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BSWW.de: Nanas Cabana – ECW - Der etwas andere Nachruf
Schon Triple H sagte einst zu Batista: „Sieh es doch mal locker!“ Recht hat er. Und diesem Rat folgend betrachtet Nanas Cabana die Wrestling-Welt für euch aus der etwas süffisanten Perspektive. Wer zum Lachen in den Keller geht, der sollte sich schleunigst auf den Weg machen… und nicht vergessen den Rechner mitzunehmen! Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen von "Nanas Cabana".
In dieser Woche war es also soweit. Vince McMahon erklärte nun ganz offiziell das Ende der ECW. Aber, blicken wir doch mal zurück und lassen das Leben der ECW in stiller Erinnerung noch mal an uns vorbei ziehen.
Wer jetzt gedanklich irgendwo Mitte der 90er steckt und an Paul Heyman und seine Show auf TNN denkt, der ist zu weit in die Vergangenheit gereist und bei der Ur-ECW gelandet. Und wer jetzt mit Grauen an das Auflodern der ECW innerhalb der Invasion-Storyline mit Stephanie McMahon als Besitzerin denkt, der wühlt auch noch zu tief in der Erinnerungskiste. Denn wir wollen heute der Neu-ECW gedenken, die seit 2006 existierte.
Es war einmal ein riesiges Filmarchiv der WWE. Damit muss doch etwas anzufangen sein, dachten sich die Verantwortlichen. Kraft göttlicher Eingebung und Gummibärchen hatte man dann 2005 die findige Idee, eine DVD über die Ur-ECW auf den Markt zu bringen. Also machte man sich an die Zusammenstellung der DVD „The Rise and Fall of ECW“. Diese verkaufte sich dann im Anschluss wie geschnitten Brot und war damals nach WrestleMania 21 die zweiterfolgreichste DVD der WWE überhaupt.
Während Vince McMahon im WWE-Headquarter saß und angestrengt rechnend über einem Haufen von mathematischen Formeln zur Kalkulation und Bilanzierung darüber brütete, ob und wie man in Sachen ECW noch etwas auf den Markt werfen könnte, hatte er eine Erscheinung. Das waren zwar nicht die Geister, die er rief, aber immerhin RVD, Bubba Ray Dudley und Tommy Dreamer. Diese ehrenwerten Gentlemen kamen mit dem Totschlagsargument zum WWE-Chairman, dass man mit der ECW jede Menge Geld verdienen kann und obendrein wenig Ausgaben haben würde, weil man viele ECW-Originale sowieso unter Vertrag habe. Der WWE-Chairman ließ sich von diesem Argument zwar nicht tot-, aber immerhin breitschlagen einen speziellen ECW-PPV zu veranstalten. Der geheime Gedanke der drei „Geister“ war, dass man sich im Jahr 2001, als die Ur-ECW ihre Pforten schloss, nicht richtig von den Fans verabschiedet hatte. Und weil der WWE-Chairman zwar alles essen darf, aber nicht alles wissen muss, hat er seine Stirn wieder tief in Falten gelegt und gleich mal ausgerechnet, was für Quoten so ein PPV wohl bringen könnte, denn immerhin war die Ur-ECW relativ erfolgreich, weshalb man damals schon mit ihr zusammengearbeitet hatte.
Bei dem dann folgenden PPV „ECW One Night Stand“ sollten eigentlich Tommy Dreamer und Paul Heyman freie Hand haben. Aber die Tickets verkauften sich nur schleppend. Das könnte daran gelegen haben, dass sich die WWE bei der Kalkulation der Ticketpreise zwischen 100 und 400 Dollar gründlich verrechnet haben dürfte. Von Seiten der WWE griff man jedenfalls aus Angst vor einem Misserfolg ein, indem man die vorhandenen RAW und SmackDown Shows via Storyline integrieren ließ. Letztlich saßen dann die Wrestler der Hauptshows in schicken T-Shirts, Mitglieder von Raw in rot und Angehörige von SmackDown natürlich in blau im Hammerstein Ballroom auf Balkonien und hatten so etwas wie bezahlte Zwangsfreizeit. Immerhin durften sie gelegentlich was sagen, während die Wrestler der Ur-ECW unten im Ring arbeiteten. Man hat sozusagen das Real-Shoot-Twittern ohne Computer erfunden, bevor es das Twittern überhaupt gab. Zu guter Letzt gingen, wie immer, alle aufeinander los und die ECW-Riege schmiss die Wrestler der Hauptshows aus dem Ring.
Der PPV war ein Erfolg und die WWE beschloss, in Sachen ECW weiterhin die Stirn in tiefe Falten zu legen. Immerhin tagte der McMahon-Familienrat zu diesem Thema. Die Damen der Familie waren dagegen die ECW als eigenen Brand neu ins Programm zu nehmen. Wahrscheinlich fürchteten sie die Gewinne der Show seien nicht ausreichend um viele neue Handtaschen und Schuhe zu kaufen, oder so ähnlich. Vince glaubte aber an einen möglichen Erfolg. Er hatte schließlich alles kalkuliert und bilanziert. Und, weil Shane McMahon irgendwie von allem Fan ist, was die WWE nicht selbst produziert, bekannte er sich gleich mal zum ECW-Fan und stimmte ebenfalls dafür der ECW neues Leben einzuhauchen. Die Herren des Clans setzten sich wohl durch das Versprechen vieler neuer Handtaschen durch und die ECW sollte durch einen second „One Night Stand“ 2006 abermals aus der Wiege gehoben werden.
