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BSWW.de: Gorges' Corner #5
Von Stefan Gorges
Dienstag, 27. Juni 2006
Gorges' Corner beleuchtet in unregelmäßigen Abständen die aktuellen Geschehnisse und Entwicklungen im Wrestling. Das Hauptinteresse gilt hierbei den Shows von World Wrestling Entertainment (WWE). Nachfolgend wird die subjektive Meinung des Autors wiedergegeben. Für Anregungen, andere Meinungen o.ä. zu den folgenden Ausführungen bin ich jederzeit dankbar.


Zunächst möchte ich festhalten, dass ich den Vengeance-PPV von World Wrestling Entertainment (WWE) in der Nacht auf Montag sehr genossen habe. Für mich persönlich ist ein Indikator für den Erfolg oder Misserfolg eines WWE-PPV’s die Feststellung, wie sich der folgende, aufgrund der Zeitverschiebung zu den USA relativ schlaflose Werktag entwickelt. Ich muss sagen, dass es sich gelohnt hat, in der Nacht aufzustehen und den Event live zu verfolgen.

Nachfolgend möchte ich einige Anmerkungen zu den Ereignissen des PPV’s geben, wobei ich an dieser Stelle nicht zu sehr in Kampfdetails gehen möchte. Hierzu findet ihr immer kurzfristig nach der Ausstrahlung in den USA die entsprechenden Reporte auf unserer Website.

Auffallend war für mich, dass Jim Ross äußerst neutral in Bezug auf Extreme Championship Wrestling (ECW) reagierte. Jerry Lawler agierte häufig mit provokanten Äußerungen, welche J.R. jedoch weitestgehend ignorierte.

Erfreulich war für mich die Tatsache, dass er PPV gleich mit dem Match zwischen Randy Orton und Kurt Angle startete. Ich bin ein großer Bewunderer von beiden Wrestlern und denke, dass dieses Match etwas zu kurz gehalten wurde, um sich zu einem wirklich überragenden Kampf zu entwickeln. Der Sieg von Orton lässt nach dem Sieg von Angle bei ECW One Night Stand jedoch die Möglichkeit eines dritten, entscheidenden Kampfes zu. Beeindruckend war die Tatsache, dass sich Angle zu 8 (!) German Suplex „hinreißen“ ließ. Der German Suplex gehört sicherlich zu den körperlich anstrengendsten Aktionen im Wrestling. Jedoch wundere ich mich, wie der angeschlagene Körper von Angle auf die Anstrengungen der letzten Woche reagieren wird.

Das von vielen Beobachtern sicherlich stark kritisierte Segment mit Vince McMahon und dem behinderten Kind kann ich nur begrüßen. Und ich möchte klar festhalten, dass dies nicht mit einer Belustigung von Menschen mit Handicap liegt. Vielmehr handelt es sich um ein WWE-Segment, welches dazu diente, Vince als arroganten Heel „over“ zu bringen. Die Tatsache, dass sich viele Fans über diese (gespielte) Situation echauffieren werden, stellt unter Beweis, dass Vince als bester Schauspieler in diesem Business mit seinem Ziel (sein Gimmick „over“ zu bringen) Erfolg hatte.

Armando Alejandro Estrada entwickelt sich langsam zu einem neuen WWE-Kult. WWE sollte jedoch an dieser Stelle schnell entscheiden, ob man Estrada zu einem Publikumsliebling aufbauen möchte oder ob Estrada weiterhin an der Seite des unbeliebten Umaga stehen soll. Derzeit bringt sich Estrada jedenfalls mehr bei den Fans „over“ als seinen Schützling. Dessen Kampf gegen Eugene war dann auch die erwartete Formsache, wobei jedoch das Mitwirken von Hacksaw Jim Duggan, Doink The Clown sowie Kamala für etwas Unterhaltung sorgte. Für mich was etwas seltsam, dass Umaga/Estrada einer Auseinandersetzung mit Kamala aus dem Weg gingen. Mir gefällt übrigens die Aktion von Umaga, mit welcher er seine Gegner mit dem Kopf voran gegen die Ringtreppe schleudert. Allerdings handelt es sich um eine sehr gefährliche Aktion.

Warum wurde Umaga nach dem Match nicht von allen drei Widersachern (Duggan / Doink / Kamala) gleichzeitig attackiert?

Das Match zwischen Ric Flair und Mick Foley war wirklich merkwürdig. Irgendwie wollte überhaupt keine Spannung aufkommen. Allerdings gefällt mir ununterbrochen der „Spot“, welcher Mick Foley ausserhalb des Ringes gegen die Ringtreppe befördert. Das unklare Finish lässt auf eine weitere Auseinandersetzung beim SummerSlam hoffen.

