitter-Einträge eines besoffenen Matt Hardy (die wenige Stunden später schon wieder gelöscht waren) deuteten jedenfalls darauf hin.


Die WrestleMania Revenge Tour im April in Hannover, Berlin und Oberhausen war ein voller Erfolg. In Massen strömte die WWE Milky Way in die Hallen und verschaffte Vince somit Einnahmen in Höhe von 5 Millionen Euro. In allen drei Städten bekam man erst im Main Event die volle Starpower geboten. Die Kinder rasteten förmlich aus. In Hannover und Berlin traf dabei im letzten Match des Abends Jimmy Wang Yang auf Slam Master J und besiegte diesen jeweils in einem epischen Drei-Minuten-Kampf. Die Fans in Oberhausen bekamen sogar ein noch größeres Spektakel: ein Mixed Tag Team Match. Dank Maria an seiner Seite durfte auch Slam Master J einen Sieg einfahren, während das eigentliche Duo Wang Yang und Layla sich ordentlich gestritten hat. Durch die perfekt gespielten Unstimmigkeiten schaffte es dieses Match sogar auf drei Minuten und 41 Sekunden. Die Füße der Bälger wären dabei fast eingeschlafen, da sie so lange nicht mehr zum Ring vorrennen konnten. Dank des finanziellen Segens entschloss sich McMahon, im Herbst gleich zehn deutsche Städte in eine weitere Tour einzubauen. Der Höhepunkt wurde dabei ein Event in der Arena auf Schalke. Die Karten dafür waren dank der Euphorie der WrestleMania Revenge Tour bereits nach 17 Minuten vergriffen. Vince belohnte das, indem er zu der eigentlichen SmackDown-Tour sogar einen absoluten RAW-Topstar mitschickte. Die Lautstärke in der Arena auf Schalke erreichte die 200-Dezibel-Marke als eben jener RAW-Special Guest – Primo Colon – den Main Event des Abends gegen den Heel geturnten Kung Fu Naki gewann.


Der Herbst war geprägt vom Fight of the Irish. Der ehemalige WWE Champion Sheamus war nach seinem Titelverlust beim Royal Rumble endlich ganz oben angekommen und lieferte sich eine erbitterte Fehde mit Hornswoggle. Das Zielpublikum der WWE (U14) lachte sich schon kaputt, als Hornswoggle beim SummerSlam mit einer Spritzpistole für eine verheerende Niederlage des Celtic Warrior sorgte. Bei der größten Party des Sommers unterlag Sheamus gegen Santino Marella in einem Hell in a Cell TLC Match, nachdem diese beiden zuvor eine sechstägige Fehde um die Bella Twins gegeneinander ausgefochten hatten. Noch witziger wurde es schließlich bei Breaking Point als der Kobold und der Krieger in einem I Quit Match aufeinander trafen. Sheamus hielt unglaubliche 23 Tadpole Splashes in Folge aus, bevor er schließlich doch die magischen zwei Worte sprechen musste. Eine derartige Folter hatte zuvor noch niemand ausgehalten. Sheamus brachte das einen jetzt schon sicheren Platz in der Hall of Fame 2011 ein, während die Schlacht der beiden mit großem Abstand vom WWE Milky Way zum Match of the Year gewählt wurde. Platz 2 belegte übrigens Jimmy Wang Yang vs. Slam Master J aus Hannover.


Nachdem er bei WrestleMania XXVI gegen John Cena seine Siegesserie auf 18:0 ausbauen konnte, benötigte der Undertaker eine längere Pause vom Wrestling. Erst im Sommer feierte er sein Comeback bei Night of Champions, als sich Michael Cole plötzlich im Dunklen in den Deadman verwandelte (Cole wurde seither nicht mehr gesehen, zu seinen Ehren wurde das Wort „Vintage“ in einer Extra-Zeremonie in die Hall of Fame aufgenommen). Schnell stellte sich heraus, dass der Undertaker sich in der Zwischenzeit einer Generalüberholung unterzogen hatte und ihm ein von Skynet entwickeltes Metallskelett eingesetzt worden war. Durch das neu hinzugewonnene Gewicht der Knochenkonstruktion konnten im restlichen Verlauf des Jahres nur noch zwei Superstars den Undertaker zu Fall bringen: 1. John Cena, der den Koloss mit einem „I really like you, but you did not behave nicely“ (freundlicherer Name für das Attitude Adjustment) auf die Matte hämmerte. 2. Rey Mysterio. Schnell entfachten sich erste Gerüchte um das nächste WrestleMania-Match des Phenoms from Death Valley, der von da an als „from the future“ angekündigt wurde. Sein Gegner bei der 27. Ausgabe des größten Spektakels im Sports Entertainment soll niemand Geringeres als Arnold Schwarzenegger sein.


Einen Tag, nachdem Deutschland durch ein Tor von Stefan Kießling vom deutschen Meister Bayer 04 Leverkusen Fußballweltmeister wurde, herrschte auch endlich Klarheit darüber, was The Rock meinte, als er gegen Ende des vergangenen Jahres angekündigt hatte, eine groß angelegte Zusammenarbeit mit WWE zu planen. Bei RAW ließ Dwayne Johnson die Bombe platzen. In einem 2 ½-stündigen Intensivkurs hatte er allen Superstars von World Wrestling Entertainment beigebracht, die Augenbraue wie er selbst hochzuziehen. Ein Hauch von Rocky war endlich ins Unternehmen zurückgekehrt. Chris Masters ging sogar auf große Welttournee, weil er gleichzeitig Muskeln zucken lassen konnte und dabei mit den Augenbrauen wackelte. Damit gewann er auch das Finale der US-Ausgabe von „Das Supertalent 2010“


Als ich dann am Ende des Jahres 2010 auch mal bei mir selbst vorbeischaute – natürlich immer höllisch vorsichtig, meinem Zukunfts-Ich nicht zu begegnen, um einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum zu verhindern – konnte ich beruhigt feststellen, dass ich immer noch ein Fan vom Wrestlingzirkus war. Trotz der vielen Macken, über die man sich so gerne aufregt, blieb das sympathische Treiben nämlich trotzdem noch eine kleine aber feine Ablenkung vom Alltag. Ich konnte also zufrieden die Türen vom De Lorean hochheben, mich in die Sportsitze fallen lassen und wieder zurück in meine eigene Zeit reisen, wo ich meine Erlebnisse gleich für euch niedergeschrieben habe. Ich hoffe, ihr konntet ein bisschen schmunzeln und in diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein schönes, erfolgreiches und gesundes Jahr 2010.

PS: Feedback an meine Email-Adresse michael.schwartz@bsww.de ist natürlich wie immer erwünscht.
11
ANZEIGE

© 1998-2010 BSWW.de. Alle Rechte vorbehalten.