Arbeitsam wie ein Ameisenhaufen ging man zu Werke und plante zunächst erstmal 12 Shows als Testlauf. Man verpflichtete Paul Heyman als Booker, weitere ECW-Originale, wie z.B. Sabu und führte wieder einen eigenen ECW-Titel ein. Ein TV-Deal mit Sci-Fi machte die neue Show perfekt. Man wollte die Zielgruppe erschließen, die damals die Ur-ECW als Alternative zu den Shows von WCW und WWE gesehen hat. Und weil das ganze nichts mit Gastronomie oder einer eigenen Football-Liga zu tun hat, muss das doch ein Erfolg werden, oder?
Bei der Umsetzung der Shows vergaß man aber leider den WWE-Chairman aus- oder einzusperren, so dass Vince-Kontrollfreak-McMahon immer wieder selbst in den Ablauf der Show eingriff, anstatt Paul Heyman in Ruhe arbeiten zu lassen oder wenigstens Shane McMahon die alleinige Verantwortung zu überlassen. Und, weil der WWE-Chairman eben auch nicht aus seiner Haut kann, wurde aus einem Alternativprodukt zu den WWE-Hauptshows ein trauriger Teil des WWE-Einheitsbreies.
Bei der Produktion der dann auf Dauer angelegten Show hatte Heyman aber nicht nur mit einem freilaufenden quengeligen Chairman auf den Füßen zu kämpfen, sondern auch mit Personalnotstand. Es ist schwierig mit elf bis dreizehn aktiven Wrestlern eine eigene Show zusammen zu zimmern. Obendrein verlangte der Sender Sci-Fi eine Anpassung der Show an sein sonstiges Programm. Schon zu TNN-Zeiten war Heyman entschiedener Gegner einer Anpassung seines Produktes an den Sender. Aber nun war die ECW ein WWE-Produkt und Charaktere wie der Boogeyman und Kevin Thorne hielten Einzug. Sci-Fi hätte wohl am liebsten eine Horror-Punk-Wrestling-Show gehabt. Mit dem ECW-PPV „December to Dismember“ gab es ja letztlich dann auch Horror ohne Ende. Dem Personalnotstand entgegnete man, indem man alle Wrestler in der ECW zwischenlagerte, die man gerade in den Hauptshows nicht brauchte, die zu unerfahren für die Hauptshows waren, die man TNA nicht gönnte oder die man sich einfach nicht traute an der nächsten Autobahnraststätte auszusetzen. Nun setzte eine Fan-Völkerwanderung in Richtung TNA und UFC ein. Und auch die Worker bekamen Lust zu wandern. Ein ECW-Original nach dem nächsten und auch Heyman selbst gingen unterwegs irgendwie verloren. Mit Tommy Dreamer verließ dann das letzte ECW-Original das bereits gesunkene Schiff.
In dieser Woche wurde die ECW unspektakulär ohne hauseigenen WWE-Sensenmann via mcMahonscher Durchsage zu Grabe getragen. Jetzt will die WWE uns also eine ganz tolle neue Show namens NXT bescheren, in welcher der Nachwuchs gefördert werden soll. NXT, weil „Next“ als Name schon weg war. MTV war schneller, was die Namensrechte angeht.
Ich finde es ja immer noch äußerst drollig, wenn man einerseits lauthals beklagt, dass man keinen jungen, talentierten Nachwuchs hat, diesem nichtvorhandenen Nachwuchs aber gleich mal nach „WWE Superstars“ die zweite eigene Show spendiert. Durchgesickert ist bislang, dass die neue Show zum Teil auf dem Konzept von Taboo Tuesday/ Cyber Sunday beruht. Also wird es wohl immer mal wieder ein Internetvoting zu Matchteilnehmern und Matcharten geben. Marktforschung mal ganz plump. Und auch eine Reality-Show im Sinne von Tough Enough ist angedacht, in der junge Talente bei ihrem Aufstieg (oder Fall) begleitet werden, denn erfahrungsgemäß verkauft sich ja alles ganz prima, wenn „Rise and Fall“ drauf steht.
Ich befürchte nur, dass es nicht lange dauert, bis es heißt: „WWE sucht den Super-Wrestler“ oder „WWEs next Top-Diva“ mit dem Untertitel: “Nichts essen mit Mickie James“. Eine tolle Idee wäre doch auch Wrestler via Reality-Show bei ihrer Entziehungskur zu begleiten. Das wäre dann „WWE-Celebrity Rehab“ anstatt nichts trinken mit Brigitte Nielsen gibt es dann bei der WWE keine Schmerztabletten mit Jake Roberts. Vielleicht gibt es dann auch bald ein Segment wie „Cheaters“. Da könnte dann Matt Hardy herausfinden, wer von wem betrogen wurde. Bret Hart oder Edge hätten da bestimmt noch ein wenig Zeit. Dicht gefolgt von der Reality-Show: „Viscera schafft den Marathon (und nimmt dabei mit Joey Kelly ab)“. Aber bitte, bitte kein Teleshopping-Segment um DX-Merchandise unters Volk zu bringen!
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