Carlito Caribbean Cool und Maria sind auch schon zu einem festen Paar wie seinerzeit The Rock und Lilian Garcia geworden.

Das Triple Threat Match um den WWE Intercontinental Title gefiel mir inklusive des modernisierten Einzugs von Melina und Johnny Nitro wirklich sehr gut. Der Kampf war ausgeglichen und jeder hätte hier gewinnen können. Ich muss aber kritisieren, dass Carlito zu oft die Ringseile für waghalsige Aktionen nutzt. Das kann auch mal ins Auge gehen. Carlito ist auch ohne die Hilfestellung der Ringseile zu guten Kämpfen in der Lage. Für Shelton Benjamin hoffe ich auf einen etwaigen Einstieg ins Rennen um den WWE Heavyweight Title. Vielleicht würde sich ja auch ein Wechsel zum zuletzt geschwächten SmackDown-Brand anbieten.

Vielleicht habe ich mich getäuscht, aber ich meine, dass gleich einige Fans in den ersten Reihen in Christian Captain Charisma T-Shirts zu sehen waren.

Edge lieferte zu Beginn seines Matches gegen eine passende und gute Promo ab. In der jüngeren Vergangenheit hat WWE aber irgendwie die Erklärung dafür verpasst, warum RVD als WWE Heavyweight- sowie ECW World Champion zu sehen ist. Das Match zwischen RVD und Edge war sehr aggressiv, was ich positiv bewerte. Den beiden Workern war anzusehen, dass viel Leidenschaft und Engagement im Match war. Der Sieg von RVD hat sicherlich viele Zuschauer überrascht und die These bestätigt, dass bei WWE wirklich alles passieren kann (unabhängig von irgendwelchen Houseshow-Cards in der Zukunft).

Eine interessante Frage von Jim Ross war übrigens: „Is there everything about sex in your life?“ an Jerry Lawler, welcher vom freizügigen Outfit von Lita begeistert war.

Kane vs. Fake Kane war eine eher ernüchternde Angelegenheit, wobei ich Freakin‘ Deacon bei seinem ersten PPV-Auftritt für WWE keinen Vorwurft machen kann. Irgendwie wirkt die Fehde wie eine schlechte Kopie von Undertaker vs. Undertaker aus dem Jahr 1994.

Anmerken möchte ich, dass die anwesenden Wrestler von ECW während des folgenden Segments (backstage) sowie des Kampfes zwischen Sabu und John Cena nicht sonderlich gut aussahen. Sie wirkten auf mich wie typische Kneipenbesucher, welche in ein 5 Sterne Restaurant gehen. Das Match zwischen Sabu und Cena fand ich bemerkenswert, weil es Cena gelang, Sabu zur Aufgabe zu zwingen. Sabu gefällt mir derweil überhaupt nicht, was einfach an der Tatsache liegt, dass ich ein sehr traditioneller Wrestlingfan bin und mit dem unfairen Einsatz von Stühlen und Tischen nicht viel anfangen kann.

Den Kampf zwischen der DX und der Spirit Squad habe ich eher entspannt verfolgt. Ich bin kein Anhänger von Handicap Matches, da es hier meistens mindestens eine schlechte Partei gibt. Das Match erfüllt allerdings bestimmten Zweck, indem sich viele Fans an vergangene Wrestlinghighlights aus den späten 90er Jahren erinnert fühlten. Die Spirit Squad zeigte sich in der Rolle sehr wirkungsvoll, ihre Gegner gut aussehen zu lassen. Warum ist eigentlich vorher bei WWE noch niemand auf die Idee gekommen, ein Trampolin in der Nähe des Ringes aufzustellen.

Alles in allem brachte Vengeance den Ausgleich in der Fehde zwischen Kurt Angle und Randy Orton, keine Weiterentwicklung für Umaga, zwei Verlierer im 2 out of 3 falls Match, einen neuen Intercontinental Champion und gleich drei hoffnungsvolle Talente für die Zukunft, zwei sich in den Main Events etablierende Wrestler mit RVD und Edge, eine schwache Fehde für Kane, einen sich immer mehr Respekt verschaffenden John Cena sowie die Rückkehr der populären DX.


In dieser Woche werde ich die Entwicklungen bei WWE RAW und WWE Friday Night SmackDown beobachten und würde mich freuen, euch zur nächsten Ausgabe von Gorges‘ Corner begrüßen zu dürfen.
COMING SOON
 
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